nurluftundluegen 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 23

Auf Wiedersehen

Eindringlich blickst du mir auf die nackten Arme und suchst das Funkeln, ich suche das Knistern.

Du sagst nichts. In deiner Wohnung ist es still. Ich schaue zum Fenster und meine Augen hängen in den hellen Gardinen fest, während ich im Licht den Staub tanzen sehen kann. Meine Hand greift blind nach deiner und findet sie nicht, zwischen dem wühlst aus Kissen und Decken. Zwischen meinen Blicken und deinem Zittern, liegt das unendliche schnappen nach Luft und verzweifeltes greifen, nach neuen, nicht ganz so leeren Worten. Ein nicht-finden. Ein unruhiges Zucken auf deinen Augenlidern und ein fast nicht hörbares Atmen. Unbequemlichkeiten. Erwartungslose Augenblicke.

Du erhebst deinen bemalten Körper in gemächlicher Geschwindigkeit vom Bett und die Matratze nimmt ihre Form wieder ein, dein Abdruck verschwindet in Sekundentakten. Wie die Berührung deiner Lippen auf meiner Haut, deine Hände an meinem Ohr, spielend. Ich lächle, und dann spüre ich einen kalten Windzug aus deiner Richtung. Bekomme Gänsehaut. Du hast das Fenster wortlos geöffnet.

„Ich brauche Luft.“, sagst du leise. Und zurückhaltend lächelst du mir entgegen.

Unsicher greife ich nach einer der vielen Decken und möchte mich darin verstecken. Du lässt mich nicht rein, ich stehe vor einer geschlossenen Tür und die Nähe die du zulässt, die ist so eisig kalt. Ich greife nach deiner Hand und streichle sie sanft, deine Haut ist weich und deine Fingernägel ein bisschen schief geschnitten. Du bist Lauwarm. Ich ziehe dich zu mir und du lachst. Verlegen.


Erwartungsvolle Augenblicke. Du hast diese Tiefe in deinen Augen, Geheimnisse gestapelt unter widerwilligen Ängsten. Eindringlich blickst du mir auf die nackten Arme und suchst das Funkeln, ich suche das Knistern, wir können die Funken weder spüren noch können wir sie sehen. Du blickst weg, ich starre der Wand entgegen und folge ihr mit meinen Blicken bis hin zur Decke.

Wir haben das Feuer gesucht aber keines gefunden, wir haben viel zu leise gelacht, und vielleicht, ein kleines bisschen zu sehr gewollt. Das, was man nicht erfinden kann. Feuer zünden, vielleicht. Aber die Papp-Verpackung ist leer. Auf dem Boden liegt meine Kleidung, verteilt im ganzen Raum. Deine Hülle ist schön, anzusehen, zu berühren, aber du, bist unerreichbar für mich.


Die Streichhölzer sind leer. Als ich deine Wohnungstür hinter mir lasse, mit kleinen zaghaften Schritten, lasse ich nichts von mir bei dir. Und mir bleibt nichts von dir, außer der Augenblick, ein „Auf Wiedersehen“, eines, das Lebewohl bedeutet.


Tags: liebe, du, keine liebe, lauwarm
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5 Antworten

Kommentare

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  • 0

    ich habs gleich nochmal gelesen

    30.04.2015, 22:07 von mariaza
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    Hier spielt sich vieles dazwischen und entgegen ab, möglicherweise ist das der Grund, warum man sich bei dem Ganzen an nichts mehr erinnern will.

    24.04.2015, 18:37 von marco_frohberger
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  • 2

    Ja und die globale Erwärmung hilft auch kein bisschen...

    16.04.2015, 23:49 von nuescht
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  • 0

    Passiert...

    15.04.2015, 09:02 von sailor
    • 0

      Schon wieder?

      16.04.2015, 22:52 von Justus
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