entfesselt 14.10.2013, 18:45 Uhr 1 5

Alle Straßen.

sind du.

Es sind diese Tage. Diese Tage an denen ich morgens aufwache und weiß, jede einzelne Stunde wird heute dir gehören, weil ich dich im Traum getroffen habe und du hast mir etwas gegeben, das ich jetzt den Rest des Tages nicht abschütteln kann.

Es sind diese Tage an denen du mir plötzlich doch wieder wichtig bist und jeder Umstand wird plötzlich ein Grund für eine Erinnerung an dich, die beschlagenen Fenster oder das Parallelogramm aus Licht, das durch sie hindurch auf den Teppich fällt.

Diese Tage sind wie Wendeltreppen, auf denen mir schwindelig wird und jede Stufe, jeder Schritt nach oben, schreit nach dir; das Geländer liegt kalt in meiner Hand und ich glaube, es besteht aus der Hoffnung dass du oben wartest.

Es sind diese Tage, die sind wie Filme mit zu vielen Rückblenden, mit wirrer Kameraführung; du aus allen Winkeln; ich in der Vergangenheit, in absurden Zeitsprüngen, bis ich mich zwischen den Seiten des Kalenders verliere, bis der Zeitstrahl sich schlängelt, bis ich zwischen die Dimensionen falle.

Es sind diese Tage, die grau sind und selbst der Orangensaft zum Frühstück schmeckt nach dir; und der verregnete Asphalt hat den selben Blick wie du, die wehenden Äste der Bäume zwinkern wie du, die automatischen Kaufhaustüren machen ein Geräusch wie dein schlafender Atem.

Alle Straßen sind du und ich verliere mich in ihnen, wie ich mich in dir verlieren will und manchmal komme ich an diesen Tagen nicht nach Hause, weil ich nicht schlafen will, ich will an diesen Tagen nicht träumen, weil du in meinen Träumen bist und meine Träume stehen neben mir, über mir, in mir, bis jeder Tag zum Traum wird für dich und ich will nicht schlafen, ich will bloß wach sein, denn nur wenn ich wach bin, kann ich an dich denken.

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Kommentare

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  • 1

    Ich zitiere Philipp Poisel: "...seit ich dich getroffen hab bleibt mein Herz manchmal stehen."

    Es ist dieser Moment, wenn dir kurz die Luft wegbleibt, du das Gefühl hast, es rammt dir jemand ganz schnell ein Schwert in die Brust, die Musik setzt aus, du denkst "da komm ich niemals raus", dann aber die Welt einfach weiterläuft, so als sei nichts geschehen. 
    "Versteck mich wo du mich nicht findest, 
    damit auch du mich mal vermisst. 
    Hab mich seit Wochen nicht gemeldet, 
    und frag mich ständig wo du bist."

    Sehr, sehr schöner Text. Hast tolle Worte gefunden, für einen Zustand, der so allesverschlingend sein kann. (:

    24.12.2013, 15:20 von Provehitoinaltum
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