nikola 29.07.2007, 23:11 Uhr 1 0

Achtung Gefühlsexhibitonistin am Werk

Seit euch bewusst ihr sitzt im Parkett und habt erstklassig Aussicht auf einer äußerst theatralische Szene auf einer Lebensbühne.

- Bevor es anfängt : Jungs setzt Schutzklappen auf und regt euch über die Emo - Kacke von Mädchen auf.- Mädchen – sofern ihr daheim seit greift euch die verstaubteste Schnulzen- „Mein Schwarm ist so süüüüß und ignoriert mich“ CD eurer Pubertätsphase und schmeißt sie in den Plattenspieler. Ihr seid noch da? Dann Vorhang auf und viel Spaß.


E-mail Empfänger.Paul.-
Betreff. Was ich vergaß… -
Datum 26.6.2007 23.37Uhr.
Inhalt:
... wenn du mir darauf eine "Hallo Nikola - ist o.k. - dann sehen wir uns nicht mehr - greets paul" E-mail zurückschreibst“, krieg ich echt Aggressionen.

Er kauft sich irgendeinen komischen Saft im Supermarkt. Wir fahren alleine. Zeit: Juni 2006. Mitfahrgelegenheit nach Berlin.
Er hat diese Jacke an, diese etwas old school, die mit den Streifen in rot auf blauer Jacke. In Berlin rennen einige damit rum, stelle ich im Winter danach fest. Er fährt so ein kleines Tucker Auto, vollgeladen mit Verstärkern. Klischeehaft studentisch- tucker karre- erstes lachen - sehr sympathisch. Glück gehabt.
Bei der Auffahrt auf die Autobahn, dachte ich er sollte nicht soviel, erzählen dann müssen wir nicht mit 50 um die Kurve fahren. Es ruckelt. Er beschleunigt. Irgendwann kommen wir in Stau.- Fahren wohl den größten Umweg den es gibt. 10 Stunden Ludwigshafen- Berlin.

Er raucht nicht, trinkt keinen Alkohol, war überhaupt noch nie betrunken, kein Kaffee. Nur Cola. Die kriegt er meist kostenlos bei seinen Konzerten bei denen er die Band abmischt. Davon kann er stundenlang erzählen und man imaginiert sich das Bild von ihm am Mischpult. Hunderte Knöpfe, Hände die dran rum schieben, leicht vorgebeugte Haltung, so ein kleiner Lichtspot, diese typischen billig „Nachtischanklammer-Lampen“, die die lange Nase und die blonden Haare beleuchten, außen rum dunkel. Fast wie jetzt. Autobahn mitten in der Nacht. Ein Tschaksfuß aufgestellt. Coole Musik von einen der 10 000 Disks die im Auto rum fliegen. Der Fuß weg vom Pedal macht mich nervös.

Labern Labern Labern. Tausend Pausen an Rasthöfen. Sein Bein tut weh. Aha. Klar. Die Frage bleibt in der Luft hängen ohne das eine Handlung folgt. „Trauen wir uns?“
Die Eltern im Berliner Hotel drehen durch. Wo bleibt die Tochter die nachts mit fremden Kerlen über Autobahnen Richtung Berlin rast?
Berlin. Stadtautobahn. Kaum zu glauben. „Nein ich will jetzt nicht lesen, in dem Buch ist die Wegbeschreibung.“ Fahren über kirschrote Ampeln. Halten vor dem Hotel. Sieht so spießig und nicht nach seiner Welt aus nach all dem Bla Bla. „Ja ich komm noch mal runter.“

Kudamm. Morgens. Erster Kuss. Ich hab vergessen wie er sich angefühlt hat, als wir da auf der Mauer saßen, da neben MC Donalds, für einen Morgen Kaffee den er ja gar nicht trinkt. Er Erzählt von Opa und dem Schlips und dem Anzug. Wir laufen zurück er in Jeans mit Buttons am Beinende, damit es nicht so auf dem Boden schleift. Ich in meiner grauen Hose mit Taschen. Wie ein Pärchen. Ich erwische mich wie ich im Schaufenster ein Bild erhaschen will von uns zwei. Von mir wie ich auf einmal so glücklich bin. So glücklich die Hand in seiner Arschtasche, mag ich doch so gern. Will ihm einen Kuss geben. Bin zufrieden, kenn ihn gar nicht. Er fährt nach Brandenburg weiter, da wo seine Eltern wohnen, wo er herkommt. Ich lege mich mit der Isomatte vor das Hotelehebett auf den Boden. Meine Eltern schnarchen.

