pastell_schwarz 30.11.-0001, 00:00 Uhr 32 10

Aushalten.

Aber an sich war ich nicht unglücklich. Bis du mir sagtest, dass du mich nie hättest küssen sollen.

Es ist nichts Neues, dass meine Gefühle nicht erwidert werden, ich mich in Sachen reinsteiger und einfach richtig unglücklich bin. Man müsste meinen, ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Dennoch verletzt es mich immer wieder. Oder besser gesagt: Dennoch lasse ich es immer wieder zu, verletzt zu werden.
 
Es ist auch nichts Neues, dass ich mich fühle, als würde ich sterben und nie wieder glücklich werden. Alles, was mir vorher Freude bereitet hat, tut es nun nicht mehr und erscheint mir irgendwie trivial. Ich fühle mich, als hätte mein Leben schlagartig seinen Sinn und kompletten Inhalt verloren. Obwohl ich weiß, dass es wieder besser wird. Es wird immer besser, irgendwann. Doch hilft einem das in so einer Situation überhaupt nicht.
 
Was habe ich gemacht, bevor ich dich kannte und mich in dich verliebt habe? Ich verliebe mich schnell. Zu schnell. Das fünfjährige Singlesein und die Tatsache, dass mein Vater mir seit meiner Pubertät seine Liebe verwährt, tragen ihr Übriges dazu bei. Doch bisher waren es immer Bekanntschaften aus Clubs oder von Partys. Diesmal ist es jemand, mit dem ich gemeinsame Freunde habe und bei dem es schwer wird, ihm für immer aus dem Weg zu gehen. Oder zumindest so lange, bis mein Herz sich erholt hat. Aber dann wird es komisch zwischen uns sein. Nicht mehr so cool und easy, wie es mal war.
 
Mein Leben gefiel mir bisher. Klar hätte es aufregender, spannender, abenteuerreicher und mein Job besser bezahlt sein können. Ich hätte mich gesünder ernähren und mehr Sport machen können. Öfter rausgehen, weniger schlafen. Aber an sich war ich nicht unglücklich. Bis du mir sagtest, dass du mich nie hättest küssen sollen. Du seist eigentlich ein Gefühlsmensch, aber für mich hättest du keine Gefühle. Du fandest mich bloß in dem Moment attraktiv, wo ich mit meiner Leggings und dem Schlabber-Shirt auf dem Bett lag. Und es hätte sich zu dem Zeitpunkt richtig angefühlt. Du hättest auf deinen Bauch gehört.
 
Wir schmiedeten Pläne, bevor das Rumgeknutsche alles zwischen uns kaputt machte. Wir verstanden uns gut, waren humormäßig voll auf einer Wellenlänge. Brachen in den Rosengarten ein, der im Winter geschlossen ist. Wollten in Museen gehen und nach Lissabon. Ich hätte mich gefreut, das alles freundschaftlich mit dir erleben zu dürfen. Aber das geht nun nicht mehr. Ich muss an den Bio-Unterricht denken. Irreversible Denaturierung. Der Ausgangszustand kann nicht wiederhergestellt werden, wenn er einmal zerstört wurde. Es gibt kein Zurück.
 
Du willst keinen Kontakt mehr, um meine Gefühlslage nicht auszunutzen. Das ist wohl die einzig richtige Maßnahme, doch es bricht mir das Herz. Du lebst dein Leben weiter, meines geht gerade zuende. In mir drin ist nur diese Leere, die alles einnimmt und mich nicht mehr atmen lässt. Mein Brustkorb schmerzt.
 
Du versuchst, mich aufzuheitern, und sagst: "Wer weiß, vielleicht finden wir ja beide dieses Jahr unsere große Liebe!" Und ich denke mir nur: Hallo, ich sitze gerade neben dir. Ich bin hier. Ich will deine große Liebe sein.
 
Vor kurzem erst meinte ich zu einer Freundin, dass man mit Menschen, die man für immer in seinem Leben behalten möchte, keinerlei romantische Beziehung eingehen darf. Früher oder später geht man sowieso auseinander. In meinem Fall früher. Und dann steht man da, innerlich zerbrochen und die Person, die man so für ihre Art schätzte, ist plötzlich weg. Menschen kommen und gehen, das gehört zum Leben dazu. Aber ich wollte, dass du bleibst.
 
