15 Minuten
Wir als Flm, unsere Beziehung in 120 Minuten. Wo wären wir? Im Abspann, tragisch und verloren. Am Anfang, wo alles noch möglich ist?
Es gibt keine Absolutzustände. Nirgendwo. Niemals. Außer im Kino. Da läuft alles innerhalb von grob geschätzt 120 Minuten entweder auf endlose Glückseligkeit und absolute Gerechtigkeit hinaus oder es endet in Tod und Zerstörung. Meist aber tritt der Fall mit der Glückseligkeit ein. Gelegentlich sinniere ich darüber, wie es wäre, wenn unser Leben ein Film wäre. An welcher Stelle wären wir gerade? Kurz vorm Abspann, wenn alles verloren ist und das Publikum flennend in den Sesseln hängt und erschrocken "Nein!" ruft, weil es so nicht zu Ende gehen darf. Oder wären wir bei der ersten Viertelstunde, in der die Szenerie erklärt und der Plot erst aufgebaut wird, man aber schon vorher weiß, durch Plakate und Filmtrailer, dass sich hier eine der ganz großen Liebesgeschichten anbahnt. Welche Version mir lieber wäre, ist einfach. In diesem Punkt sind Schmalz und Kitsch sicher die angenehmere Option.
Nehmen wir mal an, es handelt sich bei uns um die erste Viertelstunde. Unsere verquere Beziehung wird in kurzen Rückblenden eingebaut, deine Gedankenstimme erzählt, was vorgefallen ist und wie ratlos du im Moment bist. Natürlich lebt so ein Film von einem Paar, dass am Ende zusammenfindet und glücklich in den Sonnenuntergang reitet. Das mit dem Reiten hab ich in den letzten Monaten ein bisschen gelernt, es könnte also funktionieren. Die Rückblenden und Szenen aus der aktuellen Situation zeichnen für den Cineasten in seinem Sessel ein bedrückendes Bild unserer Beziehung: Anschweigen. Sich ausweichen, Berührungen vermeiden. Sich wie zwei Fremde gegenüber stehen.
Die Vergangenheit wiegt schwer auf beiden Schultern. Jeder hatte Erwartungen an sein Leben, jeder wurde enttäuscht. Und dann kommt Hollywood ins Spiel. Eigentlich liebt man sich, zeigt es aber nicht und macht alles nur noch schlimmer. An diesem Punkt sieht Hollywood immer einen Charakter vor, der als gute Seele interveniert und beide Protagonisten einander näher bringt. Vielleicht ist das bei uns Neele oder jeder für sich findet so eine gute Seele.
Was genau zwischen den ersten 15 Minuten passiert und den letzten, weiß noch niemand. Aber jeder hofft darauf, dass am Ende ein "Glücklich bis in alle Zeit!" auf den Gesichtern der Helden zu lesen ist und dass "All you need is love" im Abspann die zuckersüße Herzschmerzarie gebührend beendet.
Lass uns genau hier, nach den ersten 15 Minuten ansetzen und daran arbeiten, dass unsere Story besser sein kann als jedes Drehbuch.
Tags: Hollywoodfilm, Tragödie, kitschig






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