timlink 24.06.2013, 14:41 Uhr 26 10

ARSCHLOCH.

Ich dachte die ganze Zeit, dass ich dir verzeihen müsste, aber das war falsch. Der einzige, dem ich vergeben muss bin ich selbst.

Fortsetzung von Goosebumps



Vier Wochen ist es jetzt her, das ich zum letzten Mal von dir hörte. Zwei Wochen, die die schlimmsten meines Lebens zu sein schienen. Arschloch. Das war das letzte von dir, was mich erreichte. Meinen Sendenamen habe ich bis heute nicht geändert. Warum? Ganz einfach, weil ich ein Arschloch bin. Ich bin nicht in der Lage das zu tun, was ich tun müsste. Was ich schon lange hätte tun müssen.

Ich dachte die ganze Zeit, dass ich dir verzeihen müsste, aber das war falsch. Der einzige, dem ich vergeben muss bin ich selbst. Ich selbst bin verantwortlich für all das Leid dass ich ertragen muss. Ich selbst bin schuld, dass es jetzt kein Wir. mehr gibt.

Letzte Woche saß ich auf der Parkbank wo wir unser erstes Date hatten, ich erinnere mich noch genau, als wäre es gestern gewesen. Du streiftest deine hell-blaue Sommerjacke ab und legtest deinen tätowierten Arm frei. Eine Ente. Die schönste, die ich je gesehen habe.
Behutsam und fast ängstlich habe ich damals deinen Arm berührt, die leichten Erhebungen der schwarzen Farbe unter deiner Haut gespürt. Ganz plötzlich stellten sich deine Haare auf.

„Wie süß, Gänsehaut auffe Gans!“ hatte ich gelacht. Doch dein Blick sagte etwas ganz anderes, etwas das ich bis dahin nicht kannte. „Goosebumps sind das Babe, Goosebumps“.

Von diesem Moment an, war es um mich geschehen, dein erstes Babe hatte mich direkt ins Herz getroffen. Wie benebelt taumelte ich auf der Parkbank. Unserer Bank. Goosebumps, so erklärtest du mir, sei dein Lieblingswort. Ich dachte immer, es gibt niemand anderen, der auch Lieblingswörter hat. Ganz allgemein dachte ich, dass es niemanden auf der Welt gibt, der so ist wie du. Oder wie ich. Oder wie Wir.

Ich saß also, auf unserer Bank und dachte nach. Über uns. Über das Leben. Lautlose Tränen rannten meine Wangen herunter und tropften von meinem Kinn, mit einem lautlosen Platsch trafen die Tränen auf unsere Bank und zerflossen.

Warum nur? Warum konnte ich nicht der sein, der ich sein wollte? Warum du? Warum ich? Warum wir?

Ich hob einen Stein vom Boden auf der spitz genug war, um damit etwas in die Holzlatten unserer Bank zu ritzen.

WIR.

ICH WERDE DICH IMMER LIEBEN BABE. ABER MICH AB JETZT NICHT MEHR. DEIN ARSCHLOCH.


Jetzt sitze ich hier in meinem einsamen Raum und frage mich ob es auch anders hätte kommen können. Hätten wir eine Chance gehabt? Wenn ich anders gehandelt hätte? Wenn du anders gehandelt hättest?

Plötzlich klingelt mein Handy, „Babe hat dir ein Foto gesendet“ steht auf dem Display.

Mit zitternden Händen schiebe ich den Regler zur Seite um das Display zu entsperren. 2223 ist immer noch mein Code. Die Ziffern die BABE ergeben würden. Langsam baut sich das Foto auf… Es ist unsere Parkbank. Eine Nahaufnahme meiner Kritzelei:

 

WIR.

ICH WERDE DICH IMMER LIEBEN BABE. ABER MICH AB JETZT NICHT MEHR. DEIN ARSCHLOCH.

DU KANNST NICHT LIEBEN ARSCHLOCH.


Teil 3 - Rot gefärbte Kuscheldecke.


