Veritoll 04.11.2012, 00:12 Uhr 46 4

49 Jahre und 364 Tage Ehe

Übrig geblieben war nur ein dreigeteilter, goldener Porzellanteller, der hinter der Haustür ihres gemeinsamen Hauses auf dem Boden lag

49 Jahre und 364 Tage Ehe

 

Die Haustüre flog mit einem lauten Knall zu, und mit ihr der goldene Teller, der 50 Jahre, nein, fast 50 Jahre über dieser Türe hing, zu Boden. Die Worte der letzten 5 Minuten klingelten in ihren Ohren; ihre Tochter hatte sehr deutlich gesagt, besser gesagt, geschrien, was sie von ihr hielt.

Die Tränen, die sich in ihren Augen versammelt hatten, bahnten sich nun ungehemmt ihren Weg. Sie schlug die Hände vor ihr sonst so herzliches Gesicht, das nun von Falten und Furchen  gezeichnet war. Es offenbarte ihre gesamte Scham. Was würden die Nachbarn und Verwandten bloß sagen?

„Aber ich hab es ja verdient“, dachte Betti. „Nie wieder kann ich das gut machen.“  Sie begann zu zittern, die Gänsehaut, die sich schmerzhaft auf ihren Armen und Beinen ausbreitete, ließ sie erschauern. Sie schluchzte haltlos. Etwas Warmes berührte ihre Hände und löste ihre verkrampften Hände von ihrem Gesicht. Sie blickte in die dunklen Augen ihres jüngsten Sohnes, der hereingekommen war, ohne dass sie es bemerkt hatte.

In seinen Augen lag weder Hass noch Vorwurf, im Gegenteil. Die Quelle der Wärme, die er ihr durch seine Hände übertrug, lag tief in der Iris ihres geliebten Kindes.

„Hallo Mama“. Bei seinen Worten brach sie an seiner Schulter zusammen und weinte. Als sie sich ein wenig beruhigte, forderte er sie mit seiner ruhigen Stimme, die ihr zum ersten Mal seit einer Woche Zuflucht und Schutz gewährte, auf, ihm zu erzählen, was geschehen war.

Betti nahm ihren Mut zusammen. Noch ein Kind aus dem Haus fliehen zu sehen, würde sie nicht ertragen. Doch wusste sie wohl, dass sie für ihre Entscheidung die Konsequenzen tragen musste. Immerhin hatte sie letzte Woche den Entschluss gefasst, sich scheiden zu lassen. Nach 50 Jahren, nein, fast 50 Jahren Ehe.

Wie hatte das passieren können? Eine Woche vor ihrer goldenen Hochzeit bestellte sie alles ab. Das Fest, die Blaskapelle, die Messe, den Blumenschmuck. Sie hatte den kleinen Partyservice der Nichte ihrer Schwester angerufen und gesagt, dass es ihr leid tut. Sie hatten so lange miteinander ausgeklügelt, was wohl das beste Essen für diesen großen Tag war. Ihr und Johanns großer Tag. Sein Lieblingsessen sollte es geben. Spießbraten und Blumenkohl, auf dem in Butter gebratene Mandelblätter verstreut wurden. Und Kartoffeln, lecker und gelb, vom Bauernhof außerhalb der Stadt.

„Die Feier findet nicht statt“, bevor sie dem drohenden Nervenzusammenbruch gestattete, ihr das Bewusstsein zu rauben, legte sie den schweren Hörer des alten grünen Telefons in die Gabel und atmete schwer. Vor zwei Monaten begannen diese Planungen zu diesem Tag. Ihre Tochter war in ihrem Element. Im Gegensatz zu Betti und Johann wollte sie ein großes Fest: „Ihr seid jetzt 50 Jahre..“. „Fast 50 Jahre“, unterbrach Betti sie. „Fast 50 Jahre verheiratet und immer ward ihr bescheiden. Nicht mal eine Hochzeitsreise hattet ihr. Drei Kinder habt ihr durchgebracht und mehr als das. Ihr ward immer für eure Enkel und Kinder da. Wir feiern die Goldhochzeit und wenn ich die alleine plane. Also, mit oder ohne euch, im November stehen hier 150 Mann auf der Matte und werden mehr Wein auf euch trinken, als euch lieb ist.“