Und ich kann nichts tun. Ich muss es aushalten.


Tags: Liebeskummer, Herzschmerz, aushalten, unerwiderte Liebe, unerwiderte Gefühle
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32 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Was bleibt, sind die Erinnerungen, an die Zeit, die nie mehr zurück kehrt....

    12.03.2016, 19:30 von nathkath
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  • 0

    'Vorher' wird nicht mehr wie vorher und 'danach' bleibt leider meistens danach. irreversible.

    25.02.2016, 22:24 von kopfkinokaos
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  • 0

    Man weiß vorher nie, welcher Mensch "für immer in meinem Leben bleibt"..... das weiß man nur am Ende.

    16.02.2016, 08:56 von Tanea
    • 0

      Das muss ja auch nicht unbedingt nur einer sein...

      16.02.2016, 09:47 von sailor
    • 1

      Du hast natürlich Recht. Ich meinte damit, dass Freundschaften meist länger halten als Liebe und man es daher lieber nicht riskieren sollte, dadurch alles kaputt zu machen.

      16.02.2016, 11:02 von pastell_schwarz
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    • 1

      Dann nenne ich die Liebe, die ich meine, halt "romantische Liebe". Du weißt doch, was ich meine.

      16.02.2016, 11:09 von pastell_schwarz
    • 1

      Freundschaft ist auch romantisch...

      16.02.2016, 12:07 von sailor
    • 0

      ;)

      Ich hör jetzt auch auf... Ich weiß was du meinst und will dich auch nicht ärgern.
      Ich hab nur dramatisch andere Ansichten zum klassischen Ablauf von Freundschaft -> Verliebtheit (!) -> Liebe -> Nix mehr.

      Da kann man jederzeit in den Lauf der Dinge eingreifen.

      Ich war mit allen meinen 'romantischen Freundinnen' auch befreundet gewesen und ich bin mit allen meinen Freundinnen noch immer befreundet (bis auf zwei, das hat aber andere Gründe). Weil die 'romantische Beziehung' (wie ich es nenne) ein 'on-top' der Freundschaft ist und nichts, was die Freundschaft ersetzt.
      Und wenn dieses 'on-Top' aus irgendwelchen Gründen verschwindet und man sich einigermaßen angemessen anstellt, dann bleibt die Freundschaft erhalten.
      Die pausiert meinetwegen einen Moment, weil jeder seine individuelle Anpassungskrise nach dem Ende einer solchen Beziehung verkraften muss, aber so etwas kann man verkraften...

      16.02.2016, 12:16 von sailor
    • 0

      Ich habe mehr Freundschaften ziehen lassen, als Liebschaften, deswegen habe ich dazu auch eine eigene spezielle Meinung.
      Es hat für mich nichts mit dem Status der Beziehung (Freundschaft, Liebe, Ehe, Eltern) zu tun, wie lange sie hält und wie intensiv sie ist, sondern wie man in der Beziehung miteinander umgeht und kommuniziert.

      17.02.2016, 09:30 von Tanea
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  • 1

    »Und ich kann nichts tun.«

    Einer der fatalsten Irrtümer überhaupt.

    16.02.2016, 08:14 von sailor
    • 0

      Was kann man denn tun?

      16.02.2016, 11:05 von pastell_schwarz
    • 0

      Das bleibt deiner Fantasie überlassen...

      Du kannst deine Ansichten verändern, zum Beispiel. Das hat manchmal schon erdrutschartige Folgen.
      Du kannst dich von dem Wunsch lösen, 'für einen anderen' etwas sein zu wollen und dieses 'Sein' von der Zustimmung des anderen Abhängig zu machen...

      Oder so...

      16.02.2016, 11:13 von sailor
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    • 0

      Mach ich gerne...
      :)

      Mit Zen-Buddhismus habe ich mich schon mal ein wenig auseinandergesetzt.
      Ein Freund von mir übt sich in Zen-Meditation. Der will mich mal davon überzeugen, mit zu machen.
      Finde ich gut. Dann hat man wenigstens was zu tun. Den ganzen Tag rumsitzen und nixtun, das könnt ich garnicht...