Berlin. Es regnet. Er rennt mit halb offener Jacke zur U-Bahn Haltestelle wo ich stehe. Eberswalder. Ein Cafe. Ein Yogi Tee und Bulette. Händchen halten. Pizza. Abschiedskuss. Wir sehen uns daheim wieder. Da wo er jetzt wohnt, da wo ich herkomme. SMS. Anruf. Ich fahre heim. Bin zu müde um was zu machen. Stehe in Mannheim am Bahnhof warte auf meinem Zug. Auf dem Gleis Er, den ich gerade am Telefon versetzt habe. Ich mag den riesigen Wollipulli nicht den er anhat. Sieht Ökö aus mit den Streifen . Aber ich mag, dass er da ist. Ich mag, dass er mich in den Arm nimmt und sagt: „Jetzt eine Kette um uns mit dickem Schloss“. Mein Zug kommt.

Klassisches erstes Date. Kino. Wir mit Tucker Auto über rote Ampeln, in kleine Parkplätze. Danach türkische Pizza vom Döner Laden und am Rhein sitzen, wo eine Ratte am Ufer rennt. Blick auf die BASF. Die riesigen Industrietürme bei Nacht. Wahre Romantik; in dem Moment schon. Meine Haare verdecken mein Gesicht bei meinem herunterhängenden Kopf. „Ich weiß nicht. Ich flieg nach Mexico. Danach weiß ich nicht wo ich anfange zu studieren….“. Ich habe diese kleine rote H&M Jacke aus der Sportabteilung an, die ich so cool fand. Es ist kalt und wir setzen uns ins Auto. Ich verpasse meinen Zug, weil ich die falsche Zeit im Kopf habe. Ich denke, dass er denkt, dass das geplant war, um jetzt bei ihm übernachten zu können. Er denkt, ich denke, wenn er sagt dann komm mit zu mir, dass er mich nur flach legen möchte. (Emo-Mädchen Kacke!)
Wir schlafen nicht miteinander, aber ich bei Ihm.
„Wir sehen uns“. Er meldet sich nicht. Sonst hat er das jeden Tag gemacht. Endlose Handy- Display Begutachtungen. Nix keine Sms. Kein verpasster Anruf. Na spitze.

Ich melde mich.

Wir sitzen da. Er Pizza und Cola, ich Rotwein. Kochen tut er nie. Wir klären das kurz, irgendwie bringt es nichts, er hätte sich gemeldet. Was für ein fataler Satz. Er mag, dass ich so oft lache. Ja…. und?
Ich erzähle irgendwas kompliziertes, dass ich versuche mit Farben zu erklären, rege mich glaub ich mal wieder über die Unehrlichkeit von Menschen auf, leicht angetrunken. Alles viel später. Wir haben jede Menge Spaß. Scheiße mir geht’s verdammt gut.
Ich will seine Hand nehmen. Er weiß nicht ob er das noch schön finden soll. Wie? Mein Schritt wird schnell lasse ihn wütend hinter mir. „Nein alles o.k., dann lass uns jetzt fahren.“
- Gesicht an Gesicht. Unsere Nasen berühren uns unsere Hände falten sich ineinander. Die Welt bleibt wiedererwarten nicht stehen, ich wünsche es mir doch so sehr.

Ich hab die Erinnerung verloren. Wir sehen uns und küssen uns nicht mehr. Halten kein Händchen. Er meldet sich nie. Ich rufe an, aber er trifft sich immer mit mir, ruft immer zurück. Bevor ich nach Mexico fliege sind wir bei Helge Schneider. Er schaltet nicht den Motor aus vor meiner Tür. Oder doch? Er ließ ihn öfters an. „Meld dich“ „mh. Weiß nicht.“ Tür knallt. Er steigt ruckartig noch mal aus als ich vor der Haustür stehe. „Meld dich“ , sagt der Kopf über der Autotür. Ich gehe ins Haus.

