einfachMarie 30.11.-0001, 00:00 Uhr 17 44

Auf Zehenspitzen

Es gibt Tage an denen ich weiß, dass das Leben wunderbar ist und das all das verloren geglaubte Glück zu mir zurück kommen wird, auch ohne dich...

Das Holz knarrt unter meinen Füßen, obgleich ich bereits auf Zehenspitzen durch die Wohnung schleiche, höre ich jeden meiner Schritte viel lauter als sie vermutlich wirklich sind.

Als ich an der Tür bin, werfe ich einen Blick in die Wohnung zurück, in der ich meine letzte Nacht verbracht habe, in der ich wieder einmal die ganze Nacht wach lag, in Gedanken verloren mich gefragt hab´, ob ich es nicht hätte wissen können, dass es so kommen wird. Wieder einmal so kommt. 
Ich öffne die Tür und hoffe nur, dass Niemand wach wird. Das er nicht wach wird. Kein Morgen danach und bloß keine Fragen.
Die Tür fällt hinter mir in´s Schloss und somit schließt sich eine weitere Nacht, in der ich wieder versuchte etwas zurück zu holen, etwas zu fühlen, was schon einmal da gewesen ist. Dieses große Ding muss es doch auch mit Irgendwem anderes geben.
Die Nachwehen der vergangenen Nacht sind noch deutlich auf der Straße zu sehen während die ersten Sonnenstrahlen mein Gesicht wärmen und mit einem Mal die ganze Last, die ganzen schweren Gedanken der letzten Stunden von mir fallen und ich nicht weiß ob ich weinen oder lachen soll, dann aber irgendwie beides tue. 
Es ist nicht das erste Mal, nicht die erste Nacht in der auf Zehenspitzen eine Wohnung am Morgen danach verlasse. Selbst die Gedanken, die ich in den wachliegenden Nächten hege, sind jedes Mal die selben. Doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Aber ob das so gut ist, weiß ich mittlerweile nicht mehr.
Ich habe das Gefühl für den Zeitraum verloren in dem ich nichts mehr von dir gehört habe. Es könnten gut zwei aber vielleicht auch erst einen Monat sein. Und ich weiß auch nicht mehr wie lang es her ist, dass du dich entschieden hast. Das du dich allein für uns, gegen uns entschieden hast. Das ist bestimmt drei Monate her. Oder zwei.
Seitdem hast du dich komplett verschlossen, du bist eben konsequent. In all deinen Entscheidungen. Falsche Entscheidungen triffst du so wie so nie. Lieber fragst du dich den Rest deinen Lebens wie unsere Kinder ausgesehen hätten, als das du mir sagst, dass du mich vermisst.
Ich beschreite seitdem Berg und Tal doch komme Nirgendwo wirklich an. Es gibt Tage an denen ich weiß, dass das Leben wunderbar ist und das all das verloren geglaubte Glück zu mir zurück kommen wird, auch ohne dich. Doch dann gibt es Täler, in denen ich mich nicht zurecht finde, dich plötzlich wieder jede Nacht sehe, um am Morgen danach aufzuwachen und mir dessen wieder bewusst zu werden, dass du eigentlich gar nicht da bist. Wieder und wieder.
Ab und zu beschreite ich diese Irrwege, an denen ich lang balanciere, versuche mich an jeder sich bietenden Gelegenheit festzuhalten und dann nach einer gewissen Zeit merke, dass diese Wege zu nichts führen und ich mich verlaufen habe. Dann nehme ich meine Sachen und verlasse auf Zehenspitzen die Wohnung und hoffe, dass Niemand wach wird.
Mittlerweile weiß ich auch, dass kein Tequila diesen Brand löscht und keine Party meine Gedanken lang genug übertönt. Keine Nacht füllt den luftleeren Raum den du hinterlassen hast. Doch vor allen Dingen lerne ich immer wieder, dass kein Irrweg mich weit genug von dir wegbringt und mir das gibt, was du mir gegeben hast

Niemand bringt mich an den Ort den du mir gezeigt hast. Da wo ich nie leise verschwinden will.
Unser Zuhause.


Tags: Trennung, Herzschmerz, Vermissen, Sehnsucht
44

Diesen Text mochten auch

17 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Toller Text & so verdammt ehrlich. Danke

    16.10.2015, 20:11 von suche_AUSZEIT
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Geht mir gerade genauso.

    09.10.2015, 23:12 von Carilotta
    • Kommentar schreiben
  • 1

    <3

    16.09.2015, 22:20 von kuku
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Super geschrieben! Ich finde mich gerade darin wieder...

    15.09.2015, 13:05 von sindbad
    • Kommentar schreiben
  • 2

    Akzeptanz. Wenn sich jemand gegen dich entscheidet, oder gegen "euch", dann wird das seinen Grund haben. Loslassen und verarbeiten und weiter
    Evt. warst du einfach nicht die Richtige, aber kannst diese für einen anderen sein. :)

    13.09.2015, 21:19 von yuhi
    • 0

      Jo, wasn hier los? :)

      21.09.2015, 12:06 von HansDietrich
    • Kommentar schreiben
  • 0

    dieser Zustand "zuhause", den muss man auch bei dem anderen finden...

    13.09.2015, 21:02 von dirkbeineon
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    Ja, manchmal ist das Loslassen auch ein Stückchen sterben, aber so ist das Leben, konsequent und unwiderruflich.

    12.09.2015, 16:52 von marco_frohberger
    • 1

      wichtig: LOSLASSEN.

      02.10.2015, 13:32 von Xspellbound
    • Kommentar schreiben
  • 3

    dein arzt hat gesagt es is okay,
    aber alles tut weh.
    und deine freunde sagen dir es geht vorbei,
    aber es geht nich so leicht.

    https://www.youtube.com/watch?v=Gixv6H1kMHQ

    11.09.2015, 22:02 von stempelmarie
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare