Epilog 02.02.2008, 19:41 Uhr 0 1

Zufriedenheit.

Eine innige Freundschaft und ein Protagonist, der schmerzlich aus dem Leben gerissen wurde..

„Wie macht er das bloß?“ Lisa und Anna bogen gerade in die Hochstraße ein. „Er hat dir schon wieder einen Drink ausgegeben, hat mir etwas zu essen spendiert. Woher nimmt er das Geld? Wo er doch bis letzte Woche um jeden Preis gespart hat, nie jemandem etwas ausgegeben hat? Was ist los mit ihm?“ Anna quittierte Lisas Monolog mit einem kurzen Nicken und blickte in den klaren Sternenhimmel und zog ihre Jacke noch etwas fester zu, um nicht so sehr zu frieren. „Klar, es ist super! Wir bezahlen nur noch selten etwas, aber irgendwie schäme ich mich schon ein wenig. Es ist so...so ungewöhnlich. Er war doch nie so“, Lisa ließ ihre Gedanken einfach schweifen. Ihre Hände und ihr Gesicht waren kalt. Sie spürte wie sich jeder Atemzug vor ihrem Gesicht in silbrigen Nebel verwandelte. „Glaubst du nicht einfach, dass er viel durch seine Nachhilfe verdient und es jetzt ausgibt, was er gespart hat? Er war nie richtig arm. Er hatte nur nie Lust, alles mit gütigen Händen auszugeben und zu verschenken“, zum ersten Mal, seit sie das Café verlassen hatten, ergriff Anna das Wort. Nun schwiegen sie lange Zeit und bogen in die Straße, in der Lisas Haus lag, ein. „Glaubst du, dass was mit ihm nicht stimmt?“ „Ich weiß nicht, aber es macht mir Sorgen. Du, ich muss rein, meine Mutter wartet bestimmt schon. Bis morgen und mach dir keinen Kopf mehr.“ – „Mach dir selbst keine Gedanken. Tschüss.“ Die Sterne funkelten und Anna war verwirrt. Sie lief einfach, ohne über irgendetwas nachzudenken, nach Hause. „Er hat Wein getrunken und sich bei Subway etwas zu essen geholt – was nicht weiter ungewöhnlich ist, aber er hat sich in den letzten Wochen einen neuen iPod, ein MacBook, einen Flachbildschirm und noch viele verschiedene Bücher gekauft. Woher nimmt er das Geld und warum holt er sich auf einmal so viele Sachen?“, dachte sie plötzlich und schüttelte den Kopf. „Es hat doch keinen Sinn.“ Sie fingerte den Schlüssel aus ihrer Handtasche, drehte ihn dreimal im Schloss. Hinter ihr fiel die Tür ins Schloss.

„Hast du es schon gesehen?“, kam Lisa am nächsten Morgen in der Schule hektisch und aufgeregt zu Anna angerannt. „Was ist passiert?“, fragte sie verdutzt. „Er hat ein Auto.“ Anna war sprachlos. Sie kannte die Antwort, wer ein Auto hatte und fragte deshalb: „Was für eins?“ „Einen Mini, aber ist das nicht egal? Ein Auto, Anna! Ein Auto! Woher nimmt er das Geld und warum tut er das? Er war nie jemand, der groß prahlen und angeben wollte und jetzt taucht er jeden Tag mit Markenkleidung von Tommy Hilfiger und s.Oliver auf und fährt jeden Tag mit seinem Mini vor, tippt im Unterricht nur noch auf seinem Notebook herum. Was ist mit ihm passiert?“ Anna war fassungslos. Sie war den Tränen nahe. Was war los mit ihr? Mit ihm?

Am nächsten Tag stellten sie ihn zur Rede: „Was ist los mit dir? Wo kommt das ganze Geld her und warum gibst du es so sinnlos aus?“ Er lächelte. „Wieso sinnlos? Ich erfülle mir Träume. Ich schaffe mir Zufriedenheit und mit der Zufriedenheit Glück. Und ist glücklich sein etwa etwas Schlimmes?“ - „Nein, aber warum jetzt? Du hast nie, niemals viel Geld ausgegeben und jetzt? Jetzt wirfst du es beinahe zum Fenster hinaus.“ Seine Augen wurden feucht, doch er lächelte milde und antwortete: „Ihr werdet sehen, warum ich jetzt all diese Dinge kaufe und mein Geld so schnell ausgebe. Die Zeit wird kommen. Aber jetzt vergesst das wieder und kommt mit: Ich gebe euch eine Cola aus.“ Und wieder lächelte er so charmant, wie er es nur konnte, wie er es lange nicht mehr getan hatte. Sie sahen sich an, schüttelten die Köpfe und folgten ihm einfach.

Am nächsten Tag sorgte das große Plakat am schwarzen Brett für Aufsehen. Jemand hatte es schon in den frühen Morgenstunden angeschlagen:

„Letzte Nacht verstarb
noch jung und bitterzart
die süße Seele, dessen,
was wir heute Freund nennen.

Wir müssen erkennen,
dass die Zeit nicht immer gütig ist.
So grausam es auch scheint,
irgendwann bleiben wir vereint.

Selten gefüllt, oft zerrissen.
Wer Glück sucht,
soll Glücke finden.
Heureka! Zufriedenheit!

Wir wollten doch,
wir hätten mehr Zeit gehabt.
Doch nun ist es aus.
Dies war mein letzter Applaus.“ – Timm

Darunter schlossen sich noch einige Zeilen an:
„Nach schwerer Krankheit und einer langen Zeit der Ungewissheit verstarb vergangene Nacht unser Mitschüler und Freund Timm.
Er soll in Frieden ruhen.“

Ruhe legte sich über die Schule und Tränen flossen. Uns wurde die Zeit genommen.

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