zzebra 01.06.2008, 10:44 Uhr 2 2

Wir werden uns nie wieder sehen

Plan geschmiedet, Weg bereitet. Genauso plan liegt er vor einem, überschaubar, alle Steine sind ausgeklaubt, fest im Griff alle Hebel. Denkt man.

"Du hast doch alles", lautete meine Antwort.
Ich liebe dich wie immer, denn wir sind uns nah. Lassende, nicht fordernde Liebe. Selbstverständlich hast du nicht alles. Aber alles haben zu können, was innere Zufriedenheit betrifft, wer möchte dieses Glück schon schmieden? Mit einem rechten Arm, der vor Hammerschlägen zittert, auch nachts noch, unter den rohen Balken, von denen man schwer träumt, wie sie einen erdrückten, während Gäste sehnsüchtig nach ihnen schielen, so sie mal kommen. Im Fenstersims steht eine Vase bunter Blumen, frisch gepflückt natürlich, im klaren Wasser funkelt Mondlicht, kleine Perlen hangeln sich im Schneckentempo die Halme empor, blubbern vorzeitig empor. Auf dem Fensterglas hast du sorgsam die letzten Schlieren fortgeputzt, dahinter pure Nacht. Der müde Arm zuckt an deiner Seite. Erzählt dir Geschichten vom Tage. Er möchte dich gerne mit einer Bettgeschichte in den Schlaf massieren, da bist du schon weg, im Traumland.

„Wir sind doch nichts mehr, wir beide“, begann er vor vielen Jahren etwas aufzulösen. „Ein Haus, gepatchte Worte, viel Alltag, das teilen wir, dividieren es auseinander und klauben zusammen, was sich fügen lässt.“ Darauf soll es eine Antwort außer „somit sind wir so bedeutend viel“ geben? Deinen Glauben an die Unverletzlichkeit und Unveränderlichkeit großer Gefühle, den hast du dir bewahrt. Die Beweise dafür rutschen dir tagtäglich durch die Emsigkeit deiner Finger. Wie Wasser mit der Konsistenz von Reißnägeln, scharfkantigen Scherben, Stromschlägen. Vor den Spülstein gebeugt siehst du hinaus, den Blick am Fensterkreuz vorbei, es ziehen Sonne, Regen, Wolken, Licht und Schatten um die Wette vorbei wie in einem Kinofilm, du als Zuschauer. Die Hände tun dein Leben. Du nicht.

„Ich könnte noch so viel vorhaben“, fällt es dir ein, während du einen Garten erblühen lässt, deinen Kindern Lächeln lehrst, aus Gegenständen Zauber formst. Wie du dieser alte Lampe mit einem grünen Glasschirm leben eingehaucht hast, die Roststellen am Standfuß hast du absichtlich nicht entfernt. „Patina gibt dem Leben Charakter“ steht auch unsichtbar auf der Kommode. Der Lampe Licht ist nun ein warmer Schein, wie aus uralten Kilowattstunden geschaffen. Als ich dein Gast für ein paar Tage war, da leuchtete sie mir mehr als einen Traum.

Den alten Holztisch hast du am Trödelmarkt vor der Müllverbrennungsanlage errettet. Pechschwarz und dick mit Farbe bestrichen war der, hast du erzählt, und du musstest viel husten und niesen beim Abschleifen. Nun steht er da, glänzt matt von einbalsamierten Olivenöl, und ist das Prunkstück deiner kleinen Küche. Wir haben zusammen Kaffee getrunken an ihm. Wir saßen nur so, redeten, und der Tisch und du, ihr ward mir ein Zuhause.

