Bedingungslos
Wenn alles in einem zum anderen hin will, hin geht, wenn man nichts zurückhalten kann, den anderen annimmt, wie er ist, dann ist Liebe bedingungslos..
Wenn man mit der Liebe geht, wenn man sich von ihr leiten lässt, dann kann es passieren, dass man mitgerissen wird. Dass die Liebe einen atemlos werden lässt, weil sie so derart ergreifend ist, dass man nicht anders kann, als sich hinzugeben, darin aufzugehen, sich fallen zu lassen, ausschließlich getragen vom Herzen, den verstummten Verstand irgendwo in der Reisetasche, die sich Erfahrung nennt. Den Schlüssel der Vorsicht im Kästchen der Pandora zu wissen, ihn dort eingenommen von all dem Gefühl fahrlässig zu vergessen. Sich dennoch vertrauend bewusst zu machen, dass das Wort Vorsicht von Vorhersehung kommt und sich keiner von uns beiden in einem so allumfassenden Moment des Glücks, einer derart ergreifenden und von augenblicklichem Egoismus geprägten Welle der Liebe einer solchen Vorhersehung gegenüber verantworten will. Weil jene Welle gegenteilig auch bedeuten kann, unterzugehen, die Orientierung zu verlieren, von den Strömungen erfasst zu werden und von all dem Treibholz begeleitet an Land gespült, in die Realität zurückgeworfen zu werden. Weil die Liebe keine Berechtigung sucht, sondern einfach ist, was sie ist. Manchmal nur für Bruchteile von Augenblicken, die im nächsten Moment des Eintauchens in jenes Gefühl, schon der Vergangenheit, der Erinnerung angehören können. Weil die Liebe sich nicht lenken, sondern nur leben lässt. Und alles was man selber dazu tun kann, der Umstand ist, sie hineinzulassen in das eigene Herz, sich ihrer nicht zu verschließen. Weil die Liebe Antworten auf Fragen geben kann, weil sie dort anfängt, wo alles andere aufhört, wo Vernunft und Verstand aufgeben und dem Gefühl geneigten Hauptes weichen müssen.
Wenn alles in einem zum anderen hin will, hin geht, wenn man nichts zurückhalten kann, den anderen annimmt, wie er ist, dann ist Liebe bedingungslos, dann ist Liebe wahr.
Als du gingst, als du mich mit all meinem Gefühl für dich verlassen, mich zurückgelassen hast, war jener Gedanke, der unaufhörlich in meinem Kopf umhergeisterte der, dass ich mich gewagt habe zu vertrauen und mich dabei im Sinne des Wortes ver-traut habe, mich zuviel getraut habe. Inzwischen weiß ich, dass ich geleitet durch unsere Begegnung, durch unsere Zuneigung, in erster Linie mir selber vertraut habe, mir selber endlich etwas zugetraut habe. Ein Gefühl, was zum ersten Mal in meinem Leben blieb, auch als der Mensch, in dem es verankert ist, gegangen war. Ein Zustand, der trotz des so schmerzvollen inneren Kampfes, den ich nach deinem Weggang mit mir selber austrug, schließlich erst eine laute Stille herbeiführte, und inzwischen nach jenem großen Sturm eine Art der Ruhe in mir auslöst und mittlerweile bewirkt, dass ich mit jedem noch so winzigen Schritt allein, mit jedem Moment, in dem ich der Sprache meines Herzens aufmerksam Gehör schenke, mehr und mehr bei mir ankomme, ganz langsam auf unbekannten Pfaden zu mir selber finde. Eine Beziehung kann eine sinnvolle Ergänzung sein, kann anregen, vielleicht kann sie ganze Steine ins Rollen bringen oder auch Berge versetzen, aber sie kann nicht jene Sicherheit bieten, die es in sich selbst zu finden gilt.
In Zeilen an dich schrieb ich dir damals:
„Ich kenne das Gefühl, dass einem eine Beziehung vielleicht mehr Raum abgräbt als sie einem zugesteht, nur zu gut. Ich frage mich auch wieder und wieder, ob es jene Beziehung geben kann, in der beide so sein können wie sie sind, wie das Leben sie gemeint hat, mit all der Freiheit die Menschen wie du und ich so dringend zum Atmen brauchen. In der Nähe möglich ist, ohne dass die Verlustangst ein allzu treuer Begleiter wird. Eine Beziehung, in der jeder auch noch er selber ist, wenn die Flügelschläge der Schmetterlinge leiser werden. Ein Gefühl, was mich bisher regelmäßig ins Straucheln brachte, welches ich nie lange aushalten konnte. Eine Verbindung, in der nicht Leere und die Frage nach dem „Was war da mal?“ irgendwann dazu führen, dass einem die Schmetterlinge im Halse stecken bleiben. Weil Menschen wie du und ich so sind. Weil unsere Sehnsucht nach Unabhängigkeit einerseits und dem grenzenlosen Verschmelzen andererseits es uns oftmals so schwierig machen, das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Und bevor wir Gefahr laufen, jenen Halt zu verlieren, öffnen wir uns lieber nicht wirklich und vollkommen, weil es uns so sehr schmerzt, wenn uns andere verletzen oder wir das Gefühl der Ablehnung erfahren.“
Wenn ich meine Zeilen an dieser Stelle abermals lese, denke ich rückwirkend dir zu verstehen gegeben zu haben, dass ich noch auf dem Weg, noch auf der Suche bin. Auf der Suche nach mir selber, auf der Suche nach jener Liebe zu mir selbst. Das vielleicht einzige Mittel, was eine Brücke schlagen kann, um in sich ruhend an der Seite eines so innig geliebten Menschen verweilen oder gar verbleiben zu können. Sich ob des besagten mit an Land gespülten Treibholzes nicht länger schützend in Habachtstellung zu begeben, sondern es vielmehr aufzusammeln und es zum Bau jener Brücke, zum Festigen jener Verbindung zu verwenden.
