Alles oder nichts?
Liebe oder doch nur Sex? Vernunft oder Gefühl? Und warum ist es manchmal nur so schwierig sich für das richtige zu entscheiden?
Oh mann, da bist du also wieder. Stehst dort hinten in der Ecke, Bierflasche in der Hand und tief versunken in ein Gespräch mit der Blonden neben dir, dein Blick tief versunken in ihr Dekolleté.
Ich seh es schon vor mir. Sobald euer Gespräch anfängt zu erlahmen und du merkst, dass du nicht bei ihr landen kannst, wirst du zu mir rüber kommen, zu der, der du bisher keinerlei Blicke gewürdigt hast. Ich kenn doch dein Verhaltensschema.
War ja klar, dass wir uns wieder sehen würden. So was lässt sich nun mal nicht ganz vermeiden, schließlich gehörst du noch immer zu unserer Clique, unserem Freundeskreis, wie du willst – ganz egal, in welchem hinterthüringischen Kaff du jetzt studierst. Wenn du mal hier bist, bist du eben hier und dann gehörst du zu uns. Irgendwie.
Und wie immer, wenn ich dich sehe ist es verbunden mit dieser Ambivalenz, und ich schwanke zwischen Gefühl und Vernunft, als hätte ich Engelchen und Teufelchen auf meiner Schulter sitzen, die mir einreden, was ich zu tun habe.
Und dann immer wieder die Frage, ob ich wohl jemals über dich hinweg kommen werde. Eigentlich sollte ich.
Klar, noch stehe ich hier souverän in meiner Ecke, beobachte deine billigen, lächerlichen Flirtversuche und denke mir nur, mann, was ist das armselig, aber warten wir mal ab… so zwei, drei Tequila später werde ich neben dir stehen und versuchen mit ebenso armseligen Sprüchen deine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.
Verdammt, wo ist in solchen Momenten nur mein Durchhaltevermögen, meine Konsequenz, meine Disziplin? Wo sind die denn alle auf einmal? Als ich mir schwor, nie wieder irgendetwas mit dir anzufangen, da waren sie doch auch noch da, zumindest kurzzeitig. Jetzt sind sie alle verschwunden, stehen bestimmt auch angetrunken in irgendeiner Ecke und beobachten mich, lachen sich ins Fäustchen, weil sie merken, dass ich mich doch wieder nach deinem Körper sehne, dass ich doch wieder die naive Hoffnung habe, mit dir zusammen glücklich seien zu können und nebenbei aus dir einen besseren Menschen zu machen.
Denn schließlich war ich diejenige, die unsere „offene Beziehung“ endgültig beendet hat. Nicht weil ich eifersüchtig war, du kannst gerne, so lange wie du willst, mit der Blonden dahinten flirten. Aber ich wollte einfach alles. Alles oder nichts. Sex und Liebe. Nicht nur jemanden, der ab und zu mit mir schläft, wenn’s ihm passt (wenn er denn gerade mal hier ist und nicht zum studieren dreihundert Kilometer weit weg), sondern jemanden, der mich ernsthaft liebt.
Wenn du gewusst hättest, wie oft ich danach daran gedacht habe doch wieder mit dir zu schlafen, doch wieder diverse deiner Körperteile in den Mund zu nehmen…peinlich, diese Inkonsequenz.
Was soll’s…ich werde mir hinten an der Theke zwei Gläser mit Tequila geben lassen und mit Salz und Zitrone bewaffnet zu dir gehen. Die Blonde guckt ohnehin schon ganz genervt. Ich werde mit dir trinken und ein Gespräch mit dir anfangen, in das ich immer wieder unauffällig zweideutige Hinweise einbauen werde, um sicher zugehen, dass du mich in Erinnerung behältst, um dich spüren zu lassen, dass ich durchaus gerne wieder mit dir ins Bett möchte. Oder ich könnte dir sagen wie schade ich es finde, dass wir auf Partys damals nie gezeigt haben, dass wir irgendwie zusammen sind, weil du dir alle Möglichkeiten mit anderen Mädels offen halten wolltest. Ich könnte dir sagen, dass ich das schade finde weil wir ja vielleicht zusammen ein Mädchen gefunden hätten, das uns beiden gefällt. Auf einen Dreier anzuspielen müsste doch eine gute Taktik sein um deine Aufmerksamkeit zu erregen oder vielleicht würdest du es sogar bereuen, dass wir das nie ausprobiert haben.
Dann werden wir knutschend hier rum stehen und ich werde meiner besten Freundin morgen wieder die Ohren voll heulen, weil ich das nicht hätte tun sollen. Obwohl ich es jetzt schon besser weiß werde ich es mal wieder genießen, deine Zunge zu spüren und mir einzureden, dass das wohl Liebe sein muss.
Oder auch nicht.
Denn ich glaube gerade kommt meine Disziplin wieder zurück. Sie kommt in Form von Thomas. Ich bin mir sicher, dass er auf mich aufpassen wird. Und ich bin mir sicher, dass er mich lieben könnte, im Gegensatz zu dir. Zumindest weiß ich nicht vorher schon hundertprozentig, dass es nicht so sein wird. Ausprobieren könnte sich also lohnen.
Ich kann nicht garantieren, dass ich nicht doch irgendwann wieder einfach nur mit dir schlafen möchte. Ich bin mit „Sex and the City“ groß geworden, eigentlich sollte ich das hinkriegen, Sex ohne Gefühle, so wie du es kannst, aber auf Dauer geht es einfach nicht – auf Dauer macht es mich einfach nur fertig – und gerade jetzt ist es eigentlich auch nicht das, was ich will.
Gerade jetzt will ich alles. Alles oder nichts




Kommentare
nachdem Kommentar bei mir. Ist ja fast das gleiche thema. Obwohl bei mir hat es sich durch die kurze anwesendheit meines exfreund abgekühlt. Außerdem meinen meine Freund ich könnte (eine beziehung mach anziehend) andere haben die gerad auch auf mich stehen ... mist
07.05.2007, 22:21 von SausewindOh weh, habs doch immer schon gewusst, dass das Sex and the City Zeugs nix bringt. (klingt so wie: am Ende hat Mama doch immer recht)
23.04.2007, 08:31 von Mary05Doch du bleibst dir treu und am Ende bleibst du auch bei deinem Motto alles oder nichts. Genau so ist es!!
Liebe Grüße
Mary
guter text..kann ich gut verstehn so eine situation..
17.04.2007, 21:16 von mrs.schneewittchenHmmhmmja, kenne ich doch nur allzu gut diese Situation...
12.04.2007, 15:17 von Weanda_GarliDu hast ja so Recht, zum Glück habe ich auchmeinen "Thomas" gefunden ;-)