Abgehakt.
Neunzehn zwischenmännliche Querschnitte. Fertig zum Einordnen.
1:
Der Träumer. Immer pleite, immer Pläne, aber nie den Arsch aus der Couch gebracht. Er wusste nie irgendwas, weil es ihm immer egal war und er es mir am liebsten immer nur recht machen wollte. Und wenigstens vögeln, wenn es schon scheiße läuft. Mit seiner nächsten Freundin zieht er ganz schnell zusammen, weil er denkt, er hätte dann so viel Sex wie noch nie.
2:
Die Affäre. Der anspruchslose 35jährige, der mich und viele andere nicht mehr vögeln will, weil er lieber seine 18jährige Praktikantin lieben möchte. War ein bisschen zu lange in Asien und Indien unterwegs und schwallt mich hinterher oft mit den Sternen und Elementen zu. Dass mein Sternzeichen bodenständig und unterkühlt wäre, aber auch extrem leidenschaftlich, sofern ich es zuließe. Ich bin dann leidenschaftlich gern ziemlich schnell nach Hause gegangen.
3:
Der Zwischendurch-Typ. Waren vielleicht auch zwei, ich weiß es nicht mehr. Man trifft sich ein- vielleicht auch zweimal für mittelmäßig bis schlechten Sex, stellt fest, gute Chemie ist überall nur nicht hier, aber das Miteinander in Klamotten war auch nicht ganz so schlimm und so ruft man sich nie mehr an, bleibt aber immer höflich bei zufälligen Begegnungen.
4:
Der Held. Der, den man liebt. Für den man um die Welt gehen möchte. Barfuß. Der scheiß Prinz auf dem Drecksgaul. Man darf ihn einmal auf die Stirn küssen. Dann reitet er weiter. Und lässt nicht viel zurück. Nur Erkenntnisse und Weisheiten, die erst nach über einem Jahr nicht mehr schmerzen.
5:
Der Arsch. behandelt Frauen wie Dreck und bringt einen hinterher nicht mal zur Tür. Macht keinen Hehl aus seinem Frauenhass und er hört auch nur zu wenn er selbst redet. Hat Angst vor Klammerattacken und hat deshalb prinzipiell nie Zeit, wenn er von mir gefragt wird, ob man sich mal wieder zum genehmen Bettsport treffen will. Kriegt es nicht gebacken, mich nach einem (unserem!!!!!) kleinen Bettunfall zu fragen, ob ich auch wirklich alle Maßnahmen ergriffen habe, eine Schwangerschaft zu vermeiden. Katapultiert sich damit ganz nach oben auf die Abschussliste.
6:
Der Retter. Man kennt ihn vom Sehen von früher. Weckt Wiederversuchswünsche. Sucht sich derweil woanders eine Freundin. Steht zehn Monate später als frischgebackener Single vor meiner Tür und bauscht alles dagewesene zwischen uns im Konjunktiv zu etwas viel zu Großem auf. Ich lasse viel stehen und liegen und bekomme dann zur Antwort, dass es nicht so gemeint war wie ich es verstanden habe.
7:
Die Belohnung. Der Typ, der sie alle haben kann und auch alle nimmt und dabei immer entspannt, höflich, lustig und umgänglich ist. Der Hübscheste von allen. Gelegenheitsmodel. Die Bettchemie, zu der man immer wieder gern zurückkehrt. Lässt mich und meinen Kopf in Ruhe und schafft trotzdem Wohlfühl-Atmosphäre. Bekommt neun von zehn Punkten.
8:
Der Depp. Hat beim ersten Date schon Ambitionen, mir zu erzählen, wie schlecht er seine Wut unter Kontrolle hat. Bestellt sich dazu einen Cidre und das Knie wippt unruhig in der Camouflage-Hose. Das sind Kerle, die werden mich nie nackt sehen. Und auch angezogen nur genau einmal.