Betti ließ sie gewähren, auch von Johann kam sich kein Widerstand. Und in den ersten Wochen war sie mit allem mehr oder weniger einverstanden. Doch konnte sie den Enthusiasmus ihrer Tochter nicht teilen. Warum das so war, konnte sie sich zunächst nicht erklären. Denn ihr negatives Gefühl ging weit über ihre sonstige bescheidene Einstellung hinaus.

Erst als der Pastor kam, letzte Woche, um mit den glücklichen Jubilaren zu besprechen, welche Anekdoten ihrer „50 Jährigen“ -„Fast 50 Jährigen“ - „Ehe“ die Predigt füllen sollten, wurde ihr bewusst, warum sie nicht von dem Glück, das ihnen bald alle Nachbarn, Freunde und Verwandten wünschen würden, erfüllt wurde.

Sie liebte ihren Johann nicht mehr. Ihre Ehe war kaputt. Vor die Wand gefahren, nicht mehr existent. Die Lieder der einst so lauten und freudigen Tage waren längst verklungen, die letzten Babyschreie im Haus schon mehr als zwei Jahrzehnte her. Nach all den Jahren durchflutete nur eines ihr Haus. Und das war goldenes Schweigen. Während sie in dem alten Ohrensessel alle Bücher las, die sie finden konnte, löste er die täglichen Kreuzworträtsel der Tageszeitung. Sie kochte, er guckte fern. Außer der obligatorischen Frage nach Maggi für die Tagessuppe und dem genuschelten  Vorwurf: „Da fehlt Salz“, sprachen sie nicht.

Das war zu wenig, schlichtweg zu wenig. Sie war nun 68 und ihr Leben war noch nicht vorbei. Mit 18 war sie das begehrteste Mädchen im Viertel. Doch vorbei die Zeiten, als Johann sich mit den Kerlen aus dem Kegelklub um sie schlug und sie im Karnevalssaal romantisch schwoften. Vorbei die faszinierenden Tage, als ihre Kinder die ganze Straße auf Trab hielten und sie die stolzesten Eltern in ganz Köln waren.

Übrig geblieben war nur ein dreigeteilter, goldener Porzellanteller, der hinter der Haustür ihres gemeinsamen Hauses auf dem Boden lag, der 50, nein, fast 50 Jahre, den Raum über der Pforte ihres zu Hauses zierte.

„Ich lasse mich scheiden, Peter“, sagte Betti. „Ich will das nicht mehr. Ich bin nicht mehr glücklich.“

Er nahm erneut ihre Hände, die ihre neugewonnene Ruhe vergaßen und wieder zu zittern begannen. Er küsste sie und gab Betti einen Kuss auf die Stirn, während er sie noch einmal umarmte. Doch dann stand er auf und ging ohne ein Wort zu sagen zur Tür. Noch bevor er sich noch einmal umdrehen konnte, brach Betti zusammen und blieb regungslos auf dem Boden liegen.

 

 

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46 Antworten

Kommentare

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  • 4

    'Mit 18 war sie das
    begehrteste Mädchen im Viertel.'

    An der Stelle offenbart sich doch der ware Hinter- bzw. Abgrund des Textes. Unfreiwillig, wie ich vermute. Wenn man im Naturell dazu veranlagt ist, bewundert zu werden, damit man glücklich sein kann - oder sich wenigstens so fühlen kann - dann ist vor allem eins das Problem: Alt werden. Nicht verheiratet zu sein. Es gibt viele Paare, die still und leise - aber glücklich - im Ohrensessel und beim Kreuzworträtsel ihr Leben leben.

