Isimo 16.02.2011, 15:55 Uhr 1 2

Begehren und Liebe

Nur die Liebe zwischen Menschen ist heute bestenfalls noch nicht über den Umweg des Preises miteinander verknüpft.

Nur die Liebe zwischen Menschen ist heute bestenfalls noch nicht über den Umweg des Preises miteinander verknüpft. Die fleischliche Lust allemal, was ein Besuch der Hansestadt wohl aufklärerisch unter Beweis stellt. Im Moloch der Triebe sieht es mit Gefühlen jedoch mau aus. Eine in sich stimmige Fusion von schlechter Schauspielkunst und ignoranter Leichtgläubigkeit. Doch was ist mit dem wahren Begehren, dem Nahe sein und Gedanken teilen? Der Mensch, der einem dafür bestimmt scheint, so sei er entdeckt, möchte angesprochen und umworben werden. Schlimm nur, das meine seine Wahrnehmung nicht erzwingen oder bestimmt lenken kann. Man selbst vertieft sich in flüchtige Phantasien und in den Augen des anderen Menschen passiert nichts. Aufmerksamkeit ist hart umkämpft, vor allem bei dem weiblichen Geschlecht. Ich glaube sie sehnen sich nach jemanden der irrationale Dinge tut, der einen anspricht und die Mauern zertrümmert, die wir um uns bauen um ja nicht zu viel von uns Preis zu geben, doch alle wollen sich doch preisgeben, wo doch alles einen Preis hat. Auch sie möchte Aufmerksamkeit, denn diese ist meist rar für jeden normalen Menschen. Jeder möchte begehrt werden, sich selbst aber nicht als Begehrer outen. Den Weg zu finden, jemanden Interesse zu bekunden, ohne sein Gesicht zu verlieren ist schwierig. Aber man verliert doch nicht sein Gesicht, man reißt sich allenfalls die Maske runter und zeigt sein wahres Ich. Doch sind andere so unter ihren Deckmantel gefangen, dass sie das Wahre als das Schauspiel zu erkennen glauben und ihre Maskerade als das wahre Spiel des Lebens empfinden.
Ich glaube ja, das Ansprechen kann auch nur funktionieren, wenn klar ist, das beide Interesse füreinander haben. Das wiederum merkt man durch ausreichende Signale. Man selbst hätte keinen Bock von irgendeinem Hanswurst förmlich angelabert zu werden, fände es aber himmlisch erleichternd von jemanden, den man sich selbst nur nicht anzusprechen getraut, eben angesprochen zu werden. Man müsste also sicher sein, dass auch der Mensch gegenüber schon Notiz von einem genommen hat, er es eben nur sofort wieder verdrängt, aus Gewohnheit des Flüchtigen im Alltag. Aber wie sonst Interesse bekunden, ohne in weißer Weste abgeführt zu werden. Die „Performance“ muss glaubwürdig sein. Man kann also morgens Rosen um sich schleudernd in die Bahn steigen und der Dame des Herzens ein Liedchen trällern um dann das Begehren zum Ausdruck zu bringen. Aber wenn man sie nur äußerlich kennt darf das Interesse nicht zu stark sein, sonst würde dies indirekt eine eher fleischliche Gesinnung vermitteln. Und meiner Meinung nach ist es eher schwer über die Triebe zur Liebe zu finden. Wenn man von einer Dame bezaubert ist und sich nicht im nächsten Moment wilde Orgien ausmalt, sondern ganz andere Vorstellungen entwickelt, wesentlich romantischere, dann entsteht wohl auch erst überhaupt in einem selbst die Notwendigkeit etwas bewegen zu wollen. Steht jedoch der Trieb, der Wille nach Sex vorn an, so bleibt meist auch die Strategie der Eroberung stumpf. Man hat ein beischlafwollendes Brett vorm Kopf, eine Morgenlatte halt. Doch wenn es nicht so ist, ist der Reiz der Dame sicherlich darin versteckt etwas verhülltes zu sein, etwas was es zu entdecken gilt. Und diesen Entdeckerdrang sollte man dann auch ausleben!

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    toller text, sehr gut getroffen!
    "Jeder möchte begehrt werden, sich selbst aber nicht als Begehrer outen. Den Weg zu finden, jemanden Interesse zu bekunden, ohne sein Gesicht zu verlieren ist schwierig. Aber man verliert doch nicht sein Gesicht, man reißt sich allenfalls die Maske runter und zeigt sein wahres Ich. Doch sind andere so unter ihren Deckmantel gefangen, dass sie das Wahre als das Schauspiel zu erkennen glauben und ihre Maskerade als das wahre Spiel des Lebens empfinden."

    24.02.2011, 21:29 von justcallmecoco
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