9:
Der Kellner. Ist jung, doof und äußerlich nicht mein Beuteschema. Geht mir auf die Nerven, weil er meine Neins nicht verstehen will. Möchte 160 km fahren um bei mir zu übernachten, obwohl ich vehement ablehne. Weil ich nur Affären will, will er auch eine, betont aber, auch in Affären grundsätzlich treu zu sein. Das sind Momente, in denen der Andere sich glücklich schätzen kann, dass er mir nicht persönlich gegenübersteht.
10:
Der Säusler. Taucht irgendwann auf und wohnt hunderte Kilometer weit weg. Gelegentliche Telefonate weiten sich zu großen Gesprächen und sind selten wirklich jugendfrei. Irgendwo im Dunkeln weiß ich von einer Freundin, mit der es keinen Spaß mehr macht. Irgendwie kennt man sich, aber gesehen hat man sich nocht nie. Nach über einem Jahr Telefonsäuselei beschließe ich, dass ich kein Aufheizer für's Kopfkino bin. Als ich umziehe, vergesse ich ihm meine neue Telefonnummer zu geben.
11:
Der Vollpfosten. Spricht mir alles nach und denkt, meine Ansagen großzügig mit männlichem Instinkt plattwalzen zu wollen. Lebt in meiner Gegenwart gefährlich, denn mit brutaler Ehrlichkeit kann er nicht umgehen und begegnet ihr mit Schweigen. Das macht mich agressiv. Genau wie grapschen, obwohl ich mehr als deutlich Schmuseverbot erteilt habe.
12:
Der Depressive. Leidet schon immer am Leben und wartet nur auf das Unglück um sagen zu können: "Ich hab's geahnt!". Kann nicht loslassen und schreibt mir noch zwei Jahre später Briefe und Emails, in denen ich den Titel "große Liebe meines Lebens" einheimse. Ich will weder Titel noch eine Schärpe. Ich bringe auch kein Seelenheil und gehe nie mehr zu ihm zurück.
13:
Der Lügner. Leidet unter postpubertären Komplexen und lässt die Leidensgeschichte schon in der Kindheit beginnen. Trifft bei mir genau den jungen und dummen Nerv. Alles stellt sich nach zehn Monaten als Unwahrheit heraus. Man ist nach solchen Geschichten nicht mehr jung und nur noch ab und zu dumm. Trifft man nach Jahren in einer Bar wieder und stellt fest, dass die Zeit es mit manchen Menschen nicht immer gut meint.
14:
Der Unentschlossene. Kämpft immer einen ewigen Kampf gegen alle anderen Menschen und hat eine Freundin Zuhause, die nur hübsch ist und sonst nichts kann. Betont immer wieder, wie wichtig ich ihm bin und wie er die Naivität seiner Freundin hasst. Unterbricht alle meine philosophischen Anwandlungen inflationär mit "Ich mag dich". Als ich mit ihm vögeln will, ist er zu feige (oder moralisch zu gefestigt). Glücklich mit der Freundin ist er aber auch nicht. Keine on-and-off-Beziehung, aber auch nicht weit davon entfernt.
15:
Der Kumpel. Der, der mit den Hormonen Unfug treibt und Sehnsucht weckt. Der mich als "unweiblich" bezeichnet und gleichzeitig meinen Humor in den Himmel lobt. Der irgendwann dann doch eine Freundin hat und mich aus der Freundschaft feuert, weil ich nicht verstehen will, wie man nach zwei Dates von Liebe sprechen kann.
16:
Der Durchreisende. Temporäre Geschichten sind die besten. Am besten sind die, die nur im Kopf passieren. Seine und meine Aura bekommen es hin. Das Fleisch und Blut nicht. Hinterlässt ein friedliches und versöhnliches Lächeln und eine Telefonnummer, die man nie anrufen wird.
