Femina 30.03.2012, 20:01 Uhr 0 1

Und plötzlich zogen Wolken auf

Als die Wolken vor die Sonne zogen, wie der Vorhang an ihrem Fenster, sagte er, dass es perfekt ist.

Mit Tee und Schokolade liegt sie allein in ihrem Bett. Den Sonnenschein durch die tiefdunklen Vorhänge verbannt, die kleine Tischleuchte spendet mit ihrem orangefarbenen Licht ein kleines bisschen Wärme. Tiefpunkt erreicht. Tee und Schokolade legt sie nun zur Seite, zieht sich zusammen, Knie an den Bauch, Hände zusammengefaltet unter den Kopf. Dort, die erste Träne gleitet über ihr zartes Gesicht, streift ihre dünnen Finger und fällt schließlich auf das rote Kissen unter ihrem Kopf. Einsam fühlt sie sich und verletzt. Sie denkt nach. Denkt nach über das, was sie die letzten Monate mit ihr geschehen ist.

Konstanz und Struktur ist das was sie brauchte. Morgens zur Arbeit, den frischgebrühten Kaffee hinuntergestürzt, die gleiche standardisierte stupide Arbeit getan. Im letzten Moment der Abendsonne nach Hause gekommen, haben sie sich getroffen. Er, groß, ehrliche blaue Augen, in die sie sich sofort verlor. Darin hat sie die Hoffnung gesehen. Ersehnte Zuwendung und Vertrautheit, Aufmerksamkeit und Respekt, wie sie es sich doch schon so lange erträumte, fand sind nun endlich. Sie war glücklich. Im selben Rhythmus schlief sie an seiner starken Schulter unter der fürsorglichen und schützenden Hand ein. In diesen Momenten war sie glücklich. So solle es bleiben, dachte sie und wachte am nächsten mit einem Lächeln auf den Lippen auf. Schon den ersten hellen Schein konnte sie genießen. Die öden Bürostunden waren mit dem Gedanken an die warmen und vertrauten Abendstunden nur noch halb so lang.

Sie beging einen Fehler. Einen, den sie sich geschworen hatte, nie wieder zu begehen. Für ihn, für das wohltuende, beruhigende, akzeptierte Gefühl, stellte sie alles hinten an. Freunde, Familie, Studium, Sport, alles, was ihr sonst die Lebensfreude gab, die sie ausmachte. Gefangen in den Schnüren der Aufmerksamkeit verlor sie sich und den Bezug zu ihrem eigenen Leben. Scharfe Warnungen, verzweifelte Rufe, sich nicht abhängig zu machen, ließ sie wie hohe Wellen an einem Fels, an sich abprallen. Scharfkantig konterte sie alle Versuche, die sie auf den Boden zurückholen sollten mit der Meinung, dass das richtig ist, dass er richtig ist, dass er es ist, der es ernst mit ihr meint und sie nicht verletzt, nicht ausnutzt, nicht hinhält.

Als alles vorbei war, es für sie kein Zurück mehr zu geben schien, die Wolken vor die Sonne zogen, wie der Vorhang an ihrem Fenster, sagte er, dass es perfekt ist. Vertrautheit, Wärme und Hoffnung, die sie die letzten Wochen so intensiv spürte, wie sie es sich nie erträumte, lagen so eng neben ihr, dass sie kaum wusste wie ihr geschah.

Er sagte, dass es perfekt ist, wie gut sie befreundet sind, wie großartig sie ist und wie froh er sei, dass alles so unkompliziert verlief. Ein Verhältnis ohne Kompromisse, so wie er es jetzt brauchte. Er wollte eben keine Beziehung haben. Sie nickte.

Als er weg war, registrierte sie was in der letzten, langen, friedlichen Nacht geschehen ist. Sie hatte sich verloren. Nun begann der schwere eiserne Weg zurück in ihr Leben. Doch der erste Schritt gelang ihr nicht. Sie hielt an der Freundschaft fest. Die Freundschaft die doch eigentlich gar keine war, oder doch?

Er wusste, es geht ihr schlecht, er wusste, sie steht vor einer Schranke auf ihrem weiteren Weg, den sie doch bislang so souverän meisterte. Dennoch meldete er sich nicht wieder bei ihr.

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