Wald-Apothekerin 02.12.2010, 23:55 Uhr 1 0

WUT

Ich fühle mich verarscht, krank und wütend. Ich kann meinen Zorn kaum in Worte fassen.

Es ist kalt, doch ich schwitze. Kondenswasser tröpfelt stumm.
Ich blicke aus den Fenster, der Scheiß ist undicht.
Draußen schneit es schon wieder, Frau Holle sollte endlich mit dem Koksen aufhören.

Plötzlich ist sie da.
Sie klopft an meine Tür.
An das Tor des Verstandes.
Sie tretet den Eingang meiner Vernunft ein und infiziert mich mit ihrem Gift.
Der Hass wurde gesäät, ich muss nun die Wut ernten.

Ich kann es einfach nicht verstehen, wie kann man jemanden so voller Tatendrang ein Messer in den Rücken rammen? Natürlich symbolisch gemeint.

Mir rinnt mein enttäuschtes Blut die Waden hinunter, ich spüre wie du deine Klinge des Verrates aus meinen Torso ziehst, du verdammter Meuchelmörder. Na? Haste Schiss mir in die Augen zu blicken, wenn du unsere Freundschaft tötest?

Ja.

Ich kann die Furcht in deinen Antlitz sehen. Wenn du mich ansiehst, blickst du zugleich in deinen eigenen dunklen Schatten.

In die hässlichste Fratze deiner Seele.

Du schreist mich an, willst mich verletzten, zielst mit Schmerz getränkten Pfeilen auf mich.

Um uns schießt Hass, wie vergiftete Pilze aus dem krebskranken Boden.

Ich gebe zu, ich habe dich provoziert. Ich lache lauthals, die ganze Scheiße hier kotzt mich extrem an. Aber du reagierst über, du Psychopath. Du hast es nie anders gelernt, du widerst mich im Innersten an. Ich möchte dir weh tun, ich will dass du leidest, jeder soll so empfinden, wie er es verdient.

Aber irgendwie hab ich keinen Bock mich von meinem durchgefickten Ohrensessel zu erheben und mir den Kopf über unsere zerstörte Zukunft zu machen. Ich fürchtete mich vor der Wahrheit, ich war blind und konnte keinen klaren Gedanken über dich fassen, dein manischer Schein verbirgt deinen elendigen Egoismus. Du legst auf. Ich höre den Freizeichen Lärm, es ist ein einsames, unerträgliches Geräusch. Es produziert Wut in mir. Blanken Hass.

Du.

Ich mochte dich von Anfang an. Du warst toll. Neu. Interessant. Manisch. Depressiv.

Jetzt habe ich Erkenntnis erhalten. Du bist nicht so toll. Du ziehst mich nicht hinauf, sondern hinunter. Hinunter in deinen Sumpf aus Verzweiflung, Melancholie und Selbsthass.Dein Karma hat dich gefickt. Nicht mit mir, du Penner. Ich reiß mich los und schlage deinen Kopf an der Tischkante blutig und verlasse unsere gemeinsame Welt, die nach und nach einstürzt.

1 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    "Sie tretet den Eingang ein."


    Stimmt, du kannst deinen Zorn echt nicht in Worte fassen

    03.12.2010, 09:42 von Surecamp
    • Kommentar schreiben
  • Chronik einer Liebe

    Passend zur Titelgeschichte erzählen im NEON-Blog zwei weitere Paare ihre digitale Liebesgeschichte - wir zeigen ihre unbearbeiteten Nachrichten.

  • »Wir sind alle egozentrisch«

    Die 26-jährige Zosia Mamet aus der Serie »Girls« erzählt im NEON Blog, was man macht, wenn ältere Frauen in der U-Bahn über Oralsex reden möchten.

  • Die Fluchthelferin

    Einen Tag lang haben wir Deutschlands berühmteste Poetry-Slammerin Julia Engelmann begleitet. Im Blog gibt sie Tipps für einen gelungenen Auftritt.

Neu: NEON für dein iPad!

Neueste Artikel-Kommentare

NEON-Apps für iOS und Android