    Der Satz da oben lässt stark vermuten, dass bis auf die kurze Phase der Anfangseuphorie die Protagonistin schon bald wieder von ihrem Problem eingeholt wird. Nur ist dann keiner mehr da, dem sie innerlich die Schuld daran geben kann.

    Geschrieben finde ich den Text teilweise grenzwertig. 'Die Quelle der Wärme, die er ihr durch seine Hände
    übertrug, lag tief in der Iris ihres geliebten Kindes.' Poah, das klingt stark nach Glitzerpony-Huskie-Hausfrauen-Romantik.

    06.11.2012, 12:26 von quatzat
    • 0

      Mit 18? Dachte immer die war erst  17

      06.11.2012, 12:44 von EliasRafael
    • 0

      Udo Jürgens is weiblich?

      06.11.2012, 12:45 von quatzat
    • 0

      Finde ihn ganz sexy mit den Birnen

      06.11.2012, 12:46 von EliasRafael
    • 1

      Hey Quatze, mach sofort die Huskies da weg! Das hat nix mit Hausfrauenromantik zu tun, das ist harte Arbeit!


      06.11.2012, 12:47 von Tanea
    • 1

      ER, den Link kenn ich doch irgendwoher ;-)

      06.11.2012, 12:48 von Tanea
    • 1

      hast du was gegen glitzerponys oder was?

      06.11.2012, 12:50 von PONY.
    • 0

      @Tanea: Das weiß ich. Aber es gibt doch diese Huskie-Kitsch-Bilder mit lila Hundeaugen und Regenbögen usw. Kennste die?

      06.11.2012, 12:51 von quatzat
    • 0

      @Pony: Ich bin leider stigmatisiert. In der Grundschule hatten wir sone Dicke mit nem französischen Namen und die hat immer diese Glitzerponies zum selberkämmen mitgebracht. Manche haben sogar gerochen. Wußtest du das künstlicher Erdbeergeruch wie Hundescheiße riecht?

      06.11.2012, 12:52 von quatzat
    • 2

      Meinst du traumatisiert oder blutest du grad?

      06.11.2012, 12:54 von EliasRafael
    • 1

      @  Quatze,

      Nein, aber ich hab das mal gesucht, und dies gefunden.
      Wenn du sowas meinst, dann bin ich besänftigt.
      Das ist wirklich Hausfrauenromantik.


      06.11.2012, 12:56 von Tanea
    • 2

      nein, das wusste ich nicht. aber vielen dank für die information :)

      06.11.2012, 12:59 von PONY.
    • 0

      Ich weiß gar nicht, was ihr habt, "HAUSFRAUenromantik" passt doch wunderbar zum Thema...
      Aber JA; ich hab es nun verinnerlicht, der Satz war Käse...

      06.11.2012, 18:11 von Veritoll
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  • 0

    Wer ist denn eigentlich Peter?
    Das der Name da so Zusammenhanglos auftaucht hat mich etwas verwirrt.

    06.11.2012, 09:49 von Tanea
    • 0

      Der Sohn!

       

      06.11.2012, 10:23 von MissBambi
    • 0

      Oder nich?

      06.11.2012, 10:24 von MissBambi
    • 0

      Klar, aber der heißt vorher nur Sohn. Und ich hab den Text von hinten gelesen und dann dacht ich so. Peter, mmh, der Geliebte, weil der Mann heißt ja Johann.
      Also, das da am Ende so unmotiviert der Name des Sohnes auftauscht fand ich nicht so gut.

      06.11.2012, 10:33 von Tanea
    • 0

      Warum geht der einfach und sagt nix dazu? Ist er ein Geist oder was? Nein, für mich unstimmig.

      06.11.2012, 10:56 von Tanea
    • 0

      Danke Tanea :) Ich habe mich auch total vertan, ich schrieb Peter, meinte aber Bettis Mann...

      06.11.2012, 13:00 von Mrs.McH
    • 0

      MrsMcH, kannste mal schaun, wie du mich mit deinem Kommentar da unten beeinflußt und mit verwirrt hast.

