This is not a love story...
...wir haben was Besseres.
Die Fahrt zu dir ist wie eine Reise in eine andere Welt. Ich verlasse das Chaos und finde mich in der Ordnung wieder. Bis der Zug einfährt, ist mein Leben laut, schrill, viel zu bunt... nicht weil ich das so möchte, sondern weil es sich so ergeben hat.
Während ich an Wohnhäusern, Gewerbegebieten, Umschlagbahnhöfen, vorbeirausche, weiß ich, dass du dort, wo du gerade bist, die Uhr nicht aus den Augen lässt. Gleich Feierabend, gleich Freunacht... für uns beide.
Mittlerweile reise ich mit kleinem Gepäck. Beim ersten Besuch hab ich meine Zahnbürste bei dir gelassen. Beim zweiten Shampoo, Haussschuhe und was zu lesen. Ich kann inzwischen deine Stereoanlage bedienen und weiß, wo du die Zwiebeln aufbewahrst. Deine kleine Wohnung wird mir von Mal zu Mal vertrauter. Und jedesmal, wenn ich bei dir war, bleibt ein bisschen von mir zurück. Nicht nur Gegenstände des täglichen Bedarfs... sondern ein Stückchen Herz und ein Stückchen Seele.
Du hast dein Bett frisch überzogen, welches wir schon längst "unser Bett" nennen. Du erzählst mir, dass du während meiner Abwesenheit die eine oder andere Nacht kurz neben dich getastet hast in der Hoffnung, ich würde dort liegen. Nein... dem war nicht so. Ich bin durchs Chaos getrudelt, welches sich mein Alltag nennt. Die letzten beiden Wochen waren besonders stressbeladen, aber davon will ich jetzt nichts wissen... nun bin ich hier, bei dir, in deiner morgensonnengelben Wohnung, wo ein Teddybär unter den Großaufnahmen deiner Maschine sitzt. Meine Briefe liegen auf dem großen Kissen neben dem Nachttisch. Den ersten hast du gerahmt und an deine Wand gehängt, gleich über die Bilder der Ausputttöpfe. Es duftet, und wir sitzen uns zum Essen gegenüber und können und nicht aneinander sattsehen.
Du legst deinen Kopf zur Seite, genießt, dass ich wieder bei dir bin. Irgendwie kannst du noch immer nicht wirklich glauben, dass ich Mal um Mal zurückkomme. Man sollte meinen, dass wir beide null zueinanderpassen. In deinen Augen bin ich die schönste Frau der Welt, und dir will nur so nach und nach in deinen kluges Köpfchen, dass ich genau jemanden will mit deiner ruhigen Stimme, deiner bedächtigen Art und deinem kleinen Bauchansatz. Und wenn ich ehrlich bin, staune ich darüber auch. Früher hätte ich Männer wie dich langweilig gefunden. Und jetzt finde ich es das Spannendste der Welt, dich immer besser kennenzulernen. Sie tut mir so gut, deine Ruhe... nichts brauche ich dringender als einen Menschen, der sich ohne mit der Wimper zu zucken an Geschwindigkeitsbegrenzungen hält. Du entschleunigst mich, bremst meinen freien Fall. Du bist mein Netz und mein doppelter Boden. In deiner Ruhe liegt meine Kraft. Und nein, das ist alles andere als langweilig. Je mehr mir davon zuteil wird, desto klarer wird mir, dass es genau DAS ist, was ich brauche. Action hab ich auch so schon genug. Gefehlt hat mir ein Himmelbett, in das ich mich zur Ruhe betten kann nach harten Tagen... nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Und nun, am ersten unserer beiden Morgen, bist du aufgestanden und hast Brötchen aufgebacken, den Tisch für uns gedeckt, meinen Höllen-Kaffee gebrüht, während du deinen mit viel Milch nimmst und dich entschuldigt, dass du gleich zur Arbeit musst. In deiner Wohnung gibt es keinen Fernseher und du hast Sorge, dass mir langweilig werden könnte. Dabei ist diese Gefahr so denkbar gering... ich werde unser Bett und den Abwasch machen, uns einen Salat zubereiten, der schön durchgezogen sein wird, wenn du von der Schicht kommst, und das alles in wunderbarer Ruhe, ohne einen Hauch von Stress. Sonst, zu Hause, leben meinen Nerven von der Hand in den Mund. Hier bei dir ist alles so wunderbar anders, und nichts wäre mir lieber, als wenn dies auch so bliebe, sei es auch nur für eine Weile.
Nein, das ist keine Liebesgeschichte. Wir beide scheuen uns, dieses Wort auch nur in den Mund zu nehmen. Das tut auch gar nicht not, es ist nur ein Wort. Aber dieses erhabene Gefühl, was damit in 5 Buchstaben gepresst werden soll, fühlt man oder man fühlt es nicht, und fertig. Auf keinem Fall aber haben wir eine herkömmliche Beziehung mit Bausparvertrag, Einbauschränken und Speiseplan. Will ich auch nicht. Ich will genau das, was wir teilen: eine wunderbare Freundschaft plus, die von Ottonormal und Annanormal gemeinhin als Affäre oder Sexnummer abgetan wird. Und warum? Weil Ottonormal und Annanormal keine Ahnung haben, wie fein es ist.
