aniique 26.12.2011, 20:53 Uhr 14 57

Abspann

Ich wollte nichts von dir, nur dass du gehst.

Abspann

„Bleib wo du bist, ich hol dich ab“, sagst du lachend. Zehn Minuten später kommst du auf mich zu, deine Amüsiertheit über meine Orientierungslosigkeit scheint dir fast aus dem Gesicht zu fallen. Aber du sagst nichts, drückst mir mein Eis in die Hand und wir gehen.

Das war er, unser letzter Abend. Du hast dich damals nicht nur verfrüht aus dem Kinosaal geschlichen, sondern aus meinem ganzen Leben. Ich bin bis zum Abspann geblieben, bis die Lichter angingen und der Großteil schon längst den Saal verlassen hatte.

Du bist kein Mensch, der lange stehen bleibt, du wolltest schon immer die ganze Welt, am liebsten sofort und alles gleichzeitig. Wenn du gelacht hast, dann lauter als alle anderen. Wenn du etwas erzählt hast, hatte man das Gefühl selbst dabei gewesen zu sein. Du warst oft so mitreißend und unhaltbar, dass es für einige schwer war dich länger zu ertragen.

Heute vermisse ich auch das. Ich habe nie angefangen dich in eine Schublade zu verbannen, dich abzuhaken oder gänzlich in Liebeskummer zu versinken. Ich habe es ohne großartige Kommentare akzeptiert. Ich habe dich nur darum gebeten, es nie wieder zu tun. Ich wollte keine Erklärungen, keine Entschuldigungen, noch wollte ich etwas über sie wissen. Ich wollte nichts von dir, nur dass du gehst.

Ich kann es nicht ändern. Weder deine Gefühle noch meine. Mit dir bin ich ein anderer Mensch. Ohne dich fehlt etwas. Da funktionieren die Tanzschritte nicht richtig, Weißbier schmeckt nicht, Kino gehen ist langweilig und nachts nicht schlafen lebensmüde. Warscheinlich hätte ich mich sogar für aufräumen begeistern können, weil es nie an der Aktivität lag. Du hast alles zu etwas außergewöhnlichem gemacht. Niemand sonst ruft  mitten in der Nacht an nur um zu fragen wie man Prinzenregentorte macht und kein anderer hört Musik auf diese Weise dass er jeden Songtext in und auswendig kennt. Kein anderer, außer dir.

In diesen wenigen Wochen hat sich zum ersten Mal etwas richtig angefühlt. Und ich wünsche mir nichts mehr zurück als dich.

Aber Wünsche haben in der Wirklichkeit nun einmal wenig zu suchen. Und nichts ist realitätsferner als dieser Wunsch. Weil du glücklich bist, so glücklich wie ich dich selten mit einem Mädchen gesehen habe. Und das ist nicht einfach, aber eben okay so.

Seit 5 Jahren versuche ich wieder und wieder in deinem Herzen eine Rolle zu spielen. Diesen Sommer hast du mich eine Zeit lang darin wohnen lassen, aber ich war nur Untermieter. Es gab auch keinen Krach, nur das übliche Chaos als du mich hinausgeworfen hast. Ich denke auch nicht, dass ich irgendetwas vergessen habe, jedenfalls nichts an Worten oder Erinnerungen.

Ich habe sie in unseren Abspann gepackt. Imaginär gespeicherte Gedankenbilder und Filmsequenzen flacken noch einmal über die Leinwand. Ich bin der einzige Betrachter. Du hast schon im Hauptteil das Interesse verloren. Die Leinwand wird schwarz. Du fehlst.

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14 Antworten

Kommentare

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  • 0

    "Ich habe sie in unseren Abspann gepackt. Imaginär gespeicherte
    Gedankenbilder und Filmsequenzen flacken noch einmal über die Leinwand"

    Wohl oder übel ist es dann mehr der Abspann, den man sich in Dauerschleife anschaut...

    07.01.2012, 22:48 von nottambula
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  • 0

    jup is gut.

    07.01.2012, 21:45 von JohnnyBravo
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  • 0

    schön....und traurig zugleich. Genau wie das Leben!

    07.01.2012, 01:54 von JustSomebody
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  • 0

    zittern, tränenmeer.
    sehr schön, treffender gings wirklich nicht.

    03.01.2012, 01:15 von Exploded
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  • 1

    Ich kann deinen Schmerz spüren, die Überwindung vom Geschehenen und dem gewissen Selbstmitleid wegzukommen. Ich hoffe, es gelingt dir.

    Manchmal ist ein Neuanfang hart, unvorstellbar und traurig, aber langfristig ist es oft das beste!
    Alles Gute!

    02.01.2012, 22:50 von LastCoincidence
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  • 0

    sehr eindrucksvoll geschrieben. Schöner Text (:
    Ich wünsche Dir alles Liebe <3

    29.12.2011, 17:05 von favoriteIsabella
    • 0

      danke :)

      29.12.2011, 17:27 von aniique
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  • 0

    Aua...

    28.12.2011, 14:52 von lieblich
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  • 0

    Tut man sich das eigentlich echt noch 5 Jahre danach an?
    Weiß jemand, wann sowas mal aufhört?

    28.12.2011, 12:34 von EvilEvo
    • 0

      Wenn man's immer wieder runterbetet, nie...

      28.12.2011, 12:47 von sailor
    • 0

      sehr schwache Antwort

      28.12.2011, 15:00 von EvilEvo
    • 0

      Ist das so...?



      28.12.2011, 15:01 von sailor
    • 3

      Es hört auf, wenn du dazu bereit bist, loszulassen. Und du sagst dir wahrscheinlich, dass du das bist, aber dein Unterbewusstsein ist es noch nicht.

      Kommt Zeit kommt Rat, banal aber wahr!

      02.01.2012, 22:48 von LastCoincidence
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  • 1

    Die Leinwand wird schwarz. Du fehlst.

    Und ich schreie es raus!!!

    28.12.2011, 02:58 von Mouton86
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