woertermaedchen 30.11.-0001, 00:00 Uhr 16 20

Abgelaufene Zweisamkeit.

Über meine Versuche dich sonntags raus zu lüften und mein Altglas ein für alle Mal wegzuschmeißen.

Deine Haut war eine Mischung aus durchwachter Nacht, Liebesbekundungen, Schlaf und den fliehenden Resten deines Parfüms. Ich bin still dagelegen, habe dich tief eingeatmet und versucht mir diesen Augenblick einzuprägen. Im Geiste habe ich ihn in ein Konservenglas gepackt und den Schraubverschluss ganz fest zugedreht.

Ich wusste, dass ich das Glas irgendwann brauchen würde. Für Stunden wie diese, für meine Sonntage ohne dich. 

Ich liege schon eine ganze Weile wach. Mein Kopf schmerzt von viel zu viel Wein und Gin Tonic. Mein Hals ist staubtrocken und meine Zunge fühlt sich seltsam rau an. Ich brauche eine ganze Weile, um mir in Erinnerung zu rufen, warum mein Knöchel so höllisch schmerzt. Ich bin bei einer Blödelei auf der Treppe leicht gestürzt. Dennoch war die Nacht gut. Richtig gut! Um zu vergessen, ließ ich mich von jeder sich bietenden Ablenkung bis in die frühen Morgenstunden treiben. Ich habe viel geherzt und noch mehr gelacht. Und es hat geklappt. Ich habe nicht daran gedacht. Nicht an dich. Und auch nicht daran, dass du nach Nächten wie diesen morgens immer am Besten gerochen hast. 

Aber jetzt liege ich hier. Und das alleine. Ich drehe mich um und wälze mich einige Male hin und her. Eine angenehmere Position finde ich nicht wirklich, also wechsle ich die Seite. Mein Bett kommt mir plötzlich übertrieben groß vor. Ich bilde mir ein, dass dein Geruch in den Laken hängt und obwohl du nie hier warst, bist du plötzlich trotzdem da. 

Du bist da. Ich sehe dein Gesicht ganz nah vor mir, du lächelst und all die schönen Worte und Sätze, die du sagen würdest, fliegen durch den Raum. Für kurze Zeit lasse ich mich fallen. Doch die Angst davor mich zu verlieren, ist stärker. Das hier räumt dir eine Bedeutung ein, die du nicht haben darfst. Unsere Zweisamkeit war eine auf Zeit und wir wussten schon am Anfang um ihr Ende.

Deswegen reisse ich mich zusammen, tapfer stehe ich auf und öffne die Fenster so weit es geht. Während ich dich raus lüfte, nehme ich das Glas, verschließe es gut und stelle es zum Altglas von gestern Abend. Später werde ich alles in eine Tüte packen und zum Container in den Hof runter tragen. Aber dieses Mal mache ich es wirklich, versprochen!


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16 Antworten

Kommentare

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    So ein wahrer Text. Danke.

    28.01.2015, 15:07 von marmeladenglasmomentsammlerin
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    Wunderschön. Punkt. 

    20.03.2014, 11:43 von Bambi_Eyes
    • 1

      Danke. Punkt.

      ;)

      25.03.2014, 16:22 von woertermaedchen
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  • 0

    für Wehmut und dergleichen ist das ein recht heiterer musikalischer Träger, also eigentlich schon übern Berg, naja - Hügel, maulwurfs"hoch"

    18.02.2014, 01:08 von schauby
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  • 1

    all die schönen Worte und Sätze, die du sagen würdest, fliegen durch den Raum.
    :) das hab ich mir grad echt cool vorgestellt.

    btw: der/das video lässt sich nicht anschauen. und beim verlinken am besten immer das häckchen setzen "in neuem fenster öffnen".

    04.02.2014, 22:13 von nnoaa
    • 0

      Danke, das Häckchen vergesse ich immer (- hab ich jetzt aber korrigiert!). Warum das Öffnen bei dir allerdings nicht klappt? Da bin ich überfragt!
      Das Lied heißt "Trojans" und ist von einer australischen Band namens "Atlas Genius" - ich habe dir das Video hier nochmal auf Vimeo. Hoffe dir gefällt es auch, denn ich finde, dazu kann man sich noch besser vorstellen, wie die Wörter und Sätze im Raum rumfliegen ;)

      05.02.2014, 00:46 von woertermaedchen
    • 1

      oh, mir fällt gerade auf, hab vergessen, den satz in zitat zu setzen.
      und dass man häkchen ohne c schreibt.. :D
      aber schön, dass du das einfach so übernommen hast, chrchr.

      mh, die musik ist mir zu indie, da steh ich nicht so drauf... aber danke für die mühe.

      05.02.2014, 01:29 von nnoaa
    • 0

      ✓ komplett verhakt 


      uiuiuiuiuii

      05.02.2014, 07:43 von woertermaedchen
    • 0

      ein einziges rumgekhacke hier..

      wasn/wrom uiuiuii?

      05.02.2014, 13:52 von nnoaa
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  • 0

    Wie sehr man doch so manches Mal am Altglas hängt und dann ist der Container auch noch so weit weg, dass macht es alles nicht immer leichter ;-)

    der Text gefällt mir.

    04.02.2014, 16:02 von Zauber_Bar
    • 1

      Ja viel zu weit weg und meistens gerade auch noch übervoll etc. etc. ;)

      Danke für's Lesen :)

      04.02.2014, 19:58 von woertermaedchen
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  • 1

    danke für's mögen und danke für das Altglas. sitze auch gerade mit einem rum und weiß nicht, ob ich das wirklich wegbringen kann.

    03.02.2014, 00:36 von pyromantik
    • 2

      Ich war gestern nicht beim Container unten. Aber hey, so lange es nur nicht zu viel Raum einnimmt, sondern lediglich dekorativ da hinten in der Ecke steht, kann es noch ein bisschen bleiben.

      Teufelskreis! :L

      03.02.2014, 09:59 von woertermaedchen
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  • 2

    Das hier räumt dir eine Bedeutung ein, die du nicht haben darfst. Unsere
    Zweisamkeit war eine auf Zeit und wir wussten schon am Anfang um ihr
    Ende.

    das trifft auch bei mir gerade wie die Faust aufs Auge... ich bin dabei, wenn du dein Altglas entsorgst!

    02.02.2014, 15:06 von Mauerbluetchen
    • 0

      Ich geb' dir Bescheid, sollte ich mich endlich dazu aufraffen! Sonntagsbrunch am Altglascontainer - ich bringe O-saft und Rührei mit.

      ;)

      03.02.2014, 10:01 von woertermaedchen
    • 1

      Ich schließe mich an. Wird Zeit für einen ordentlichen Frühjahrsputz! (Ja so was geht auch im Februar!)

      05.02.2014, 15:34 von Mme_Butterfly
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