TheR.amones 15.11.2010, 22:02 Uhr 0 0

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Als ich ihm meine Hand reiche, spielen Geigen in meinem Kopf.

Zum Takt meines Herzens. Viel zu schnell und wunderschön. Ohrenbetäubend laut,
müssen sie durch die Räume schallen. Sie müssten ihn überwältigen, denke ich noch. Doch da lässt er meine Hand schon wieder los.

Meine Blicke, wie sie immer wieder durch den Raum schweifen. Auf der Suche nach meinem Herzen. Dass er da irgendwo mit sich rumträgt. Völlig unbedacht,
in der linken Hosentasche, schaukelt es im Takt seiner Beine. Ich kann zusehen, wie es jeden Moment fällt. Ich schaue weg. Meine Blicke hat er längst bemerkt.

Ich stehe neben ihm und kann seinen Atem hören. Wie er die Gabel zum Mund führt und leise schmatzt.
Ich würde ihn gerne anfassen dürfen. Ihn anfassen dürfen, nur eine Minute lang. Spüren, wie sein Körper, an meinem ist. Ganz leicht, so dass
es gar nicht weh tut. Riechen, wie er nun mal riecht, unbeschreiblich. Da hat er aufgegessen.

Wie er an mir vorbei schlendert. Mich dabei sanft am Arm berührt. Ein Zucken strömt durch meine Beine. Ich könnte einknicken, wenn er das tut. Ich möchte nie wieder
aufstehen, wenn er das tut. Ich möchte, dass er das Zucken versteht. Beim vorbeilaufen hat sich sein Hemd verschoben. Gerne würde ich es richten. An der richtigen
Stelle runterziehen. Doch da hat er es schon selber gemacht.

Ein müdes Lächeln zum Abschied. Ich blicke mit den Augenwickeln noch einmal zu ihm. Wie er da an der Wand lehnt. Gemocht von jedem, vielleicht nur von mir geliebt.
Ich kann sein Blick sehen, er streift und weilt auf mir. Ich würde gerne in diesem Augenblick verweilen. Die lauten
Takte der Uhr sollen nicht mehr schlagen und die Menschen
verstummen. Ich möchte nur seine Worte verstehen und seine Augen auf mir ruhen wissen.

Aber die Zeit läuft weiter und die Menschen auch. Der Raum stinkt nach vielem, verdammt unangenehm. Und eigentlich waren es nie Geigen, sondern irgendwelche
schlechte Musik. Mein Herz
liegt schon lange zwischen Papptellern und kaputten Flaschen begraben. Sein Atem war viel zu leise, für die laute Stimmung. Berührt hat er viele, an den Armen und
den Beinen, höflich und bedacht, aber die einzige war ich leider nicht. Der Abschied war auch nur ein trauriges Ende, an dem
die Uhr lauter getickt hat, als jemals zuvor.

Die Tür fiel hinter mir ins Schloß. Die Musik verschwand dahinter und man konnte nur noch einen einzelnen Bass erkennen. Die Luft war kalt und der Weg durchzogen von
schmutzigen Schnee, der in letzten Tagen, viel zu schnell geschmolzen war. Ich bemerkte viel zu spät, dass ich mein Herz vergessen hatte. Unter der zerbrochenen
Bierflasche, in der rechten Ecke, hinten an der Bar.

Ich stelle mir gerne vor, wie er es findet und in seiner Hosentasche verschwinden lässt. Wie er es, in leisen Momenten, hinausholt und betrachtet. Wie er
sich selbst darin erkennt. Lächelt und mich sucht. Mir es vorsichtig in die Hand legt und ich weiß, dass er immer wollte, dass es ganz bleibt.

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