IamTheMainstream 06.01.2008, 14:56 Uhr 1 0

Betrogen und Verzogen

Alles was nach seinem Geständnis blieb, war unser Leben und unsere Liebe, wie sie vorher war. Was ihm aber blieb, war sein Schuldgefühl.

Als ich nach Hause komme, sitzt Ben am Küchentisch. Ich sehe an seinem Blick, dass er auf mich gewartet hat, um mir etwas zu sagen. Ich merke auch, dass es nichts schönes sein wird.
Meine Jacke hänge ich an den Kleiderhaken, die gefüllten Einkaufsbeutel lege ich erst mal in den Flur. Die ganze Zeit sieht er mich an. Als ich mich an den Tisch setze, blickt er auf den Tisch ohne den Kopf zu senken. Ich sage nichts, gucke ihn nicht an.
Als ich ihn nach minutenlangem Schweigen tief ansehe, sein vertrautes Gesicht mustere, erwidert er meinen Blick. Ich warte darauf, dass er etwas sagt. Er sagt etwas. Er sagt, ich bin gestern Abend ziemlich spät nach Hause gekommen. Ja, sage ich, ist doch in Ordnung. Sein Mundwinkel verzieht sich leicht. Er sagt, er war nicht die ganze Zeit in der Kneipe mit seinen Freunden. Meine Augenbrauen verziehen sich fragend. Er sagt, dass er mir gestern Abend fremd gegangen ist. Ich zögere nicht und sage mit starker Stimme, ob ich sie kenne, und ob er sich verliebt hat.
Ich wundere mich, dass ich so ruhig bleibe, und der Stich im Bauch nicht stärker wird, sondern nachlässt. Während er anfängt zu erzählen, stehe ich auf und kümmere mich um die Lebensmittel, die in den Kühlschrank müssen. Es ist Sommer, und die Milch könnte schlecht werden. Er erzählt, dass er sie gestern kennen gelernt hat. Ich nicke, aber das sieht er nicht, die Kühlschranktür verdeckt mich.
Ich bin immer noch erstaunlich ruhig und finde das, was er mir da erzählt gar nicht so schlimm, obwohl ich weiß, was in seiner Erzählung als nächstes kommt. Dann haben wir uns unterhalten und dann haben wir uns geküsst und danach sind wir zu ihr gegangen, und haben miteinander geschlafen, sagt er. Dann fängt er an zu weinen. Ich erschrecke, ich hab ihn noch nie weinen sehen. Es rührt mich. Ich setze mich wieder neben ihn und lege meine Hand auf seinen Arm. Er legt seine Hände über sein Gesicht und wischt sich über die Augen. Ich sage, er solle sich erst mal beruhigen. Ich frage aber gleich, ob er sich verliebt hat. Er zuckt mit den Schultern und schüttelt dann aber unter schluchzen den Kopf. Ich lege meine Hand auf sein Knie. Er legt seine Hand über meine, und sagt, dass es ihm leid tut. Er guckt mich erwartungsvoll an, ich soll also etwas darauf antworten. Ich gucke ihm einfach nur in die Augen, ohne Antwort.
Plötzlich bricht es wieder aus ihm heraus. Er weint beim erzählen leise. Er atmet dabei lange mit lautlosen Schluchzern aus. Er erzählt zwischen dem Ausatmen, dass es ihm leid tut, dass das einfach so passiert sei, dass er mich liebe, dass er es mir gar nicht erzählen wollte, er aber die Lüge und den Betrug mir gegenüber nicht aushalten könne.. Ich denke nicht, frage nur, ob ihm der Sex nicht reiche oder nicht gefalle. Er schüttelt wieder den Kopf und sagt, dass er mich liebe, und dass er den Sex mit mir immer wunderschön fände.

Ich sage, dass es schon in Ordnung sei. Wir schweigen beide, ich gebe ihm einen Kuss, stehe auf und räume die Einkäufe in den Schrank. Er weint immer noch und seine Tränen tropfen auf die Tischplatte.

1 Antworten

Kommentare

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    Sehr nachempfindenswert (: ich finde Du hast es echt toll geschrieben. Aber eine Frage hab ich noch, falls Du sie mir beantworten würdest : Wie fühlt sich die Protagonistin nach der Leere oder der von Dir beschriebenen Ruhe? Sind da noch andere Gefühle?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
    Alles Liebe <3

    17.10.2011, 14:24 von favoriteIsabella
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