Frau_Irma 23.01.2019, 21:49 Uhr 10 12

Anna weiß, wie Lorenz küsst.

Anna und Lorenz.

Anna sitzt am Tisch. Zusammen mit Lorenz. Und den beiden anderen. Sie kennen sich jetzt schon seit sieben Jahren. Gilt das verflixte siebte Jahr eigentlich auch für Freundschaften? Wenn ja, dann merkt man davon gerade nicht viel. Es wird gelacht. Über alte Geschichten und neue Ziele. Über das, was war und das, was noch kommen wird.
Wie kostbar es ist, Menschen behalten zu dürfen, denkt Anna. Die einfach da sind. Nicht immer. Nicht regelmäßig. Aber beständig. Mit denen man eine Vergangenheit geteilt hat. Mit denen man in eine Zukunft läuft. Die einem vom Leben geschenkt worden sind.
Anna weiß, wie Lorenz küsst. Sie waren nicht zusammen. Nur mal für zwei Nächte. Davor waren sie Freunde. Danach waren sie Freunde.
Lorenz erzählt von seiner Freundin und dem neuen Haus. Mit dem Garten.
Und Anna weiß, dass sie Lorenz liebt. Nicht dramtisch, nicht hysterisch, nicht übermäßig leidenschaftlich. Aber ehrlich. So, wie man einen Menschen lieben sollte, mit dem man den Rest seines Lebens verbringen will.
Aber sie wollen diesen Rest nicht zusammen verbringen. Das Timing war nie so ganz richtig. Die Gefühle nie ganz geklärt. Lorenz ist gar nicht ihr Typ.
Aber Anna ist sich sicher, dass es ein Parallel-Leben gibt. In dem wären sie damals zusammengekommen. Damals vor fünf Jahren. So wie es doch ihre Herzen gesagt hatten. Sie hätten wunderbare Jahre gehabt. Und anstrengede Zeiten. Einen gemeinsamen besten Freundeskreis. Manchmal etwas Streit. Aber immer viel Liebe. Sie hätten ihre Leidenschaft für den Beruf geteilt, für die Stadt, die Musik. Sie hätten jetzt ein Kind. Da ist sich Anna sicher. Niemand kann mit Kindern besser umgehen als Lorenz.
Ihre Herzen sprechen dieselbe Sprache. Aber das ist nicht das, was Lorenz will. Lorenz will was anderes. Und Anna wahrscheinlich auch.
Nur irritiert sie manchmal dieses Gefühl, wenn er da ist. Dass es sich nach ganz viel Zuhause anfühlt. Nach ganz viel Richtigsein.
Und trotzdem weiß Anna, dass ihre Geschichte zur Vergangenheit gehört, nicht in die Zukunft. Und so genießt sie den Moment. Genießt es, wie er sie zum Lachen bringt. Wie er sie kennt.
Abends liegt Lorenz neben seiner Freundin im Bett. Sie fragt, wie es war.
Er sagt, es war gut. Und für einen kurzen Moment denkt er an Anna. Und ob die Frau neben ihm wohl wirklich die Richtige ist.

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10 Antworten

Kommentare

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    Nee, nicht mein Text.

    Hätte wenigstens einen Absatz eingebaut, vor der Perspektive von Lorenz.

    Und den Moment genießen, neben dem Mann, den man nicht haben kann... weiß nicht. Irgendwie ist das wie in einer Traumwelt leben und nie aufwachen. In 5 Jahren hat Lorenz mit der neuen Frau ein Kind und Anna sitzt immer noch allein daneben und genießt den Moment und vergißt dabei ihr Leben?

    08.02.2019, 15:05 von Tanea
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    hahaha.


    "Und für einen kurzen Moment denkt er an Anna. Und ob die Frau neben ihm wohl wirklich die Richtige ist."

    DAS weiss man nie im voraus, sonst gaebe es nicht so viele Trennungen oder Scheidungen.
    Man sollte sie als Versuche bezeichnen und auch verstehen.  Sicherheit, jemanden fuer "immer"  zu lieben, gibt es nicht !

    Gut geschrieben. Hat mir gefallen der Beitrag !!

    07.02.2019, 07:46 von Dr_Lapsus
    • 0

      Ich verstehe deinen Kommentar, dahingehend dass es nie Garantie in der Liebe gibt und stimme dir voll zu. 


      Meine Interpretation dieses letzten Absatzes war eher der, dass so vieles zwischen zwei Menschen nicht ausgesprochenn wird. Mehr offene Ehrlichkeit würde vieles erleichtern, aber jeder schützt sein Herz :)

      19.02.2019, 17:32 von Mireeey
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    Gut und authentisch geschrieben.
    Viele Grüße!

    04.02.2019, 11:46 von Liaata
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    Hier mal ein gelungenes Gegenbeispiel

    04.02.2019, 08:50 von Gluecksaktivistin
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  • 1

    Was deine Art zu schreiben betrifft, schließe ich mich den anderen voll an. Wirklich angenehm. Inhaltlich spricht mich der Text nicht so an, die Thematik vieler Texte wiederholt sich seit Jahren und irgendwie kommt da selten mal was Neues. Ich persönlich finde den Inhalt fast wichtiger als die Form. Im übertragenen Sinne gemäß dem alten Bauhaus-Motto "Form follows function".

    03.02.2019, 09:26 von Gluecksaktivistin
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  • 1

    Gefällt mir sehr gut! Mehr davon, bitte.

    01.02.2019, 11:18 von smillalotte
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  • 1

    seit langem ein text, den ich hier auf neon gerne gelesen habe. hoffe, dass er nicht aus deinem leben stammt. 

    31.01.2019, 21:18 von mondmaedchen7
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  • 1

    Schööner Text! Gerne gelesen! Hast eine gute Art zu schreiben.

    24.01.2019, 22:12 von CaraRuna
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  • 1

    Deine Schreibe mag ich noch immer. Ruhig und nicht daherplätschernd mit überlegten Sätzen, die nicht anklagend wirken. 

    24.01.2019, 17:58 von jetsam
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