leniwern 30.11.-0001, 00:00 Uhr 27 2

Wieso empfinden wir den Druck unsere Beziehungen zu definieren?

Wir wissen nicht was wir genau sind. Wir wollen es aber auch nicht. Sie wollen es aber umso mehr wissen.

Durch Zufall hat es sich des Öfteren ergeben, dass ein Mann aus meinem Freundeskreis bei mir übernachtete, immer öfter und immer öfter. Natürlich hat es nicht lange gedauert, bis der erste Kuss zwischen uns fiel und letztendlich auch mehr. Ich kann aufrichtig sagen, dass es nur aus Zufall passierte und es wohl auch jeden anderen meiner männlichen Single-Freunde hätte treffen können, aber genau da liegt wohl das Problem. Die Tatsache, dass er nach unseren gemeinsamen Trinkgelagen noch anderthalb Stunden nach Hause fahren müsste unterstrich doch die Tatsache, wie bequem mein neues Bett doch war und immer noch ist. 

Was vielleicht harmlos anfing, nahm immer mehr seinen Lauf. Manchmal schlafen wir miteinander, manchmal befriedige ich ihn, manchmal befriedigt er mich, manchmal schauen wir einen Film, manchmal reden wir einfach nur und manchmal rufe ich ihn einfach nur an, wenn ich nachts nach Hause gehe und Angst habe. 

Wir sind beide mit dieser lockeren, undefinierten Beziehung sehr glücklich und haben genau das geklärt was für uns wichtig war: Treffen wir uns noch mit anderen? Ja. Erzählen wir uns davon? Ja.  Erzählen wir uns wenn wir Gefühle entwickeln? Ja. Meinen wir das Ernst? Ja. 

Das Merkwürdige daran ist, auch wenn wir mit dem was wir haben und mit dem was wir tun glücklich sind, sind es unsere Freunde scheinbar nicht. Die Menschen um uns herum fordern eigentlich von uns, dass wir DAS Gespräch führen, obwohl uns beiden vielleicht genau das gefällt, dass wir weniger darüber reden was wir haben, denn für uns ist es schon längst geklärt. 

Wir hegen starke Gefühle für einander, das weiß ich. Doch keiner von uns könnte das, was zwischen uns ist Liebe nennen und keiner von uns würde auf die Idee kommen es eine ernste Beziehung zu nennen. Um ehrlich zu sein würden wir uns wahrscheinlich nach einer Woche trennen. Natürlich habe ich darüber nachgedacht, denn tut das nicht jede Frau über jeden ihrer Sexualpartner? Aber dadurch, dass ich ihn so gut mittlerweile so gut kenne, kenne ich auch die Eigenschaften seinerseits, die für mich eine Probleme in einer Beziehung hervorrufen. Wenn er sich momentan ein paar Tage nicht meldet, so stellt das kein Problem für mich da. Wären wir ein Paar würde das. Wenn ich ein paar Wochen nicht zum Sport gehe, ist das kein Problem. Wären wir ein Paar würde es das für ihn sein. 

Wir tuen uns gut im Moment mit dem was wir haben. Er ist nicht mein Traummann und wird es auch niemals sein, aber er stört mich nicht zu sagen, dass ich in keiner Weise seine Traumfrau bin. Dieses undefinierte ermöglicht uns, uns viel näher zu sein als wir es eigentlich wären.

Nur leider sehen unsere Freunde das ganz anders. Sie fordern regelrecht ein Gespräch. Nicht, weil sie vielleicht Interesse an einem von uns hätten. Fast alle sind in unserem Freundeskreis glücklich vergeben. Aber sie sind einfach neugierig. Neugieriger als wir. Meine beste Freundin hat mich gefragt: aber „Was ist er denn nun: Dein fester Freund, Dein bester Freund oder was?“ und das einzige was ich ihr geantwortet habe war: „Mein Freund“, denn uns beide interessiert es nicht welche von den tausend Beschreibungen wir benutzen.

Bisher haben wir beiden noch keine Auskunft zu dem gegeben, was genau zwischen uns passiert ist. Mein Freund und ich haben einfach noch keine Lust auf die merkwürdigen Reaktionen, die gutgemeinten Ratschläge und die geschockten Gesichter, die kommen würden. Wir fürchten beide, dass die merkwürdigen Reaktionen, die wir nicht erfahren wollen, die gutgemeinten Ratschläge, die wir nicht wissen wollen und die geschockten Gesichter die wir nicht sehen wollen vieles verkomplizieren würden und vor allem die Beziehung die wir haben - welche es auch immer ist, kaputt machen würden. 