„Ich fand es komisch, dich jetzt zu sehen.“ Mein Kopf ist voll von Eindrücken einer fremden Kultur. Er auch. Ich sitze auf seinem Bauch. Mein gelbes T-Shirt. Jetzt BH-los.
Denke an gestern. Musste mich fast aufdrängen zu Ihm in die Wohnung zu kommen. Es sei unaufgeräumt. Ja und?? Laufe nach endloser Diskussion eine halbe Stunde um den Block. Er räumt derweil auf. Wir sitzen auf dem Bett, er macht den Fern an. Wie das letzte mal. Wir schauen Film. Irgendwas total Schlechtes. Er tut so als ob er schläft. Ich merk es ewig später. „Soll ich gehen und dich schlafen lassen?“ „mmh“ .
Schiebe meine Hand in seine. Da liegen Wir Kopf an Kopf. Nase an Nase. Ganz eng. Ewig lange. Hab ein solch schönes Gefühl im Bauch. Ein ewig schöner Moment.

Auf dem Bauch sitzend versuch ich mit ihm zu reden. Über all das. Es klappt gar nicht. Ich bin mir nicht sicher ob ich ihn verstehe. Ich verstehe soviel, wie „ich hab nur auf dich reagiert.“ Auf mein Ich weiß nicht? Auf mein Ich flieg nach Mexico? Auf mein ich weiß nicht wo ich anfange zu studieren…..??

Er sieht so unendlich süß aus. Ich möchte heulen als er im Türrahmen steht und sagt es war schön dass du hier warst,. Ich renne ganz schnell die Stufen runter. Im Kopf das Bild. Wünsche es mir abzuspeichern. Auf dass ich es schnell abrufen kann.

„Ich hab mich verliebt. Ich die immer zögert und sagt dass sie nicht verliebt ist. Nach 4 Jahren denke ich wirklich ich hab mich wieder verliebt und jetzt ziehe ich nach Berlin, wo er herkommt und er wohnt da wo ich herkomme.“ Sitzen auf dem Balkon. Drinnen ist eine Geburtstagsparty. Hoffe dass nicht gleich wieder einer rauskommt um Bier zu holen. Stört mich. Ich rauche. Mach ich sonst nicht. Nur wenn ich mich scheiße fühle. Scheiß Gelegenheitsraucher. “Hab ihm einen Brief geschrieben.“

Sehen uns nicht mehr. Ich ziehe nach Berlin. Er meldet sich nie. Selbst nicht als ich ihm schreibe. Dabei meinte er doch: Wieso sollen wir uns nie wieder sehen nur weil du in Berlin wohnst. Weihnachten, das stereotype Fest der Liebe. Melde mich. „Bin zufällig an deinem Haus vorbei gelaufen, hab mich gefragt wies dir geht, wollt mich deswegen melde, dir schöne Weihnachten wünschen“, bla bla bla eben. Alles gelogen.

Muss an dich denken. Will dich sehen. Wir telefonieren. Er scheint ganz schön nervös zu sein. Ich auch. Hab zittrige Hände. Den üblichen Verliebtheitsquatsch.
Sehen uns. Diskutieren über Politik. „Ich meld mich bei dir“. Tut er nicht. Als ich ihn anrufe ist er in Berlin. Spontan hochgefahren. Klar. Sagt er kriegt grad einen Anruf, als er erfährt dass ich erst das Wochenende drauf wieder in Berlin bin. Er rufe gleich zurück. So was hat er noch nie gesagt. Zurück gerufen hat er nicht. Traummänner sollten NICHT Paul heißen.

Hätte mich so unendlich gefreut, wenn er mich in Berlin besuchen gekommen wäre…schreibe ihm, dass es schade ist dass wir uns nicht mehr gesehen habe, als ich wieder in Berlin bin. Eigentlich bin ich stinksauer und schlecht gelaunt. Wollte ihm noch mal was sagen, schreibe ich. Er ruft an. Sagt ich soll ihn anrufen wenn ich Zeit habe, schreiben… ich tu`s nicht, ich sag es hat sich erledigt. Mein Handy löscht seine Nummer von der SIM karte. Mein Herz löscht ihn nicht.

Melde mich doch wieder. Das Cafe in dem wir in Berlin waren, mit Yogi Tee und Bulette auf der Couch, ist in der Parallelstraße von meiner Wohnung. Muss doch Schicksal sein… blöd dass ich die E-mail Adresse auswendig kann. Ich sage dass ich eigentlich noch mal mit ihm reden wolle. Ich krieg eine „hallo nikola greets paul e-mai“ zurück mit vier Zeilen dazwischen. Eine davon : wir können uns ja bei Gelegenheit noch mal treffen und darüber reden. Als ich Semesterferien habe laufe ich in Mannheimer Clubs rum und sehe Pauls wo keine Pauls sind. Ich melde mich nicht. Fahre wieder zurück nach Berlin. Da bin ich weit weg davon. Körperlich und geistig.

