Senna_80 08.10.2006, 13:31 Uhr 0 2

Über die Freundschaft

Früher dachte ich, nur Beziehungen sind vergänglich, aber eine beste Freundschaft hält ewig...

Rauchend und kichernd saßen wir oft in der Küche – unser Lieblingsort in der WG, philosphierend über die Welt, über die Menschen, die uns begegnet sind, über süße Jungs, die wir irgendwo gesehen haben, über die Beziehungen von anderen und ob wir eine solche ebenfalls führen wollen würde oder nicht, wie wir unsere Kinder mal nennen wollen und wie wir uns unser Brautkleid vorstellen…Alles haben wir miteinander geteilt. Jeden Gedanken, jedes Erlebnis, …Fast 10 Jahren miteinander mitgelebt am Leben des anderen, zusammen viele Trennungen durchstanden, getröstet, wenn sich der aktuelle Typ nicht gemeldet hat, erster Ansprechpartner gewesen, wenn ein neuer Mann aufgetaucht ist. Meine beste Freundin und ich. Oder soll ich jetzt sagen: Meine Ex-beste Freundin und ich?
Wie oft denkt man sich: Beziehungen kommen und gehen. Die Liebe ist vergänglich…wer kann schon sagen, ob der neue Kerl der richtige ist. Sicher sein kann man nie. Aber die Freundschaft zwischen uns, die hält ewig! Hat schon so viele Streiterein überlebt, so viele Konflikte ausgehalten und hat doch innig zusammengeschweißt…“Wir werden mal gemeinsam mit dem Kinderwagen durch die Gegend spazieren…uns mal über neue Windelmarken unterhalten und Frauenabend machen, während die Männer beim Biertrinken sind“ haben wir uns immer gesagt, uns gefreut auf alles, was noch kommen mag, uns ausgemalt, wie wohl alles mal werden wird, wenn mal „älter wird“.
Ich werde die gemütlichen Nachmittage und Abende in der WG nie vergessen. Wie wir gekocht haben, herrlich viel gegessen, „weils ja egal ist“, jedes Schokoladenhäppchen zelebriert und unheimlich vertraut miteinander melancholieren konnten.
Ich vermisse diese Zeit, denn sie ist nicht mehr da. Plötzlich gibt es nur noch das erschreckende Gefühl des „auch Freundschaften sind wohl vergänglich“.
Den letzten Streit hat unsere Freundschaft nicht überlebt. Besser gesagt: einen Streit hatten wir ja eigentlich gar nicht. Nein, es war vielmehr das schleichende, unausweichliche Problem des klassischen „wir haben uns auseinandergelebt“, das auch langjährige Freundschaften befallen kann. Man konnte nicht mehr miteinander reden, weil man sich plötzlich nicht mehr „verstanden“ hat. Mein Leben ging weiter, sie blieb stehen. Während ich allmählich „erwachsen“ wurde, mein Leben plante, Zeit in mein Studium investierte, einen neuen Freund hatte, glücklich war, gab sie sich unaufhörlich weiter ihren Depressionen hin, die ichnun nicht mehr teilen wollte. Ich glaube, deshalb war unsere Freundschaft immer so stark gewesen: Weil wir gleich waren. Weil wir beide nicht so schöne Dinge in der Vergangenheit erlebt hat und man deshalb genau verstehen konnte, wie der andere sich fühlte, wenn wieder irgendwas war. Aber jetzt konnte ich nicht mehr für sie da sein und sie nicht mehr für mich. Ich konnte die negative Stimmung nicht mehr mit ihr teilen, sie nicht mein Glück mit mir. Die Vorwürfe des „Du verstehst mich nicht“ schossen wir uns hin und her zu wie mit einem Ball. Bis eine Mauer zwischen uns war. Irgendwie. Sie hat sich einfach aufgebaut, ohne dass wir es gemerkt hatten.
Seit Wochen haben wir nun keinen Kontakt, keiner meldet sich beim anderen und sie fehlt mir unwahrscheinlich…Immer wieder kommen in einem die Fragen hoch: War ich schuld? War sie schuld am Ende unserer Freundschaft? Aber mittlerweile weiß ich: Nein. Es war niemand schuld von uns. Es ist der Lauf der Dinge, der Lauf der Zeit. Menschen entwickeln sich, verändern sich. Manchmal kommt man mit Veränderungen des anderen klar, manchmal eben nicht. Manche Menschen begleiten uns nur einen Teil in unserem Leben. Manche ein paar Jahre, manche vielleicht nur ein paar Monate, manche vielleicht sogar für immer. Vielleicht reden wir einige Monate nicht mehr miteinander und dann, irgendwann ist wieder alles gut. Oder das war das Ende für immer. Eine Trennung tut immer weh, egal ob von einem Partner, den man geliebt hat oder von einem guten Freund. Aber wenn es nicht anders geht, ist es wohl manchmal besser, getrennte Wege zu gehen, bevor man anfängt, sich zu hassen.

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