In dem Zimmer, das du mir für die Nacht bereitet hast, stand ein dunkelbrauner Rahmen auf einem weiß lackierten Paneelbrett, nur der Rahmen, weiter nichts. Das Bild, das er zeigte, war Leere, verputzte Wand. Ich lag lange wach vor dem Einschlafen, betrachtete mir dein leeres Bild und dann, dann füllte sich der Rahmen allmählich. Es tauchten fremde Gestalten und vertraute Gesichter darin auf, eine grüne Auenlandschaft mit sattem Grün in allen Schattierungen, schweres Schmiedewerkzeug, grober Sandstein, zu einer Sitzbank gestapelt. Dann fing es an zu tönen und zu singen, ein Kirchturm neben einer uralten Linde, in die man hineingehen konnte, ein magischer Ort. Vom weichen Licht der alten Lampe erhellt lag ich im Bett und sah lange fern in deinem selbst geschaffenen Bilderrahmen, der zu mir sprach. Es lief nie ein schöneres Programm, weißt du? Ich sah uns sitzen, lachen, schweigen. Sah auf deinen Händen Leben und in deinen Augen Frohsinn. Bilderrahmenfüllend lag ein Glanz im ganzen Raum.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, eine vorwitzige Sonne auf dem Kopfkissen, ein vertrauter Geruch in der kühlen Morgenluft, umschloss der Rahmen einen schlichten Zettel. Hing der schon letzte Nacht da? Ich rieb mir die Augen hell und starrte den kurzen Text an. Auf dem Zettel stand in schlichtem Font fettschwarz gedruckt: „Wir werden uns nie wieder sehen.“

Ich schloss die Augen, müde plötzlich, ließ die heißen Wellen bauchwärts sinken und vergab der Zeit, dem Leben, jetzt schon, vorsorglich. Um Verletzungen in der anbrandenden Dünung zu vermeiden. Um die alte Lampe nicht zu hassen, die mir gestern spät des Nachts großes Kintopp vorgegaukelt hatte. Damit ich wegen meinen Erwartungen nicht mit blitzblank und scharf geschliffenem Messer unendlich langsam, aber ebenso tief eine unheilbare Wunde schnitt, das Fleisch erst weiß porös, dann füllen sich die kleinen Krater blutrot bis es nicht mehr aufhören will zu tropfen, der Blick nicht mal Erstaunen. Ich schob den Vorhang beiseite und die helle Sonne wollte nicht recht passen. Dein Auto stand mit dem Heck zum Bäckerladen, es sah aus, als duftete es nach frischen Brötchen. Deine Hand erschien vor mir wie ein sich zurückziehender Hauch blasser Erinnerung.

Ich stand auf. Absolvierte unleidig die üblichen paar Dehnungsübungen. Trank einen Schluck abgestandenes Wasser vom Vorabend. Sah wieder zum schmalen Fenster hinaus. Die Kammer engte mich ein. Ich hätte laufen mögen jetzt. Einfach loslaufen. In die weiten Auen, am Bach entlang, einfach laufen und weg. Nicht mehr stoppen bis ich wieder zu Verstand käme. Dann fiel mein Blick auf den Holzrahmen, dem Bildschirm von letzter Nacht. Ich hatte nicht genau hingesehen. Von Hand waren zwei Änderungen am schmucklosen Ausdruck, der darin steckte, vorgenommen worden, und ich musste über meine eigene Dummheit und meine Zweifel lächeln, während es am Türspalt klopfte und dein fragender Kopf erschien, aus dem es fröhlich fragend erklang. „Na? Schon richtig wach?“

„Nicht wirklich, nein...“, murmelte ich benommen.

„Einen Kaffee?“

„Kaffee? Ja!“ Dann erkannte ich, sanft lächelnd, den mit blassem Stift hinzugefügten senkrechten Aufstrich über dem linken Teil des „nie“ und das dahinter gekritzelte „r“."Wichtige Links zu diesem Text"
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Kommentare

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    Oh man ich hab mich durch den Text jetzt bis zum Ende gelesen und ganz ehrlich? Ich hab selten sowas Zähes gelesen. Deine Bilder sind gewollte aber nicht gekonnte Poesie, die Anekdote ist ganz nett. Aber im Grundton einfach zu gestelzt.

    07.06.2008, 11:14 von extravergine
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    So eine romantische Freundin hätte ich auch gern ;)

    03.06.2008, 23:43 von freddie
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