TheGruffalo 19.08.2012, 12:15 Uhr 0 1

Besser spät als nie. Sagt man sich zumindest.

„You – you are always on my mind. You – you’re the one I’m living for...” Mit dem nächsten Refrain überschwappt mich eine Welle der Erinnerungen.

You – you are always on my mind. You – you’re the one I’m living for...” läuft im Radio, als ich im Flughafen-Shuttlebus Richtung Rom Zentrum sitze. Große Gebäude und Denkmäler rauschen links und rechts an mir vorbei. Ich versuche mich zu konzentrieren und das Lied nicht weiter zu beachten. Seit nunmehr sieben Jahren erinnert es mich an eine ganz bestimmte Person. An eine Person, die nicht weit weg ist von dem Ort, an dem ich mich für die nächste Woche befinden werde. Obwohl ich weiß, dass wir uns in einer Millionenstadt nicht zufällig begegnen werden, ist meine kleine Reise trotzdem mit Aufregung verbunden. Mit dem nächsten Refrain überschwappt mich eine Welle der Erinnerungen. Erinnerungen an jene Sommertage mit ihm, damals als ich 15 war. Erinnerungen an einen grausamen Abschied. Klar und deutlich höre ich seine Worte, als hätte er sie erst gestern zu mir gesagt: „Mein Leben ist komisch. Ich bin hier und du bist dort. Ich wünschte, ich könnte jeden Tag mit dir verbringen. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Es macht mich glücklich, dass du irgendwo auf dieser Welt bist. Es macht mich glücklich jemanden wie dich zu kennen. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Viel Glück, für dich und für dein Leben!“ Ich folge meiner Intuition und teile ihm per SMS mit, dass ich in Rom bin. Kurz und bündig und ohne eine Frage zu stellen, da ich weiß, dass keine Antwort kommen wird. Trotzdem fühle ich mich leichter. Ich genieße das rege Treiben in der ewigen Stadt und entspanne täglich bei Cafè und Tramezzino in einer kleinen Bar, die sich in einer der vielen verwinkelten Gassen versteckt.

Nach meiner Rückkehr bin ich auf einer Party, auf der ich den ganzen Abend keinen Empfang habe. Später lese ich im Halbschlaf seinen Namen auf dem Display meines Mobiltelefons. „Anruf-Info: +39 ... hat versucht Sie anzurufen (29.10. um 23:02 Uhr) Diese SMS ist für Sie kostenlos“. Ein paar Wochen später durchlebe ich ein Déjà vu. Ein Abend lang kein Netz, danach die Info-SMS mit dem verpassten Anruf, seinem verpassten Anruf, zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit. Über sieben Jahre hat er noch nie versucht mich anzurufen. Das kann kein Zufall sein. Ich brenne darauf den Grund für die Anrufe zu erfahren.

Zwei Tage später steht meine Welt Kopf. Diesmal träume ich nicht. Er will mich wiedersehen, sagt er. Ob es okay wäre, wenn er mich besuchen kommt....

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