      16.02.2016, 11:32 von sailor
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    • 1

      Zwei Daumen für 'wibbelfutt'...
      :D

      Ich trinke morgens, komme was da wolle, eine Tasse Tee. Gerne am Fenster und besonders gerne, wenn die Sonne hereinscheint. Und GANZ besonders gerne wenn ich alleine bin und es still ist.
      Still könnte es sowieso viel öfter sein...

      16.02.2016, 11:36 von sailor
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    • 0

      Alles ist Meditation, wenn man es nur entsprechend anschaut.
      Und ich bin eh nur sehr sehr schwer aus der Ruhe zu bringen.

      Ich mag ja auch kontemplative Arbeit.

      16.02.2016, 11:42 von sailor
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  • 2

    Zuviel retrospektive Konjunktive um 'glücklich' zu sein.
    Und klär mal die Nummer mit deinem Vatter, sonst wird das sowieso nix...

    16.02.2016, 08:13 von sailor
    • 1

      Ich war schon in Therapie, aber es hat nichts gebracht. ER müsste mal ne Therapie machen, aber über so Gefühlssachen kann man mit ihm überhaupt nicht reden.

      16.02.2016, 10:56 von pastell_schwarz
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    • 0

      Klingt ausgesprochen dysfunktional...
      Warum sollte man 'über so Gefühlssachen' (was immer das auch sein mag) mit seinen Eltern reden...?

      16.02.2016, 11:15 von sailor
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    • 0

      Richtig.
      Aber ab einem bestimmten Alter ist jeder für sein Gesicht selber verantwortlich...

      Ich habe sehr früh damit aufgehört, von meinen Eltern die Lösung meiner Probleme verlangen zu können und dann auch kurz danach, sie für meine Probleme verantwortlich zu machen.
      Das ist glaube ich das, was die immer mit 'erwachsen werden' meinen...

      16.02.2016, 11:34 von sailor
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    • 1

      Naja, wenn er nicht fähig ist, zu lieben oder zumindest seine Wertschätzung zu zeigen und ich, die eigentlich nichts dafür kann, bleibende Schäden davontrage, sollte er mal sein Verhalten überdenken. Tut er aber nicht. Er weiß nicht nicht mal, dass ich seit vier Jahren wegen Depressionen in Behandlung bin. Es würde ihn aber auch nicht interessieren.

      16.02.2016, 15:48 von pastell_schwarz
    • 0

      Leute, die mir keine 'Wertschätzung' entgegenbringen, können gerne bleiben, wo der Pfeffer wächst...

      16.02.2016, 16:03 von sailor
    • 0

      Überdenken sollte er, keine Frage... Aber wenn er das nicht tut... Gute Reise, guten Weg...

      16.02.2016, 16:27 von sailor
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      mhmmhh ja der Vater. Ich weiß sehr genau, was du meinst. Tja, habe mir auch schon 3 Millionen Fragen gestellt. Das hilft aber alles nicht weiter. Was weiter hilft, wie meine Vorrednerin schon gesagt hat, damit umzugehen. Es lernen. Nicht mehr verstehen wollen. Er ist wie er ist. Und du kannst ihn nicht ändern, du aber dich. Ich weiß, es ist alles leicht gesagt. Gerade die Eltern sind einem doch so enorm wichtig. Anerkennung zu erhalten. Ja ich weiß. Das wird auch niemand ersetzen können. Keine Freunde, keine Kollegen, keine Bekannten.

      Mach dich nicht dafür verantwortlich. Familie kann man sich nicht aussuchen. Sie ist da.


      12.03.2016, 19:35 von nathkath
    • 1

      »Gerade die Eltern sind einem doch so enorm wichtig. Anerkennung zu erhalten.«

      Isr das so? Oder ist das auch einer dieser vielen Glaubenssätze, die einem so lange vorgebetet werden, bis man unreflektiert der Meinung, das 'sei' so?

      14.03.2016, 09:15 von sailor
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