      Mit MrsEDIT wär uns das sicher nicht passiert.

      06.11.2012, 13:03 von Tanea
    • 0

      Ungewollte Manipulation :)

      06.11.2012, 13:06 von Mrs.McH
    • 1

      Du, du ..... Meerschwein, du...

      06.11.2012, 13:08 von Tanea
    • 1

      Du Tanea, ich finde das jetzt nicht gut, dass Du mich derart persönlich angreifst. Das ist nicht konstruktiv und stattdessen sehr respektlos. Pöbel doch bitte woanders. Doofe Möwe.

      06.11.2012, 13:16 von Mrs.McH
    • 0

      Sorry, aber wenn ich merl, das man mich manipuliert hat, dann, dann... kann es sein, dass ich unkostruktiv werde und den Respekt vor anderen Lebewesen verliere. Aber ok, bevor das hier noch böse endet schau ich mich mal nach anderen spannenden Texten um... kannste was empfehlen?

      06.11.2012, 13:21 von Tanea
    • 0

      merl=merk   erste das= dass

      06.11.2012, 13:22 von Tanea
    • 0

      naja, alles was ich herzte würde ich empfehlen, kannst ja mal schauen. Auf Seite 2+3 meiner Mag-ich-Liste sind ein paar ältere Texte über die ich kürzlich stolperte. Das ist einer meiner TopTen insgesamt.

      06.11.2012, 13:33 von Mrs.McH
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  • 0

    Mir gefällt der Text gut inkl. der "mies geschwurbelten" Stellen ^^. Inhaltlich finde ich es traurig, nicht weil Betti sich scheiden lassen will, sondern dass sie deswegen mit Schuld, Scham und Unverständnis kämpft (und anscheinend daran zerbricht). Betti lebt doch nicht nur für die heile Welt ihres Mannes und ihrer Kinder. Was ist das für ein Leben, wenn man nur noch funktioniert und eine Rolle spielt, aber innerlich nur noch tödliche Langeweile und Leere findet?
    Gut, ich projeziere ^^  Ich sehe weniger Betti und mehr meine Mama, die sich nach "nur" 25 Jahren Ehe hat scheiden lassen. Die Reaktionen waren viel Unverständnis, Wut und Hass, mein Papa versteht es bis heute nicht. Ich fand es mutig und vor allem ehrlich und diese Entscheidung war in jeder Hinsicht richtig!
    Dein Text hat mich mal wieder darüber nachdenken lassen.. Danke :)

    06.11.2012, 09:46 von Bleep...
    • 0

      Danke für deinen Kommentar...
      Das sollte der Text auch eigentlich anregen. Nochmal nachdenken.
      Ich muss vor allem viel über die Frage nachdenken: bleibe ich unabhängig von meinem Partner und schaffe es, mich trotzdem komplett auf die Beziehung/Ehe einzulassen oder mache ich mich so abhängig, dass ich nachher in eine Siuation stecke, in der sich Betti befindet.
      Die ehrliche und mutige Entscheidung, die deine Mom getroffen hat, betrifft ja nicht nur sie.
      Meiner Ansicht nach bekommt so eine Trennung noch mal mehr Gewicht, wenn man Kinder hat.
      Man trifft sie eben nicht für sich, sondern für alle Beteiligten.

      06.11.2012, 18:16 von Veritoll
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  • 0

    Ich mag da jetzt nicht lange zu kommentieren. das waren wohl viele schöne jahre aber sicher keine "fast" 50 jahre ehe. Einer sollte da wohl mal schnell die tür schließen und nach vorne sehen. 

    05.11.2012, 18:58 von jetsam
    • 0

      Kommt drauf an, wie man Ehe definiert ;)

      06.11.2012, 18:17 von Veritoll
    • 0

      vielleicht solltest du die beiden lesen. Dann verstehst du, was ich damit sagen wollte und wie ich Ehe definiere. ;)  

      06.11.2012, 18:33 von jetsam
    • 0

      Habe ich grade getan ;)
      Tom kann einfach lässig gehen, weil er keine Lücke hinterlässt...aber manche Menschen hinterlassen KRATER, wenn sie gehen.

