MateriallagerVoll 12.03.2012, 16:26 Uhr 0 1

a love story. almost.

7 intensive Nächte. ´ 7 Nächte mit wenig Schlaf. Unsere Bilanz ernüchternd: 4 Nächte im Vollrausch, 3 Nächte nüchtern.

Wochenlang habe ich mir diesen Morgen vorgestellt. Ihn so oft in meinen Gedanken abgespielt und genau gewusst was zu tun ist. Ich wusste wie ich mich fühlen würde. Habe vorab meine Aufregung gespürt und durchlebt.

An diesem Morgen ist es anders. Ich bin ruhig. Sogar etwas müde. Ungewöhnlich. Meine Bewegungen sind langsam und Aufregung wünsche ich mir. Adrenalin fließt durch mich wie dicker Schlamm.

Es ist Mittag. Ich fahre los. Den Soundtrack spielt das Radio, entgegen meiner Planung, passt es. Unbedeutend. Gefühlslos. 500km Fahrt. Ich fahre schnell. Mit klarem Ziel. Ob ich das Ziel schnellstmöglich erreichen will? Nein. Es ist nebelig. Es regnet. Ungemütlich. Grau.

Als ich deine Stadt erreiche ist es dunkel. Ich kenne mich nicht aus. Die Navigationsstimme leitet mich zielsicher. Ich telefoniere, während ich durch die Stadt fahre. Der letzte Versuch meine Motivation zu steigern.

Ich sehe dich. Wir sprechen. Fahren los. Zwei Autos.

Ich kann die Kupplung nicht kommen lassen, da meine Beine zittern. Ich drücke meine Knie durch, aber es hilft kaum. Wir fahren hintereinander durch unbekannte Straßen. An der Ampel beobachte ich deinen Hinterkopf. Trommele mit meinen Finger auf dem Lenkrad. Wechsel die Musik. Suche Dinge in meiner Tasche. Schaue auf mein Handy. Ich bin nervös und kann dies nun nicht mehr unterdrücken.

Dein Auto. Ich mag wie du fährst. Fühle mich gut. Neben dir. Mit dir. Wir sind noch kein wir. Wir sind du und ich. Nebeneinander. Fremd.  Schön.

Deine Wohnung. Ich gehe duschen. Wasche meine Haare, creme mich ein und lege mich zu dir ins Bett. Langsam wird mir warm. Angetrunken. So viel Neues. Meine Ohren hämmern von der Musik. Wir kommen uns näher. Küssen uns. Das zweite Mal. Ich bin zurückhaltend. Schüchtern. Unsicher. Fühle mich wohl, doch komme nicht aus mir heraus. Nur wenige Stunden Schlaf.

Ich wache auf. Fühle mich sauber und rein. Bin bei dir. Kann nicht still liegen. Weiß nicht wie ich liegen soll. Spüre, dass du durch meine Bewegungen aufwachst und schaue dich an. Deine Augen öffnen sich und ich kann deinem Blick nicht standhalten. Wir liegen nebeneinander. Eine Distanz zwischen uns. Es ist der Morgen danach. Der Morgen nach einem Tag der nicht war, wie er sein sollte. Der Morgen nach einer Nacht die mich angestrengt hat. Der Morgen zwischen zwei Menschen die sich gut finden, sich aber fremd sind. Die Fremde ist nicht aufregend neu und spannend. Die Fremde ist belastend und unangenehm. Für mich.

Ich will mich dir nah und verbunden fühlen. Aber ich liege neben einem Menschen, dessen Gesicht ich nicht in und auswendig kenne. Neben einem Menschen, dessen Gedanken ich nicht greifen und einschätzen kann. Du verunsicherst mich. Ich traue mich nicht, dir wieder nah zu kommen. Mich verwundbar zu zeigen. Zu tief und frisch sind die Wunden. Ich will dich aber kann mich dir nicht nähern. Ich bin gestresst. Meine dunklen Haare sammeln sich in deiner hellen Bettwäsche. In der Luft liegt Erwartung und eine unangenehme Spannung. Ich will, dass sich das alles löst. Will mich befreit fühlen. Finde keinen Weg dies zu tun.

Wir liegen auf deinem Fußboden. Reden. Das können wir. Wir springen von Thema zu Thema. Unsere Unterhaltung ist wie eine Treppe. Immer höher hinauf. Wir verlieren uns in unseren Worten und Erzählungen. Lernen uns kennen. Auf einer Ebene die eben nicht aufregend und schnell ist. Es ist nicht die filmische Love Story in der wir ab dem ersten Moment verrückt nacheinander sind. Wir kommen uns durch unsere Worte näher. Ich spüre die Authentizität dieser Verbindung. Wir erschaffen etwas. Etwas tiefes, verbundenes, neues. Ich habe Angst. Angst davor, dass es dir nichts bedeuten könnte. Angst davor, dass meine Einschätzung mir wieder gefährlich werden könnte. Angst davor, dich so sehr zu mögen, dass ich fühlen könnte. Dass es schmerzen könnte. Dass ich dich vermissen könnte. Dass ich leiden könnte. Dass du mich verletzen könntest.

Die Balance zwischen der gewünschten Lockerheit und der Realität ist nicht richtig. Und ich spüre, dass es nicht mehr in meiner Macht liegt dies zu beeinflussen.

Ich mag dich. Und will das nicht.

Die gleiche Nacht. Eine Woche später.

7 intensive Nächte. 7 Nächte mit wenig Schlaf. Unsere Bilanz ernüchternd: 4 Nächte im Vollrausch, 3 Nächte nüchtern.

Ich favorisiere die Nüchternen. Da kann ich mir sicher sein, dass es echt ist. Dass meine Wahrnehmung nicht durch meinen Rausch beeinträchtigt und aufgeputscht ist.

Meine Ängste und Zweifel haben sich in der Woche nicht minimiert. Sie überfordern mich aber auch nicht mehr. Ich nehme sie an und fordere Zeit. Zeit in der ich mich an die Situation gewöhnen kann und meine Angst schwinden wird.

Die gleiche Nacht. Eine Woche später.

Von Hundert auf null. Bruchlandung. Es liegen 800km zwischen uns. Ich fühle mich einsam und sehne mich nach den nüchternen Nächten. Nach Nähe. Nach dir.

Ich stelle mir unser Wiedersehen vor. Die gleiche Nacht in nun noch 3 Wochen Zukunft.

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