Vielleicht sind wir naiv, vielleicht bin ich auch nur naiv. Aber die Frage die am Ende immer noch ungelöst da steht: Müssen wir allem einen Namen geben oder ist nicht vielleicht das Ungewisse, das Interessante?


Tags: Freund mit Extras, Bezieheungen, Freundeskreis, Gesellschaft, Druck, Gesellschaftsdruck, Spaß an der Freude
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27 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Vielleicht solltest du eher DAS Gespräch mit deinen Freunden führen, indem du sie darum bittest eure Beziehung so zu akzeptieren, wie ihr sie führen wollt.
    Mehr gibts da aus meiner Sicht nicht zu klären. Lass dich nicht verunsichern.

    08.12.2014, 16:16 von -Maybellene-
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Scheiß auf die Ansichten deiner Freunde.

    08.12.2014, 14:03 von sailor
    • 0

      Das ist auch nicht immer so einfach ;)

      13.12.2014, 01:48 von leniwern
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  • 0

    Ich wusste garnicht, daß es auch 'unernste' Beziehungen gibt...

    »Treffen wir uns noch mit anderen? Ja«
    Was heißt 'treffen'? Auf'n Bier oder für poppen?

    08.12.2014, 14:00 von sailor
    • 1

      auf ne Partie Uno ;)

      11.12.2014, 21:36 von SignorBlanco
    • 0

      Na, du gehst aber ran...

      12.12.2014, 08:21 von sailor
    • 0

      Das bleibt immer noch jedem selbst überlassen ;)

      13.12.2014, 01:48 von leniwern
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  • 2

    Dieses undefinierte ermöglicht uns, uns viel näher zu sein als wir es eigentlich wären.
    Halte ich ja -offengestanden- für völligen Brainfuck. Entweder man ist sich nah oder man ist es nicht. Das ganze Relativierungsgefasel ist mMn nichts weiter als ein Hintertürchen um bloß keine Verbindlichkeiten zuzulassen, sich jeden Weg offenzuhalten und auf keinen Fall vor sich oder dem Anderen einen klaren Standpunkt zu beziehen.

    Dann kann man sich halt prima wegschleichen und so tun als hätte das Alles halt irgendwie nicht so richtig was bedeutet.
    Hat ja gar nicht richtig weg getan - war ja nur irgendwas.

    Müssen wir allem einen Namen geben oder ist nicht vielleicht das Ungewisse, das Interessante?
    Wer sich nicht im Klaren ist was er/sie fühlt und seine Beziehung zu einem anderen Menschen nicht differenziert betrachten kann hat mMn 'n Defizit. Seinen Gefühlen gegenüber kann man mMn nur dann im Unklaren sein, wenn man sich um eine Auseinandersetzung mit sich selbst und die Verantwortung für seine Nächsten herumdrückt.



    08.12.2014, 13:11 von PixelAspect
    • 1

      Ich entscheide mich auch immer bereits in der Sekunde, wo ich das Bild auf Tinder sehe, für einen Standpunkt. Im Ernst, warum so eilig, auch Gefühle müssen reifen.

      08.12.2014, 13:18 von EliasRafael
    • 2

      Natürlich reifen Gefühle. Das stelle ich auch gar nicht in Abrede. Ich behaupte auch nicht, dass das "falsch" ist.

      Ich argwöhne nur, dass die Unverbindlichkeit, die hier als "Freiheit" impliziert wird nicht das ist, was sie vorgibt zu sein :).

      Aber...was weiss ich schon ?
      Ich kenn' ja auch nur meine Welt.

      08.12.2014, 13:23 von PixelAspect
    • 1

      ...und jetzt weiss ich auch, was "Tinder" ist.
      Ich würde aber behaupten, dass das was die Beiden da haben irgendwie bissl was Anderes ist, als rumzutindern und so zu tun als hätte man hätte man sich die wahre und einzige Liebe zusammengeappt.

      08.12.2014, 13:25 von PixelAspect
    • 0

      Ich wollte ja auch nur mal was gesagt haben.

      08.12.2014, 13:34 von EliasRafael
    • 0

      Ich wollte zuerst.

      08.12.2014, 13:37 von PixelAspect
    • 0

      Ich ich ich.

