zigzag 24.07.2006, 23:55 Uhr 1 2

Zertreten!

Unsere Freundschaft hatte das Potential zu einem stattlichen Baum. Doch sie hat nicht mal einen Sommer überstanden. Ich habe sie "zertreten".

Freundschaften und Beziehungen werden oft mit Pflanzen verglichen. Manche wachsen schnell, manche nur unmerklich. Einige erfordern viel, andere weniger Zuwendung. Nur wenige sind für die Ewigkeit. Und dann gibt es solche, die schon zu Beginn unter keinem guten Stern stehen. So wie die zwischen Friederike und mir.

Nie zuvor habe ich zu jemandem in so kurzer Zeit ein solches Vertrauensverhältnis aufgebaut. Unsere Freundschaft hatte das Potential zu einem stattlichen Baum, doch sie hat nicht mal einen Sommer überstanden. Alles begann mit einem Missverständnis und endete mit einem solchen. Auch die Zeit dazwischen war immer wieder von Missverständnissen gekennzeichnet. Es war nicht so, dass wir einander nicht verstehen wollten – wir interpretierten unsere Aussagen und Andeutungen schlicht falsch. Ein Grund dafür war sicher das Medium, über das wir meistens schriftlich kommunizierten. Das Internet transportiert eben nur Zeichen und Symbole, aber keine (echten) Gesten und Mimiken. Ein anderer war unsere (ausgeprägte) Vorsicht, aus Angst vor einer erneuten Enttäuschung.

Ich habe sie abermals ob ihrer Ehrlichkeit kritisiert. Dabei schätze ich offene und ehrliche Menschen wie sie! Vermutlich fällt es mir schwer zu glauben, dass es tatsächlich noch derart aufrichtige Menschen gibt. Das wiederum stimmt mich sehr traurig. Jenes Misstrauen resultiert aus meiner letzten gescheiterten Beziehung, und so sehr ich mir auch wünsche es ablegen zu können – es gelingt mir einfach nicht. Dies soll jedoch keine Entschuldigung sein. Ich war unachtsam und habe vorschnelle, falsche, Schlüsse gezogen und damit das zarte Pflänzchen unserer Freundschaft zertreten. Mit meinem Verhalten habe ich sie dazu gebracht, weniger offen und ehrlich zu sein, weniger von ihr preis zu geben, weniger sie selbst zu sein. Ich habe sehr viel, wenn nicht gar alles kaputt gemacht. Dafür schäme und hasse ich mich!

Vielleicht passen wir wirklich nicht zusammen, doch um das herauszufinden, hätten wir einander zunächst noch besser kennen lernen müssen. Diese Gelegenheit scheint nun verwirkt. Ich kann und würde es ihr jedenfalls nicht verübeln, wenn sie nach meiner “übersäuerten“ Mail gestern und meinem “distanzierenden“ Anruf heute keinen Kontakt mehr zu mir sucht. Schließlich habe ich selber das forciert. So bleibt mir nur die Hoffnung. Und die Zuversicht, beim nächsten Mal umsichtiger zu sein.

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    kommt mir bekannt vor. passt beinahe exakt auf m. und mich. nur, dass wir es mehrmals mit der "freundschaft" versucht haben bzw. ihr nach missverständnissen immer wieder noch ne chance und noch ne chance gegeben haben. dabei war von anfang an das problem, dass wir diese "freundschaft" unterschiedlich eingeschätzt haben. ich wollte ihn nur als guten kumpel, obwohl er für mich eine zeitlang der wichtigste mensch in meinem engeren umfeld war. er dagegen wollte von anfang an mehr, hat es aber nie ausgesprochen. stattdessen fing er an, eifersüchtig auf andere männer zu werden, beleidigt zu sein, wenn ich mal nicht 24 stunden am tag für ihn da sein konnte, und irgendwann wurde er stur und zeigte mir die kalte schulter, versuchte mir absichtlich weh zu tun, wahrscheinlich in der hoffnung, dass ich daraufhin stärkere gefühle für ihn erkenne oder entwickle. hat aber nicht funktioniert. diesmal hab ich die notbremse gezogen. es war ne schöne zeit, aber nicht das, was uns beiden auf dauer hätte gut getan.
    er schrieb mir irgendwann wieder, dass ich der wichtigste mensch für ihn bin und er noch nie so jemanden wie mich getroffen hat, und dass er mich vermissen wird. nun ja, er müsste mich nicht vermissen müssen, wenn er sich anders verhalten hätte. aber kann ich ihm das wirklich vorwerfen? gegen gefühle kann man nichts machen. er war einfach nur nicht ehrlich. hätte er mir gesagt, was er wirklich empfindet, hätten wir darüber reden können. so standen immer missverständnisse zwischen uns.
    ich hab seine nummer längst gelöscht. ich schreibe ihm auch keine mails oder melde mich per icq oder skype. manchmal ist es schon hart, weil er mich immer verstanden hat, immer für mich da war, und ich gerne zeit mit ihm verbracht hat. mir fehlen die gespräche, unsere ausgänge, die dvd-abende, das lachen... wir konnten viel zusammen lachen. aber ich frag mich eben auch oft, wieviel davon echt war und wieviel mittel zum zweck, auch wenn es ein bißchen unfair klingen mag.

    ich weiß nicht, inwiefern du um eure freundschaft kämpfen kannst und willst. manchmal lohnt es sich. in meinem fall half es nur, um zu der erkenntnis zu gelangen, dass es bei uns nichts bringt.

    25.07.2006, 08:21 von envyme
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      @envyme bei mir war es genauso nur war ich in der lage deines freundes, ich habe ebenfalls keinen kontakt mehr zu ihm, aber ich vermisse ihn sehr, mehr als freund den als partner, aber eine andere an seiner seite zu sehen, die ihm wichtiger ist als ich konnte ich nicht ertragen, es ist besch... mit den gefühlen, man kann sie nicht abstellen u. verliert somit wertvolle menschen

      25.07.2006, 16:25 von schoki25
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      @schoki25 das stimmt, aber umgekehrt ist man auch in ner beschissenen lage. man kann ja gefühle leider auch nicht erzwingen. es ist offensichtlich so, dass echte freundschaften zwischen mann und frau nur dann möglich sind, wenn keine gefühle im spiel sind, was aber oftmals früher oder später der fall ist.
      einer meiner besten freunde war mal in mich verliebt und das jahrelang. aber irgendwie hat er akzeptiert, dass mehr als freundschaft nie drin sein wird, und nur deswegen sind wir jetzt seit gut 8 jahren super gut befreundet, trotz der "räumlichen trennung" zwischen uns. er vertraut mir alles an und ich ihm. ich kann mich 100%ig auf ihn verlassen und er kann das umgekehrt auch. es kann also klappen, aber das sind dann wohl eher ausnahmen.

      25.07.2006, 18:33 von envyme
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