Denke nur noch selten an ihn, in Emo Momenten schreib ich ihm, unverfänglich. Ich weiß dass es nicht mehr so schlimm ist wenn er sich nicht meldet. Macht er aber dies mal, was sonst.
Er ist in Berlin. Seine Band gibt ein Konzert in einer halben Stunde. Ich stände auf der Gästeliste. Ich drehe durch.

Ich frage mich wieso ich mir genau das in letzter Zeit in diesen Bäh-Emo-Single-sein ist- scheiße- Momenten, gewünscht habe und jetzt auf dem Tablett serviert bekomme, völlig unerwartet. Ich bin ein aufgescheuchtes Huhn. Steiger mich in etwas rein. Stelle mich mit 20 verscheiden Federkostümen vor den Spiegel bevor ich meine Haare und mein Outfit fertig gerupft habe. Schwarzes Shirt und Jeans. Ich entdeck ihn hinterm Mischpult. Hunderte Knöpfe, seine Hände die dran rum schieben, leicht vorgebeugte Haltung, so ein kleiner Lichtspot, diese typischen billig „Nachtischanklammer-Lampen“, die seine lange Nase und die blonden Haare beleuchten, außen rum Dunkel. Ich freue mich ihn zu sehen. Auf dem Klo schaue ich in den Spiegel und würde am liebsten heulen.

Noch ein schönes Wochenede mit Ihm stehe ich nicht durch sage ich mir. Ich erwische seinen Blick auf mir, während ich tanze und er mischt. Später fallen mir wieder seine verdammt schönen Augen auf. Ich laufe im Regen zum Alex. Bahn verpasst. Nichts ausgesprochen. Keine Hand, kein Kuss. Ein wir sehen und wieder und es war schön dich zu sehen. Das sagst du immer. Mir gehst verdammt noch mal scheiße. Das Einzige was ich weiß - ich krieg noch immer Schmetterlinge im Bauch wenn ich dich sehe und du bist wieder in Mannheim.

ick muss dich enttäuschen,
ich habs kompl. gelesen!
ich hab nichts dagegen dich wieder zu sehen.
und wir können uns dann auch gern aussprechen.
wir sehen uns!
greets paul

E-mail-empfäner paul
-betreff-last trash you get
-datum 26.6.2007. 23.14.


Fühl mich einfach jedes Mal wenn ich dich seh, wie als ob ich einen "Licht-Schalter-Effekt" habe. Angeknipst werden - und zurück in der Zeit vor einem Jahr, frisch eingestiegen in eine Mitfahrgelegenheit die über rote Ampeln fährt und...
Der coole erste Moment dich zu sehen - mich zu freuen- ist glaub ich einfach zu kurz in Anbetracht dem schlechten Gefühl an den Tagen danach. Komm ich nicht drauf klar und keine Ahnung ... auf jeden fall hab ich keine Lust mehr darauf an das blödes Gefühl erinnert zu werden, an etwas zu hängen und mich davon runterziehen zu lassen und das ist das Einzige was mir einfällt was ich dagegen machen könnte. Deswegen das hier, denn länger hier der alleinige komplette Gefühlsexhibitionisten zu sein geht auch nicht klar, sondern erzeugt nur das Gefühl ein kompletter Vollidiot zu sein, aber die Geschichte hatten wir ja schon...

fühl dich gedrückt und mach es besser.



Mädels ihr könnt auf den Stoppknopf der Anlage drücken. Jungs wenn ihr es bis hierhin geschafft habt, ihr habt es geschafft. All das waren gedruckte Buchstaben, in die ihr euch eure Emotionen und Bilder hinein projiziert und ich hab die meinen - hab meine Widmung an die Sarah, die sich all das Paul Gedöns anhören musste und an alle Pauls dieser Welt, insbesondere den der die kirschrote Ampel über die er fuhr, bei mir zu rosarot werden lies.

1 Antworten

Kommentare

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    Ich habe es als Mann bis hier unten geschafft (als einziger?). Ich finde die Schnipselei gut, dadurch wirkt der Text nicht zu erschlagend, was angesichts des Themas bzw. der Emotionen, die da drin stecken, gar nicht so leicht ist.
    War der Schmerz nicht auch manchmal schön?
    vg jh

    09.08.2007, 15:55 von bemmenbuechse
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