      08.12.2014, 13:41 von EliasRafael
    • 1

      ...ich reibe mich jetzt mit der Lotion ein.

      08.12.2014, 13:43 von PixelAspect
    • 0

      Ich nehm auch'n Klaren...

      08.12.2014, 16:16 von sailor
    • 0

      Ich kann dich vollkommen verstehen und ich war auch lange dieser Meinung. Aber durch neue Erfahrungen verändert sich auch die Sichtweise.

      13.12.2014, 01:50 von leniwern
    • 0

      Jeder so wie er kann.

      13.12.2014, 11:54 von PixelAspect
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  • 0

    Jede Beziehung definiert sich früher oder später von selbst. Ob Freunde bei diesem Prozess stören oder unterstützen, lässt sich pauschal nicht sagen. Dein Text hört sich eher nach einem engstirnigen Freundeskreis als nach einem gesellschaftlichen Problem an. Ansonsten was Feodor sagt.

    08.12.2014, 13:03 von EliasRafael
    • 0

      Das war eigentlich auch ein Teil meiner Frage, ob es ein gesellschaftliches Problem ist, oder ob so etwas nur in meinem Freundeskreis eingefordert wird. 

      13.12.2014, 01:44 von leniwern
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  • 1

    nicht das ungewisse ist der reiz, sondern gerade das nicht öffentlich machen. euch reizt die "heimlichtuerei", das macht eure ding zu etwas besonderem und das gibt euch den nötigen "kick".

    08.12.2014, 12:59 von blitzgescheit
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  • 3

    Wenn du Angst hast, deine Freunde könnten eure Beziehung durch ihre Reaktionen und Erwartungen gefährden, dann ist sie es bereits. Du scheinst dir selbst nicht sicher zu sein, sonst würdest du hier nicht, bewusst oder unterbewusst, durch die Offenlegung deiner Situation eine Rückmeldung einfordern.

    Also kriegst du sie. : )
    Ich denke, es ist nur eine künstliche Verlängerung dessen, was du dir an Leichtigkeit in einer Beziehung zu erhalten versuchst und eine Frage der Zeit, bis mehr Gefühle, seien sie der Gewohnheit oder tatsächlich mehr werdender Zuneigung geschuldet, die Oberhand übernehmen und das eintrifft, wovor du dich schützen möchtest.

    08.12.2014, 12:02 von Feodor
    • 0

      Genau das probiere ich gerade zu bemängeln, dass ich mir ziemlich sicher mit dem bin, was wir haben, meine Freunde dies aber nicht zu verstehen scheinen, aber du könntest Recht damit haben. Vor allem die Leichtigkeit der Beziehung tut gerade so gut, dass man sie nicht "aufgeben" will. 

      13.12.2014, 01:42 von leniwern
    • 0

      Ich wünsch euch, dass eure Toleranz auch noch dann hält, wenn ein Dritter mit ins Spiel gekommen ist und die Krone dann nicht doch wackelt. : )

      13.12.2014, 11:15 von Feodor
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  • 0

    Ein Text mit einem, wie ich finde interessantem Thema, den ich deswegen auch mag.


    Die Frage ist nur, ob der Kuss "viel" oder nicht doch eher "fiel", oder ob es nicht doch eher zu diesem Kuss "kam" ;)

    Im stillen Einverständnis eine Beziehung zu entwickeln heißt ja nicht, dass sie nicht jeder von euch innerlich auch definiert hat.
    Das nicht-Aussprechen-wollen ist doch eher ein Zeichen der nonverbalen-Kommunikation, was sehr selten ist.

    Ich bin mir sicher jeder von euch kennt den Namen dessen, was ihr habt.

    Und würde es wirklich anders sein, wenn er sich nicht meldet, du mal nicht zum Sport gehst, nur weil dieses Ding offiziell einen Namen hat, oder suchst du nur nach Gründen dafür, dem Ding keinen Namen geben zu müssen, weil es, gesellschaftlich gesehen, dann auf einer anderen Ebene stattfinden würde, auf einer offiziellen?

    Ich würde es offene Beziehung nennen.
    Fertig.

    08.12.2014, 04:54 von FinsterLicht
    • 0

      Merkwürdiger Weise hatte ich bereits eine offene Beziehung, die wunderschön war und schmerzhaft für beide geendet hat. Vielleicht sind es auch die Erfahrungen die ich dadurch gemacht habe, die mich davon abhalten es auszusprechen.

      13.12.2014, 01:57 von leniwern
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