metropolenherz 18.08.2013, 19:27 Uhr 2 4

Von Lethargie, perfekten Momenten und dir und mir.

Weißt du, eigentlich mag ich dich. Ist keine Floskel oder so. Aber weißt du, ich mag nicht, dass du so müde vom Leben bist.

Ich erinnere mich noch an diese Nacht, in der wir ewig miteinander geredet haben. Das war diese eine Nacht, in der mir irgendwann die Wangen wehtaten, weil ich so lächeln musste. Du wirkst oft so nüchtern, aber als du dann von diesem Moment erzähltest, da hast du mich mitgerissen. Du warst mit deinen Freunden weg und fandest sie schon den ganzen Abend toll. Ihr kamt ins Gespräch, du mochtest sie und sie dich irgendwie auch. Irgendwann wurde die Nacht eher zum Tag und du eher zum Träumer. Ihr lagt da auf solchen riesigen bequemen Sofas, wart beide so sprachlos von den Momenten, die ihr am liebsten in einer kleinen Dose konservieren wolltet, um sie immer mit euch tragen zu können.

Also pass auf. Vielleicht ist es total krank, wir kennen uns nicht! Wir nehmen uns jetzt ein Taxi, wir sagen ihm, dass wir zum Flughafen wollen. Am Flughafen schauen wir wohin der nächste Flug geht und dann fliegen wir los.“

Ihr verbringt euer perfektes Wochenende in Bukarest. Klar, vielleicht wäre Paris oder Prag oder New York oder wasweißich irgendwie romantischer, faszinierender, imposanter gewesen. Aber das spielte letztlich gar keine Rolle, weil sie, die Stadt und der Moment es geschafft hatten, dich aus deinem Winterschlaf zu reißen und das Leben zu spüren. Tief einatmen.


Ist jetzt alles ein paar Jahre her. Du erzählst weiter. Du bist Ende zwanzig und so furchtbar gelangweilt. Zehn Jahre zuvor gingst du für eine Zeit in die USA, so eine große Firma wollte, dass du für sie arbeitest. Dann kamst du zurück und noch größere Firmen wollten dich. Und jetzt hast du deine Eigene und genügend Geld. Wenn ihr jetzt weggeht, dann lasst ihr euch etliche Flaschen Alkohol an euren Tisch bringen, sitzt in diesem Bereich, der sonst nur für die besonders wichtigen Menschen ist. Dann holt ihr euch die jungen Mädels zu euch, ihr bezahlt sie nicht direkt, jedenfalls nicht mit Geld.

Manchmal leuchtet mein Handy mit deinem Namen auf. J. hat ein Bild gesendet. Du schickst mir Bilder, wie du gerade in Taiwan, in Hongkong, in China bist. Jedes Einzelne sieht so wunderschön aus, als hättest du vorher bei google irgendwas mit „Paradies“ eingegeben und wärst dabei zufällig darauf gestoßen. Und manchmal, wenn dir dann immer noch langweilig ist, dann bestellst du dir eine Frau auf dein Zimmer. Das würde dir irgendwie noch den Kick geben.

Aber auch dieser Kitzel beginnt auch langsam dich zu langweilen, also schmeißt du was. Keine Ahnung, was genau, bestimmt solche bunten Pillen oder du ziehst einfach ein paar Lines. Vielleicht weil es das einzige Gefühl ist, was dich aus deiner Lethargie reißen kann. Ein Trip, der dir für ein paar Stunden wieder die Möglichkeit gibt, nicht mehr alles in schwarzweiß zu sehen, sondern in den buntesten Farben. Das kleine Hintertürchen, auf dem nicht „Exit“, sondern schillernd „Leben“ steht.


„Ich hab alles schon gesehen“, sagst du. Und es klingt ernsthaft so, als würdest du das wirklich glauben. „Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht und musste an dich denken“, sagst du. Vielleicht willst du mit mir was total Verrücktes machen, vielleicht hoffst du, dass ich dir das kleine Türchen aufhalten kann. Aber ganz ehrlich, du machst mich irgendwie so müde.  

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2 Antworten

Kommentare

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    schön geschrieben... sehr bewegend... irgendwie so müde... manchmal verpassen sich Menschen auf dem Weg zueinander oder finden sich nicht bzw nehmen die falsche Abbiegung

    23.08.2013, 10:28 von DieKleineBlume
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