Redeemer 04.03.2008, 10:14 Uhr 1 0

Warum 9 Uhr, warum nicht 10 nach 9?

1 Minute in deinem Leben warst du zu früh, wirklich nur eine Minute.

Ich höre immer noch deine Stimme in meinem Ohr, die mit einem Lallen zu mir sagt: „Du bist die Beste, ich ruf dich dann Montag an.“ und das nur weil ich dir bei deiner Bewerbung helfen wollte. „Das ist doch kein Ding, meld dich einfach.“ hab ich zu dir gesagt und habe mit dir angestoßen. Ich hatte mich auf einen schönen Abend mit unseren Mädels eingestellt und hab mich riesig gefreut, dass wir endlich mal wieder zusammen richtig feiern konnte, ohne einer mit dem Auto fahren musste. Endlich einmal mit meiner Cousine sorglos feiern, doch der Abend wurde zum Grauen. Dein Dickkopf wurde dir zum Verhängnis. Ich weiß bis heute nicht, was dich geritten hat, alleine mit dem Rad loszufahren und ich weiß auch bis heute nicht warum die Hauptstraße gefahren bist und nicht durch die Stadt. Ich weiß auch ich warum du gerade an dem Tag pünktlich sein musstest, sonst bist du doch auch nie vor 10 Uhr zu einer Party gefahren, nur ausgerechnet an diesem Tag.
Es war der 9 Uhr Zug. Keiner von uns ahnte etwas. Wir dachten du sitzt oben vor der Tür und schmollst, weil noch keiner los wollte. Wir ahnten ja nicht, dass sich dein Dickkopf durchgesetzt hat und du wirklich alleine gefahren bist. Wir versuchten dich anzurufen, doch dein Handy war aus. Wir fuhren los um dich auf der Party zu treffen, doch dort warst du nicht aufzufinden. Wir wussten nur dass unsere Feuerwehrfreunde ausgerückt waren, doch an so was dachten wir ja gar nicht. Erst als Rebecca auf mich zu kam und mir sagte, dass sie ein schreckliche Ahnung hätte, bin ich mit Marion und Christina ins Auto dich suchen gefahren. An der Straßensperre wurden wir von 2 Polizeibeamten aufgehalten. Mittlerweile hatte sich mein Magen so sehr verknotet dass ich nur noch heulend vor den Beamten zusammen gebrochen bin. Ich wusste immer noch nicht wo du warst und ich hatte auch keine Ahnung was mit dem Zug ist, bis der Beamte zu mir kam und die Worte sagte, dich ich in meinem Leben nicht vergessen werden: „ Es tut mir leid, es war Ihre Cousine, wir haben einen Krankenwagen für sie Drei bestellt.“ Ich konnte es nicht fassen. Wie oft bist du nachts alleine nach Hause gefahren, wie oft auch über weite Strecken und genau an dem Abend als wir beiden endlich einmal zusammen feiern konnten, war alles vorbei. Als wir später in der Kirche deine bzw. unsere Freunde trafen, war es eine Art Schuldgefühl. Ich musste mich immer wieder rechtfertigen warum du alleine gefahren bist. Dabei wusste ich gar nicht das du gefahren bist, ich dachte doch die ganze Zeit, du sitzt oben vor der Haustür. Hätte ich gewusst, dass du losgefahren bist, ich wäre hinter dir hergefahren, dass verspreche ich dir hiermit.
Ich weiß dass es zu spät ist, aber ich will das du weißt, ich hätte es getan.
Später dann auf deiner Beerdigung, es war eine wunderschöne Beerdigung, sah ich die Blicke deiner Eltern. Ich wusste meine Tante sucht in mir die Antwort auf das Warum, aber die kann ich ihr nicht geben. Es ich weiß selber nicht warum du einmal im Leben pünktlich sein musstest.

Nun bist du schon ein dreiviertel Jahr nicht mehr bei uns und doch fühle ich mich umso mehr mit dir verbunden. Wenn ich dein Grab besuche, höre ich leise deine Stimme die mir sagt: „Birgit, es ist nicht deine Schuld.“ und dann frage ich mich immer, wenn es nicht meine Schuld ist, warum habe ich dann diese Schuldgefühle?"Wichtige Links zu diesem Text"
Nachruf: Kari wir vermissen dich!

1 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
13. Mai 2013

Neueste Artikel-Kommentare

NEON-Apps für iOS und Android