Laylalila 18.06.2007, 16:34 Uhr 4 6

Am Fenster Im Regen

Wenn jemand zurückkommt.

Als es an der Tür klopfte, wusste ich schon, dass du es warst. Es war dieses vorsichtige, aber entschlossene, etwas nervöse Klopfen:
Klopfklopfklopf Klopf Klopfklopf.
Ich trug nur ein langes T-shirt oder ein kurzes Kleid, es war sehr heiß an dem Tag, an dem du zu mir zurückkamst.
Du hattest nicht gesagt wann oder ob das sein würde. Du klopftest einfach, warst einfach wieder da. So sehr, so plötzlich da, wie du vorher weggewesen warst.
Und jetzt standst du da vor der grünen Tür. Vor unserer grünen Tür.
Du hattest einen kleinen Koffer in der Hand. Sonst nichts.
Deine Haare klebten nass in deinem Gesicht. Auf deiner Nase standen kleine Tröpfchen. Die von der Sorte, die immer wieder kommen, die einmal mit dem trockenen Handrücken weggewischt werden, aber direkt danach wieder aus ihren kleinen Löchern sickern.

Wie viel Wasser kann ein Mensch verlieren?

Du fuhrst mit deiner Hand über deine Wangen, durch deine Haare. Du warst braun geworden und wieder schöner. Du rochst nach Flugzeug, und anderen Gedanken.
Als du dich herunterbeugtest und nah an meinen roten Wangen warst, trat ich zurück in die Wohnung. Unsere.
Du fragtest, ob du hereinkommen darfst.

Natürlich darfst du. Natürlich darfst du wieder kommen und auch wieder gehen und dann wieder kommen und dann wieder gehen und dann
Geh nicht, Geh, Geh nicht, Geh. Das Spiel mit dem Gänseblümchen.

Du redetest über das Wetter und sagtest, es ist schwül. Drückend.
Ich sagte hmmm und machte Kaffee, weil mir nichts anderes einfiel. Du beobachtetest mich dabei. Wasserhahn aufdrehen, Wasser in den Wasserkocher, Wasserkocher an, Kaffeedose aus dem Regal nehmen, daneben ein Foto, Dose aufmachen, vier Löffel Pulver in die Kanne, kochendes Wasser aufschütten, das Wasser wird braun, wird Kaffee, zwei Tassen aus dem Schrank, beide haben Kerben im Rand, Filter in die Kanne drücken, den Kaffee einfangen, Kaffee in die Tassen gießen, Milch aus dem Kühlschrank in die Tassen.

Milch verteilt sich unberechenbar in einem heißen Getränk.

Dann saßen wir an dem großen Tisch. Der Wasserhahn tropfte. Etwas zischte. Und wir mieden unsere Augen. Wir suchten auf den Wänden nach Worten, doch sie waren weiß.
Wir stützten unsere Köpfe in unsere Hände, weil sie schwer lagen auf unseren Hälsen.
Du schwitztest immer noch.
Die Sonne hatte aufgehört in das Fenster zu scheinen. Das hieß, es musste sechs Uhr sein. Dann war das immer vorbei.
Wir saßen lange so, in zwei Welten, und warteten auf den Mut des anderen, obwohl wir wussten, dass es den nicht gab.
Ich wollte sprechen, aber wenn ich den Mund öffnete, tat er im Inneren weh.

Auf einmal fingen die Menschen draußen an zu schreien. Ganz laut. Frauen hoch, Männer tief, Und Kinder kreischend.
Irgendetwas passierte.
Ich trat an das Fenster.
Gerade da flog das auf und schlug mir ins Gesicht. Wind peitschte in die Küche und mit ihm Regen und Hagelkörner. Im Mai.
Der Regen war nicht aus Tropfen, er war aus Fluten, die sich in der Luft hin und her und her und hin bewegten. Wie ein Vorhang.

Du halfst mir hoch und deine Hände auf meinem Rücken fühlten sich neu an.
Ich blieb am offenem Fenster und guckte auf die Straße. Da, wo eben noch Menschen liefen, gingen, schoben, rollten, fuhren, war nun nichts mehr.

Ausgestorben. Ganz alleine.

Der Wind bließ den Vorhang an die Häuser gegenüber. Er klatschte an die Wände und Fenster, die dunkel waren.
Plötzlich drehte der Wind und der Vorhang kam auf uns zu, in unsere Küche hinein.
Und das war, als du mich wieder küsstest.

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4 Antworten

Kommentare

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    Ich mag das:
    Und wir mieden unsere Augen. Wir suchten auf den Wänden nach Worten, doch sie waren weiß.

    09.12.2010, 22:20 von topfbluemchen
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    Schön! - und irgendwie schräg...

    09.11.2007, 10:58 von hitchie
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