      Ich frage mich, wieviele Menschen im Leben sowas tun, also prozentual gesehen. Wie viele Menschen trauen sich, zu sagen: Ich geh mal Kippen holen" und kommen nicht wieder zurück!

      Mal ungeachtet dessen, dass man in seinem Leben vllt. nicht glücklich ist oder dass es nötig wäre...

      Wenn meine beste Freundin oder mein bester Freund, wenn meine Schwester, Oma, mein Bruder, Vater oder Mutter jemals auf so eine Idee kämen, einfach zu gehen...
      Alleine die Vorstellung reicht, um zu sagen, dieses Gefühl möchte ich KEINEM meiner Lieben geben...

      06.11.2012, 19:01 von Veritoll
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  • 2

    liebes autor,

    wenn du nicht stellenweise so abgründig mies geschwurbelt hättest wie hier:
    "Die Quelle der Wärme, die er ihr durch seine Hände
    übertrug, lag tief in der Iris ihres geliebten Kindes."... dann..hätte man es ja noch lesen können, ohne sich zu schütteln..

    thematisch liegt da was.. könnte man ein schicke geschichte draus machen.

    deine geschichte ist aber leider.. eher daneben.

    sorry..

    05.11.2012, 18:10 von RedSonja
    • 3

      Danke für die deine Worte.
      Vielleicht setze ich die Geschichte wirklich noch mal neu auf, um die "abgrundtief mies"en Stellen zu umgehen.
      Dein "sorry" am Ende hättest du aber weglassen können. Für eine Meinung muss man sich nicht entschuldigen...


      05.11.2012, 18:33 von Veritoll
    • 1

      danke, dass du es so sehen kannst. ist selten hier auf neon!

      liebe grüße!

      06.11.2012, 12:27 von RedSonja
    • 0

      wenn man was der öffentlichrn Kritik hergibt, muss man es ggf. auch zerreissen lassen. dass man es nicht jeden recht machen kann, ist mir bewusst und das ist ja auch nicht meine intention. wenn man nicht durch angerachte kritik wächst, ist man es selber schuld.

      06.11.2012, 13:28 von Veritoll
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  • 1

    Ich hab ein Herz für Betti. Aber auch für Peter. Ich mochte es, mal "sowas" zu lesen, aber gleichzeitig kratzt es an meiner persönlichen Seifenblase :-/

    04.11.2012, 22:21 von Mrs.McH
    • 1

      Hab Dank, erst mal, für deine Gedanken.
      Es war gefühlsmäßig die reinste Tortur das zu schreiben, weil es mit meinen Ängsten für die Zukunft spielt. Nachdem du es gesagt hast, musste ich -leider- feststellen, dass die Bezeichnung Seifenblase bei mir auch zutrifft.

      Andererseits denke ich mir immer, wenn mir Menschen sagen, dass sich Paare jenseits der 65 nicht mehr scheiden lassen, dass ich persönlich nicht aufhören möchte, frei zu entscheiden, was mit meinem Leben geschieht (abzüglich der Fälle, in denen man nicht mehr kann wegen Krankheiten etc.)

      05.11.2012, 07:38 von Veritoll
    • 0

      Meine Mum hat sich mit 61 "befreit" und getrennt.Als sie sich nach 7 Monaten endlich einigermaßen in ihrem neuen Leben eingerichtet hat, ist sie gestorben... Ich finde, solange man sich bewusst ist, dass das was man festhält oder was man sich für sich wünscht, eine Seifenblase ist, ist es in Ordnung. Es ist doch wichtig Ziele und Wünsche zu haben. Man darf nur nicht krampfhaft daran festhalten.

