ChloroPhyl 23.06.2008, 18:02 Uhr 4 1

Vom Affen, der zu viel' Bananen fraß.

Du warst immer diejenige, die versuchte mich zu verstehen. Und ich immer derjenige, der vorgab dich zu verstehen. Und darin umso erfolgreicher war.

So weit ich mich zurückerinnern kann, gab es dich und mich.
Wir liebten uns, wie nur Freunde es können.
Ohne Zwänge, ohne Ansprüche, beinahe ohne Konsequenzen.

Immer, wenn wir Händchen hielten, verbrannte Pfannekuchen buken oder im Wald spazieren gingen, schwang ein kleines bisschen Magie mit und machte den Alltag zum Vergnügen.

Ich fragte mich jedes Mal, wieso du jeden Tag aufs Neue ein Lächeln herausbekamst, das seinesgleichen suchte.
Wo das Schicksal doch an dir, so schien es, ein Exempel statuiert hatte.
Du hattest in der gesamten Zeit, in der ich dich kenne, mehrere Familienmitglieder, die ein oder andere Große Liebe, einen Hund und schätzungsweise fünf deiner besten Freunde verloren.
Und immer war ich da, um dich zu trösten.
Um deine Tränen zu trocknen, dir zuzuhören.
Vor allem um dir zuzuhören.
Mal mehr und mal weniger interessiert, aber immer mit dem gleichen äffischen Lächeln auf den Lippen, triefend vor Falschheit.

Ich belog und benutzte dich.
Ich umgarnte und umschwärmte dich.
Ich war reich an deiner Liebe und gab dir bloß Blüten zurück.
Ich trieb das Spiel, so weit ich konnte.

Vielleicht war es, weil ich dich nicht verlieren wollte.
Vielleicht war es, weil ich wollte, dass du mich mehr liebst als die anderen.
Vielleicht war es aber auch einfach, weil ich der Affe bin.
Und du die Bananenstaude.

Es ist, wie es immer ist.
Der Affe isst die Bananen und anfangs schmecken sie ihm gut.
Ja geradezu vorzüglich.
Er liebt diese süßen, weichen Früchte, die an seinem Gaumen zerschellen.
Doch je mehr er isst, desto bitterer beginnen die Bananen zu schmecken.
Also beginnt er, immer mehr zu essen.
Er beginnt, die Bananstaude nachts zu überfallen, die Bananen zu pflücken, bevor sie überhaupt erst reif sind.
Er überfrisst sich, wird fetter und fetter.
Er wird träge und cholerisch.
Schließlich ist er zu müde und zu schwer, um sich zu erheben und reicht nicht einmal mehr an die ersten dieser süßen, weichen Früchte heran.

Mit echter Wehmut in dem sonst so falschen Gesicht kaue ich heute auf harten Rüben und Kartoffeln herum.
Die wachsen schließlich tief am Boden.

1

Diesen Text mochten auch

4 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    hmmm... sehr ehrlich....
    macht mir angst...muss mal mit meinem besten freund reden :D:D:D:D

    toller vergleich.guter schluss.

    05.07.2008, 12:28 von pfuetzenhuepferin
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Was ist grün und läuft durch den Wald?


    Ein Rudel Gurken.


    Was ist unsichtbar und liegt in der Wüste?


    Ein gelber Bindfaden.


    Was ist schwarz und liegt in der Wüste?


    Der Schatten von dem gelben Bindfaden.



    Im Ernst, Phil: Gefällt mir mal wieder.

    27.06.2008, 20:45 von Joey_Potter
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Was ist rot und ca. 10cm lang?

    Ein Bindfaden mit Sonnenbrand.

    *schenkelklopf*

    23.06.2008, 22:52 von ChloroPhyl
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 50 Shades of Kale: Der Grünkohl-Trend

    Die Amerikaner haben den Grünkohl entdeckt. Wieso eigentlich? Und wo führt das hin? Antworten findet ihr im Blog.

  • Wie siehst du das, Fabian Weiss?

    Jeden Mittwoch interviewen wir NEON-Fotografen oder Illustratoren. Auf unsere 10 Fragen dürfen sie uns nur mit Bildern antworten.

  • Durchs Wochenende mi Onur

    Und, wie war dein Wochenende so? Jede Woche fotografiert ein NEON-Redakteur sein Wochenende mit dem Handy. Diesmal: Online-Redakteur Onur.

Neu: NEON für dein iPad!

Neueste Artikel-Kommentare