styrianrainbow 28.10.2009, 11:40 Uhr 0 0

Wo bin ich?

Am Montag hob das Flugzeug um 18:00 endgültig in Richtung Wien ab.

Einen Moment, den ich solang wie möglich rauszögern wollte, doch dann kullern schon die ersten Tränen über mein Gesicht. Tränen, die sagen, dass ich meine Heimat verlasse. Meine Heimat, in der ich die letzten neun Wochen glücklich, frei und einfach ich selbst sein durfte.
Jetzt ist Mittwochmittag und in Gedanken beginne ich zu arbeiten, wie ich es in den letzten Wochen auch getan hatte. Decke den Tisch für Mittag, diskutiere mit dem Kleinen, fahre das Essen aus der Küche holen, hab vielleicht einen kleinen Plausch mit Christian oder Emma oder beiden und fahre wieder zurück in die Wohngruppe.
Doch in Wirklichkeit sitze ich allein in meiner Wohnung und warte bis ich zum Mittagessen gerufen werde, um dann wieder festzustellen, dass mir das chaotische und laute Essen in meiner Wohngruppe abgeht.
Am Nachmittag werde ich wieder Dinge suchen, an deren Orten ich glaubte sie vor meiner Abreise hingelegt zu haben und nun wieder zu finden, ich werde in meinem Auto das kleine Rad zum Lautstärke regeln suchen und dann merken, dass ich weder im Skoda, noch im Caddy, sondern im Modus sitze und bei den ein oder anderen Songs, die im Radio gespielt werden, kommen mir bestimmte Szenen in Erinnerung...Erinnerungen, die ich gerne nochmal erleben würde.
Aber ich suche nicht nur die einen oder anderen Dinge, sondern vor allem mich selbst. In den letzten Wochen wusste ich wer ich bin und wohin ich gehöre, doch seitdem ich den österreichischen Boden wieder betreten habe, herrscht nur mehr Leere in mir und das dringende Bedürfnis hier nicht sein zu wollen und mich nicht in das vorgegebene System mit allen seinen Kontrollen einfügen zu müssen. Ich weiß, dass ich hier wieder meinen Platz finden muss, damit ich bis Sommer hier in Graz leben kann, um dann mit aller Energie und Freude, die sich inzwischen in mir aufstaut, mein neues Leben in meiner Heimat zu beginnen!
Und am Abend, wenn ich allein hier vor meinem Fernseher sitze und selbst entscheiden soll, was ich eigentlich sehen will, hoffe ich, dass zumindest die anderen, die ich in Havetoft im Hasenbau zurückgelassen hab, einen erfolgreichen Tag hatten und den mit einem Bier ausklingen lassen oder vielleicht sogar an den Strand fahren.
Ich werde auf jeden Fall auf MSN online sein, um dann gegen Mitternacht vielleicht die ein oder anderen Neuigkeiten aus dem Dorf und dem Leben und Arbeiten dort zu erfahren.
Zum Schluss bleibt mir nur mehr zu sagen, dass mich die letzten neun Wochen mehr geprägt haben, als die Jahre zuvor, die ich in Österreich verbrachte. Danke euch allen, die mir dabei stets an meiner Seite standen. In Österreich Angie und in Deutschland Christian. Danke euch beiden!!!

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