      05.11.2012, 07:53 von Mrs.McH
    • 0

      Ja, es ist richtig, was du sagst. Aber die Ängste hängen ja mit allen vier Charakteren zusammen.
      Wenn es um eine Familie geht, trägt jeder der Leidtragenden zum Leid eines jeden einzelnen bei.
      Was ist mit dem Vater? Was mit den Kindern?
      Wie wird dann Weihnachten gefeiert? Was ist mit dem Haus?
      Hatte Betti arbeit? Wie wird sie weiter leben?
      Das Problem ist ja nicht nur, dass man die eigene Seifenblase selbst zerstört, also seine Wünsche und Ziele, sondern, dass sie auch von außem kinderleicht wie mit einer Nadel einfach zerschossen wird.
      Aber wiederrum liegt Wahrheit in deinen Worten. Wenn man sich nicht krampfhaft daran festhält, tut die Seifenblasenexplosion nicht so weh. Aber ich kenne es eigentlich so, dass wenn man sich nicht in einer Sache festkrampft, will man sie auch nicht richtig...

      05.11.2012, 08:02 von Veritoll
    • 1

      Aber ich kenne es eigentlich so, dass wenn man sich nicht in einer Sache festkrampft, will man sie auch nicht richtig...

      Das ist mir einerseits zu einfach und andererseits zu extrem. Auf die Dosierung kommt es. Es gibt "Kämpfer", hier besteht die Gefahr, dass es umschlägt und auf eine Weise krankhaft wird. Und es gibt "Hinnehmer", die sich sagen "wenn ich darum kämpfen muss, dann kann es nicht richtig für mich sein" (o.ä.)

      Im ersten Teil Deiner Antwort mit den vielen Fragen, steckt für mich auch schon die Antwort drin. Hin und wieder sollte ein gewisser Egoismus an den Tag gelegt werden und man sich vor Augen führen, dass man nur dieses EINE Leben hat und die Uhr vorwärts läuft.

      05.11.2012, 08:15 von Mrs.McH
    • 0

      Ich denke, die Dreiviertel-Leben-Krise, die Menschen zwischen 55 und 65 beschleicht wird viel zu wenig ernst genommen.

      06.11.2012, 09:25 von Tanea
    • 0

      Ich denke, das wird oder könnte sich im Laufe der Zeit ändern. Die heutigen betroffenen Menschen gehören doch noch eher der Generation an, der anerzogen wurdet, dass man über so etwas nicht offen spricht.

      06.11.2012, 09:34 von Mrs.McH
    • 0

      Naja, ich bin bald aus den Latschen gekippt, als die Schwiegermutter mit 60 genau das angesprochen hat.

      Aber du hast schon Recht. Da waren die Frauen i.d.R. Hausfrau und Mutter, ohne eigene Erwerbsarbeit, was heißt, dass sie keinen finanziellen Spielraum haben sich zu trennen, wenn sie nicht entweder aus dem Haus in ein Ein-Zimmer-Apartment ausziehen und den gesamten Freundeskreis hinter sich lassen wollen oder sich auf eine lange Schlacht mit dem Mann um finazielle und materielle Werte eingehen möchten.

      Ich denke, dass die wenigsten das machen werden, wenn ihnen der alte Herr nicht einen triftigen Grund dafür liefert.

      06.11.2012, 09:41 von Tanea
    • 0

      Naja, ich bin bald aus den Latschen gekippt, als die Schwiegermutter mit 60 genau das angesprochen hat.


      Siehste, schönes Beispiel, dass Dich das überhaupt verwunderte.

      06.11.2012, 09:44 von Mrs.McH
    • 0

      Naja, weil ich es aus einem anderen Blickwinkel betrachtet hab. Aber das würde hier zu weit führen.

      Wollte damit auch noch andeuten, dass ich denke, dass genau diese Fragen gar nicht so weit hergeholt sind, wie man es nach dem lesen des Textes vielleicht meinnen könnte.

      06.11.2012, 09:51 von Tanea
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