K.Hope 30.11.-0001, 00:00 Uhr 6 50

Wir waren mal Freunde

In dieser kurzen Zeit zwischen Mai und November

Manchmal laufen wir uns noch über den Weg, irgendwo in der Stadt. Und bei deinem Anblick durchläuft mich immer noch eine kurze Schockwelle. Für einen kurzen Moment habe ich das Gefühl jemand presse meinen Brustkorb zusammen. Ich habe Angst, wie du reagieren wirst, wenn du mich siehst, Angst, weil ich nicht weiß wie ich reagieren soll. Soll ich dich grüßen? So tun als wäre nichts gewesen? Dich behandeln wie irgendeinen flüchtigen Bekannten? Du kommst näher und mein Herz schlägt schneller. Mein Mund wird trocken. Ich setze an, um etwas zu sagen, obwohl ich selbst noch nicht weiß, welche Wörter im nächsten Moment aus meinen geöffneten, plötzlich spröden Lippen entweichen wollen und dann...

Dann drehst du dich zur Seite, weichst meinem Blick aus und bist im nächsten Moment in großem Bogen an mir vorbei gelaufen. Fast so, als hätten wir uns niemals gekannt.

„Wer war das denn?“, fragt mein Begleiter, dem mein Blick nicht entgangen ist. „Ach, wir waren mal Freunde“ antworte ich nur. Er fragt nicht weiter nach. Er spürt, dass ich nicht weiter darüber reden will. Dass ich nicht weiter darüber reden kann. Wobei ich doch eigentlich so dringend darüber reden möchte. So viel zu sagen hätte. Nur eben nicht zu ihm. Sondern zu dir. Und du willst es nicht hören.

Und dabei waren wir doch mal Freunde. In dieser kurzen Zeit zwischen Mai und November. In dieser kurzen Zeit, nachdem du mich verletzt hattest, weil du eine andere wolltest und noch bevor ich plötzlich einen anderen haben konnte. Und dich damit verletzt habe? Ich hätte dir so viel zu sagen.

Darüber, dass wir doch mal Freunde waren. Und ich frage mich immer öfter, ob wir das wirklich waren. Kann man das was wir hatten wirklich als Freundschaft bezeichnen? Was wir hatten, war vielleicht nicht lang aber doch intensiv. Ich dachte doch, wir wären füreinander da. Ich hab dir doch vertraut. Ich dachte wir könnten uns alles sagen. Und dann musste ich feststellen, dass du dir aber nicht alles anhören konntest. Nicht ohne über mich zu urteilen. Dass du nicht dazu in der Lage warst, deinen Stolz runter zu schlucken und einfach für mich da zu sein, als ich dich gebraucht hätte. Anstatt nachzutreten, als ich mental am Boden lag.

Und langsam wird mir klar, dass es im Endeffekt egal ist, was wir mal waren. Dass wir mal Freunde waren. Denn manchmal muss man die Menschen los lassen und aus dem eigenen Leben treten lassen, die nicht gut für einen selbst sind. Selbst wenn wir mal Freunde waren.

Ich lass dich gehen.

Ich greife lieber nach der Hand neben mir. Und ich beginn zu erzählen: „Also, wir waren mal Freunde...“


Tags: Freund verlieren
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6 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Deswegen bin ich froh, dass die Wahrscheinlichkeit, meine ehemalige beste Freundin wiederzusehen, gegen 0 tendiert. Die "Schockwelle" kenn ich zur zu gut. Das Loslassen fällt mir immer noch schwer. 

    22.10.2014, 20:41 von kathiebradshaw
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  • 4

    gut so!!

    01.10.2014, 21:11 von yuhi
    • 2

      Schließe mich an.

      02.10.2014, 11:37 von -Maybellene-
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