Ich finde mit jedem neuen Tag und jedem Gedanken an das, was war und das, was noch kommen mag, mehr und mehr Liebe zu mir und gleichwohl zu dir. Ich möchte Brücken bauen, mit dir, an deiner Seite und nicht getrennt von dir sein, will mich mehr und mehr auf den Wegen jener Brücken nach vorne wagen, möchte dich halten und gehalten werden
Ich will weiter gehen, ohne Reue über jenen Bruch der Vergangenheit, , ich möchte nach vorne sehen, habe verziehen und möchte vergessen, weil ich dich liebe......bedingungslos.....




Kommentare
Ich finde mit jedem neuen Tag und jedem Gedanken an das, was war und das, was noch kommen mag, mehr und mehr Liebe zu mir
25.08.2010, 13:55 von M00NLIGHTFind' ich gut.
"und gleichwohl zu dir. Ich möchte Brücken bauen, mit dir, an deiner Seite und nicht getrennt von dir sein, will mich mehr und mehr auf den Wegen jener Brücken nach vorne wagen, möchte dich halten und gehalten werden
Ich will weiter gehen, ohne Reue über jenen Bruch der Vergangenheit, , ich möchte nach vorne sehen, habe verziehen und möchte vergessen, weil ich dich liebe......bedingungslos.....
Schöne Metaphern mit bei, finde ich aber wieder too much. Damit wird es wieder so speziell. So.. fest..
Super schöner Text!
24.08.2010, 22:49 von T.Traumtaenzerinhammer
23.08.2010, 14:37 von Meeresbodenschöner text. wundervoll ausgewählte und ausgedrückte gefühle.
22.08.2010, 18:57 von beaminggrandios! ;)
also
22.08.2010, 12:50 von MsLeigh1. bedingungslos habe ich auch mal gedacht, aber das ist echt nicht gut
2. schöne sätze
ABER: 3. ich fand es iwie echt verdammt anstrengend zu lesen
Danke fürs Formulieren ;-)! Mir gefällts!
22.08.2010, 11:52 von DschiinnDein Text gefällt mir augesprochen gut, schöne Metaphern, gute Wortwahl.
22.08.2010, 09:08 von nici-mausBesonders gefällt mir: "Eine Beziehung, in der jeder auch noch er selber ist, wenn die Flügelschläge der Schmetterlinge leiser werden." Poetisch-schöne Umschreibung für den Übergang von bedingunsloser Verliebtheit in ...??? Tja, wenn man DAS manchmal so genau wüsste.
Noch gelungener finde ich allerdings: "..., dass einem die Schmetterlinge im Halse stecken bleiben" - denn genauso kommt es einem manchmal vor, wenn von universum-sprengenden Hochgefühlen nichts mehr übrig bleibt als ein schaler Geschmack im Mund. Meine eigene Vorstellung, dass dieser von den Schmetterlingen im Hals kommen könnte, ließ mich kurz auflachen bei aller Tragik des eigentlichen Umstandes einer verlorenen großen Liebe.
Falls es eine wahre Geschichte ist, tut es mir sehr leid für Dich.. Große Lieben gehen beinahe niemals gut aus, sondern meist tragisch - was wirklich schade ist. Aber vielleicht können wir soviel Liebe und Glück über einen längeren Zeitraum einfach nicht ertragen..
Beziehungen, Liebe – all ihre Widersprüche und pathologischen Beimengungen – sind nicht unlogisch. Sorry, Ich kann diesen Unsinn einfach nicht mehr hören. Im Gegenteil: sie folgen den Prinzipien, dem Verhalten, die sie geprägt, hervorgebracht haben und überliefern sie. Mit zum Teil hirnerweichend abstrusen Umwegen, aber der Ursprung ist es nicht. Es klingt vielen zu unromantisch, dass jeder neuronale Vorgang, der interpretiert und zu einem Gefühl, zu einer Emotion zusammengebaut wird, unumstößlich kausal Ursachen und Gründen folgt. Genauso bedingt wie sich diese Mechanismen verhalten, sind auch Emotionen kausal bedingt. So bescheuert und chaotisch sie sich auch darstellen mitunter, sind sie einer Ordnung unterworfen. In sich selbst ebenso wie zu Anderen. Es gibt nichts Unbedingtes.
22.08.2010, 02:37 von schaubyNatürlich sind Impulse und heftige Emotionen mitunter schwerer lenkbar, als unsere Ansprüche daran. Jeder kennt diese Erfahrung. Menschen allerdings zeichnet die Fähigkeit aus, in diese Mechanismen aktiv eingreifen zu können, indem man sie zunächst einmal transparent macht, persönliche Ursachen erkennt und akzeptiert. Damit Unbewusstes ins Bewusstsein zu heben und eine aktiv geistesgegenwärtige Entscheidung für oder gegen einen Impuls zu ermöglichen.
Schwärmen und Taumeln, Fließen ohne Hindernisse ist etwas unbeschreiblich schönes, aber ohne Verstand nicht nur lebensgefährlich sondern schlicht behindert. Zu Beziehungen gehört das Verständnis welchen – bei näherer Betrachtung oft gar nicht SOOo einzigartig individuellen – Regeln sie folgen im ewigen Räderwerk aus Selbstbehauptung und Anerkennung des/der Anderen. Ohne pragmatische Einsichten, wären wir heillos Affekten und Launen ausgeliefert, die über den Augenblick hinaus weder eine Identität, noch ein entsprechendes Wertegerüst zusammenhalten. Soviel Liebe zur Wirklichkeit muss schon sein, damit sie eine Chance hat.