17:
Der Online-Freund. Einmal persönlich getroffen, der Rest spielt sich in irgendeiner Online-Plattform ab. Nicht immer platonisch, aber auch relativ säuselfreie Zone. Trifft man nach zwei Jahren wieder und verbringt gute Stunden. Drückt mir zum Abschied ein Buch in die Hand mit den Worten "Ich kann es auswendig und ich glaube, dir taugt es auch." Und auf der Heimfahrt dudelt das Lied, das auf unseren Festplatten einen Platz ganz oben hat.
18:
Die Disco-Bekanntschaft. Immer der gleiche Typ auf den immer gleichen Parties im immer gleichen Club. Sehr angenehmer und anständiger Umgang miteinander. Außerhalb des Clubs sieht man sich nie. Eineinhalb Jahre nachdem er weggezogen ist, besuche ich ihn, bevor ich noch weiter wegziehe. Und man merkt: durch und durch feiner Kerl. Aber er sucht was für's Herz und dafür bin ich nicht zu haben.
19:
Der Hausmeister. Hat alle Schlüssel für meine Seele. Stellt keine Fragen und wenn, dann die richtigen. Gibt mir Antworten. Will ich nicht vögeln, will ich nur daneben liegen und schlafen. Ist der Einzige, der mir bedenkenlos an den Kopf tippen darf ohne Gefahr zu laufen, eine in die Fresse zu bekommen. Absolut platonisch, aber ganz ganz groß.
Anmerkung:
Die Reihenfolge ist nicht chronologisch.



Kommentare
Ha ha! Danke dass du mir den Tipp gegeben hast, das mal zu Lesen! :)
30.06.2009, 23:41 von linskiMeine Theorie hat sich bestätigt! Es gibt anscheinend doch nur eine begrenzte Anzahl Menschen, die sich irgendwie wiederholen...
Aber interessant dass du schon so viele Kategorien hast. Bei mir wiederholen sich die Typen teilweise auch...ziemlich blöd....
Nette Schubladen.
25.05.2009, 19:23 von Mayne@Mayne besonders die typen nr.14, 15, 18, kommen mir bekannt vor. auf dauer sind sie alle unbefriedigend.
03.06.2009, 16:30 von schimmernmit ein paar aus deiner liste würde ich aber schon gerne noch bekanntschaft machen, in diesem leben.
06.05.2009, 15:50 von LudwigMartinUnd nun? Gehste jetzt auf Frauen? ;-)
triffts es. PUNKT! (ich hoffe du kommst mit so klaren ansagen zurecht ;) )
05.05.2009, 21:30 von mmhhkannst eigentlich beinahe alle kategorien auch auf frauen anwenden. interessant wäre ja: in welche kategorie ordnest du dich ein? 3, 7 oder 16 würdich jez einfach ma sagen.
29.04.2009, 16:14 von Der_Misanthrop@[Benutzer gelöscht] Es gibt da so eine Theorie, die ich stets vertrete. Ich fasse sie kurz: Kennst du die Schweinenasen-Menschen? Blässlich-rosa Haut. Etwas zu fettiges und unreines Gesicht. Blond. Meist dick und mit Brille. Runde Augen und die erwähnte Schweinenase. Hast du ein Bild vor Augen? Ich auch! Die gibts nämlich auf dem gesamten Globus und sind meiner Meinung nach alle irgendwie verwandt. (Man, diese Nase. Die müssen verwandt sein!!)
05.05.2009, 12:03 von FegefeuerZu deinem Text:
Jede Frau, die ihre Unschuld nicht mit in die Ehe genommen hat, weiß von wem du redest. Jeder hat sofort ein Bild vor Augen, unwichtig in welcher Stadt, oder auf welchem Kontinent. Komisch, oder?
Nunja, dein Text motiviert mich den Rotwein aus dem Keller zu holen und mich mal nen Abend lang meinem persönlichen Kopfkino hinzugeben. Film: verflossene Bettgefährten
;-)
4.
28.04.2009, 22:09 von rabenfeder