hinein 07.04.2007, 03:25 Uhr 8 5

Abschied

Weißt du, ich komme eigentlich ganz gut klar. Es ist ja nichts Neues, ich habe mittlerweile Übung darin, Menschen loszulassen.

Ich habe jedes Lied, dass mich an uns erinnern würde, von meinem MP3-Player gelöscht.
Das Bild von dir und mir von der Wand genommen.
Verbiete mir erfolgreich, dir zu schreiben oder anderweitig Kontakt mit dir aufzunehmen. Was soll ich dir denn auch mitteilen? Es ist ja alles gesagt.
Ich bin sogar in eine andere Stadt gezogen und sehe oder höre deshalb nur noch manchmal etwas, was ich mit dir in Verbindung bringe. Denn leider waren wir nie gemeinsam hier in der schönsten Stadt der Welt. Leider? Vielleicht ist es besser so. Es macht es ein bisschen leichter für mich.
Ich gehe tanzen, spazieren, auf Konzerte, ins Theater und in Ausstellungen.
Meide Filme, die mich traurig machen könnten. Schaue einfach weg, wenn schwangere Frauen oder knutschende Pärchen meinen Weg kreuzen.
Treffe Freunde und neue Leute.
Lese, telefoniere, lache, flirte und arbeite manchmal sogar konzentriert an meiner Diplomarbeit.
Schmiede Pläne und baue Luftschlösser, in denen du nicht vorkommst und in denen das, was ich mir eigentlich vom Leben gewünscht habe, zusammen sein, irgendwann gemeinsame Kinder haben, nicht vorkommt.
Zukunft, ohne dich, ohne irgendwen. Nur noch das, worauf ich Lust habe. Keine Kompromisse. Blick nach vorn. Und die Fassung nicht verlieren.

Wenn nur nicht die Notwendigkeit des Zu-Bett-Gehens wäre.

Es bringt nichts, dass ich so lange wach bleibe, bis ich vor Müdigkeit völlig erschöpft bin.
Es hilft auch nicht, dass ich auf dem Sofa schlafe statt in meinem Bett.
Das Licht brennen lassen, die Musik nicht abschalten … zwecklos.
Bevor ich einschlafe, fehlst du mir so unendlich, dass es körperlich wehtut.
Und dann weine ich bitterlich um all das, was wir beide niemals teilen werden.

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    "Und dann weine ich bitterlich um all das, was wir beide niemals teilen werden."

    kommt mir traurigerweise sehr bekannt vor, sehr schoen geschrieben!

    22.10.2007, 17:50 von sommersonnenkind
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    Wunderschön...

    Ich habe mir lange gewünscht, mein letzter Freund hätte so gedacht. Wenn er es getan hat, dann danke, dass du es mir gezeigt hast.

    03.10.2007, 12:16 von musikstudent
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    Am Tag kommt man sich so stark vor. Mit seinen Gedanken in der Welt, ganz wo anders - man fühlt sich frei und unbeschwert, manchmal sogar glücklich. Doch dann kommt das "Zu-Bett-Gehen". Ein Prozess der einem noch einmal die ganze Trostlosigkeit und eigene Schwäche aufgezeigt. Ich fühle mit, denn ich hasse das "Zu-Bett-Gehen" ebenfalls aus tiefsten Herzen.

    29.08.2007, 22:26 von Laurien
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    und auch hier...volle zustimmung. nur dass die schönste stadt der welt für mich leider diesen bitteren beigeschmack hat und ich mich kaum traue, auszugehen. aber auch das wird vorbei gehen. irgendwann.

    13.08.2007, 23:11 von homeless
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    hut ab

    schön geschrieben

    28.07.2007, 22:11 von LAINELATELU
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