Tags: Arschloch, Trennung, Einsamkeit, Trauer
10

Diesen Text mochten auch

26 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 2

    Das mit dem Verzeihen und Arschloch-sein hab ich im letzten schon nicht verstanden. Sich selbst (in der Gegenwart) als solches zu bezeichnen find ich -verzeih- bescheuert. Hat sowas von Verantwortungsentzug und Selbstmitleid. Man kann sich höchstens arschlochmäßig verhalten (haben). Zwingt einen ja aber keiner zu, nech.

    24.06.2013, 16:22 von Juliie
    • 0

      Hast du noch nie eingesehen das du dich doof verhalten hast? Im Nachhinein gedacht "Mensch wenn ich doch nicht so ein Arschloch gewesen wäre"

      deshalb nennt er sich selbst arschloch!

      er kann nicht verzeihen und das macht ihn noch wütender... er ist im zwiespalt

      24.06.2013, 16:30 von timlink
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      ich setze einfach mal SuEis Text fort:

      ... solange er noch nicht eingesehen hat, das er ein guter Mensch ist, wird er sich weiter als Arschloch fühlen und sich vielleciht sogar auch so verhalten!

      Es gibt eine Menge Menschen, die irgendwann zu Arschlöchern wurden, es ihnen aber niemand sagte! Also galuben sie es irgendwann selbst und machen es damit noch schlimmeR!

      24.06.2013, 16:42 von timlink
    • 0

      timlink, aber das in etwa störte mich. Sich selbst als "Tatsache" getarnt über längere Zeit als Arschloch zu titulieren kommt da schon fast einer (sogar sich selbst bemitleidenden) Rechtfertigung zukünftigen bescheuerten Verhaltens gleich, die sich der eigenen Verantwortung entzieht. Dann doch lieber mal gucken, was einen denn so hemmt und daran hindert, sich so zu verhalten, wie man es für richtig halten würde. ;)

      24.06.2013, 16:47 von Juliie
    • 0

      Das musste dem Protagonisten erklären nicht mir!

      Vielleicht solltest du zu Ihm gehen und ihm sagen, dass er kein arschloch ist?

      Im moment denkt er, er wäre eins.. und zwar ein ziemlich großes

      24.06.2013, 16:49 von timlink
    • 1

      Najuuut, dann formulier ichs so: Ich find da leider keinen Zugang zu den Texten, weil ich mich mit dem Protagonisten in keinster Weise identifizieren kann bzw. mich so eine Sicht ärgert und ich's auch durch fehlende Infos einfach nicht ganz...äh kapiert hab.

      24.06.2013, 16:53 von Juliie
    • 0

      dann solltest du vielleicht auf den dritten teil warten :)

      vielleicht erklärt sich ja dann warum er so ein arschloch ist :)

      24.06.2013, 16:55 von timlink
    • 1

      Aye aye.

      24.06.2013, 17:00 von Juliie
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Hier der versprochen dritte Teil.. vielleicht versteht man den Protagonisten danach besser!

      30.06.2013, 18:33 von timlink
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Platsch: hier ist mehr das visuelle Platsch gemeint...

      Lieben: er will sich nicht mehr lieben, weil er sich selbst nicht verzeihen kann sie nicht zu lieben...

      Die SMS kommt in der Gegenwart wobei er vor ca. einer Woche auf der Parkbank saß... kommt scheinbar nich so rübre nä`? ich geh in mich und ändere :)

      24.06.2013, 16:04 von timlink
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      habsch jeändert...

      hoffe jetzt versteht mans besser?

      24.06.2013, 16:19 von timlink
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      ick freu misch :)

      danke für die Hilf übrigens :)

      24.06.2013, 16:30 von timlink
    • 0

      e

      24.06.2013, 16:31 von timlink
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      danke :)

      aber schön is anders :)

      24.06.2013, 15:01 von timlink
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      nein so war das nciht gemeint :D

      ich meinte danke für das kompliment aber die situation ist nicht schön :)

      ich mag kurze sätze.

      24.06.2013, 16:04 von timlink
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      dann is gut :)

      24.06.2013, 16:16 von timlink

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare