StellaArtois 14.12.2012, 09:55 Uhr 4 11

2006

Ein Jahr der Entwicklung. Wünsche und Vorstellungen schienen sich wie eine kleine Stadt im Kopf auszubreiten. Es formte sich eine neue Welt.

Ein Jahr, das sich mit zunehmendem Abstand immer tiefer in mein Gedächtnis zu graben scheint. Ein Zauber, der größer wird, je mehr Zeit verstreicht.

Es war das Jahr der Freiheit. Meiner Freiheit. Unserer Freiheit. Nichts wurde vorausgesetzt, nichts erwartet, höchstens erhofft. Alles schien mit einer Leichtigkeit vonstatten zu gehen, die sich heute nicht mehr finden lässt, so sehr ich auch danach suche.

In meinem Kopf bildet sich um dieses Jahr eine Art Luftblase der Perfektion. Kein Sommer scheint schöner gewesen zu sein, kein Gefühl der Freiheit größer, die Möglichkeiten unendlich, die Entwicklungen allesamt positiv, die empfundene Zufriedenheit unermesslich.

Es war das Jahr des Entdeckens. Das Entdecken von Liebe und Leidenschaft. Die Grundlage für alles, was folgte. Die ersten zaghaften Schritte hin zu einem Menschen, der später die Welt bedeuten sollte. Das Erfahren von Nähe, das Streicheln von Bedürfnissen, die zuvor unberührt blieben, in den Tiefen schlummerten, ohne bemerkt zu werden.

Ein Jahr der Entwicklung. Wünsche und Vorstellungen schienen sich wie eine kleine Stadt im Kopf auszubreiten. Es formte sich eine neue Welt. Eine Welt um das „Uns“. Mehr und mehr nahmst du Platz in meinem Kopf. Du setztest dich, ohne zu fragen und mir gefiel es. Manchmal hatte ich Angst, ob du wohl eines Tages ohne Vorwarnung aufstehen und gehen würdest, genauso, wie du gekommen warst. Du bliebst. Du machtest es dir gemütlich. In diesem Jahr wurde deine Welt zu meiner.

2006 wurde ich erwachsen. Zumindest auf dem Papier. Wenn ich zurückschaue, war ich alles andere als das. Umso mehr verwundert es mich manchmal, dass du mich damals so anziehend fandest. Vielleicht war der Grund, dass meine Welt gerade erst zu einer wurde. Dass du derjenige warst, der sie mir zeigte. Der sie mir erklärte. Genau das, was dich nachher so störte. Ich brachte keine eigene Welt mit, ich hatte nichts zu bieten außer mich, dieses unbeschriebene Blatt.

Du begannst es zu beschreiben. Wort für Wort, Satz für Satz, Seite für Seite. Mein vorheriges Leben schien nach diesem Sommer nicht mehr erwähnenswert. Meine Welt bestand fortan aus dir. Sie verwirrte mich, machte mich traurig, ließ mich erschrecken. Sie machte mich glücklich, zufrieden und schrie nach mehr.

Ich begann mich selber zum ersten Mal richtig kennenzulernen, Eigenarten zu entdecken, Vorlieben wahrzunehmen, mich und dich lieben zu lernen.

Jetzt bist du fort und hast meine Welt mitgenommen. Was bleibt ist die Erinnerung an etwas. Das warme Gefühl dieses besonderen Sommers, der mich zu dem Menschen hat werden lassen, der ich heute bin. Eine leere Hülle weht über die Herbststraßen und lässt mich denken: das bin ich. Ohne dich. Ohne das Jahr 2006.

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4 Antworten

Kommentare

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    Hättest Du so viel mehr draus machen können. So ist's einfach nur lame.     

    16.12.2012, 23:23 von Jimmy_D.
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      oh mann suri :XD

      15.12.2012, 23:16 von Gluecksaktivistin
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    großartig be/geschrieben. Jedoch wünschte ich mir für dich den letzten Absatz nicht gelesen zu haben.

    14.12.2012, 17:39 von jetsam
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