Für mich geht da nix drüber. Was soll schon schöner sein als eine tiefe echte Freundschaft inclusive des totalen Rrrrrrrrrrrrrrrrrr-Gefühls? Du hast dir das nicht vorstellen können. Ich ja, denn ich kannte es schon, aber nicht so formvollendet, wie mit dir. Du gräbst deinen Mister Vordir's kontinuierlich das Wasser ab, ohne es darauf angelegt zu haben. Und auch sie würden sich sehr darüber wundern, denn du bist so anders als ihresgleichen... du sammelst ja Teddybären, schaust gern Till-Schweiger-Filme und wenn du etwas möchtest, dann drängst du das niemandem auf, sondern fragst höflich. Ja... wie langweilig ist das denn?
Es ist null langweilig! Null!!! Im Grunde sind die meisten eh nur nicht langweilig, weil sie nerven. Du nervst nicht, und dennoch bist du mehr Mann als alle Mister Vordir's, die sich mir gegenüber je als Ritter aufgespielt haben. Und zwar darum, weil du dein Ding durchziehst, so wie es ist, ohne Rücksicht auf Ansehensverluste. Aus deinem Balkonfenster guckt halt ne Diddlmaus, zwischen deinen Motorradfilmen steht "Kokowääh" und es ist dir ein tiefes Bedürfnis, mir jedes zweite Wochenende Obst in mundgerechte Häppchen zu schneiden. Was immer du tust, du willst das so haben. Deine Eier hätten die gern!!!
Was zum Geier sollte ich mehr bestaunen?
Früher war nur Stress: ich, du. er, sie, es... und nu?
Du!
Tags: Friends with benefiz





Kommentare
weils immer viel leichter ist einen Text schlecht zu reden, hier ein positiver Kommentar:
Ich finde deine Einstellung super und habe Hochachtung davor, dass du es mit Teddybären und Diddle aushälst! ;D
26.09.2012, 10:31 von madamecherrybombAuch beim erneuten Lesen bestätigt sich für mich, der Text ist ein klassischer Tagebucheintrag..
26.09.2012, 00:02 von chrisbowTagebucheinträge als Reflektionen über die eigene momentane Situation können gern als "Problemverarbeitung" gelesen werden, und somit ergäbe sich eine Deutung der eben angesprochenen Dinge, die als Antwort auf folgende Fragen dienen:
- Kann ein gleichförmiges Leben spannend sein?
- daran anschließend - kann es das für mein sonst nicht gleichförmiges Leben sein?
- Kann ich den Menschen so nehmen, wie er ist? Und nicht etwa so, wie der Typ in meiner Vorstellung sein sollte?
- Was ist das mit uns beiden?
Nun die ersten drei Punkte scheinen, so wie es bei Tagebucheinträgen üblich ist, irgendwie in einer Form von Erkenntnis zu münden, ein AHA-Effekt für die Protagonistin, es ist neu, aufregend, anders als das bisher gewohnte - und das findet sie eben besser.
Dieser Erkenntnis steht jedoch das eigentliche Problem gegenüber "Der Sache einen Namen geben", deshalb auch die Überschrift. Mit alten Namen, wie "Liebe" scheinen sich auch altbackene Vorstellungen zu verbinden (wie etwa der Bausparvertrag). Weshalb dann ein modernerer Begriff geprägt wird a la "Friends-Plus" - doch auch der ist gesellschaftlich konotiert - insgesamt scheint das Bedürfnis da zu sein, der Sache einen Namen geben zu wollen um damit zu klären, was das ist und darin liegt auch der interessante Aspekt, der auch hier zu intuitiven Vermutungen führt.
Momentan ist es "besser", eben besser als das Vertraute, doch dieses Besser ist namentlich unbestimmt. Die Frage ist, was ist, wenn es einen Namen hat? Und ob das "besser" darin liegt, dass es wirklich besser ist, oder einfach nur, weil es anders ist? Oder vielleicht auch nur das, was die Protagonistin gerade braucht?
Anscheinend hat sie bisher immer nach einem Rebellen gesucht und sich nun für den Nicht-Rebellen entschieden um sich von der Rebellion eine Auszeit zu nehmen - nun, oft ist es ja genau der umgekehrte Fall, dass sich Menschen mit Bausparverträge einen kleine Rebellion gönnen.
Die Frage, die offen bleibt ist eine letzte, was ist, wenn es genug mit der Auszeit ist? Genug mit dem "anderen" Leben, das so ungewohnt ist und eigentlich gar nicht zu einem passt, passt man sich an? Oder geht man zurück in das Leben, das einem vertraut ist? Die Antwort hängt von der oben schon genannten Frage ab, welche die Protagonistin beschäftigt: Was ist das eigentlich? Und welchen Namen gebe ich ihm? Friends with Benefitz? Man wir es sehen...
PS: Ich weiß, Motoradfahrer sind allgemeinhin als "Rebellen" gelabelt, was meiner Argumentation als Inkonsistenz unterstellt werden könnte - aber ich meine nicht diese Rebellion (längst fahren konservativste Kreise Motorrad), sondern die Rebellion in der Lebensführung.
Es gibt auch unheimlich viele extremnormalo Motorradfahrer ...
26.09.2012, 10:06 von B.tinaMich stören nicht die Diddlmäuse, die Teddys oder Maschinen.
25.09.2012, 10:34 von coronariaObwohl ich die vielen Liebesgeschichten hier nicht immer mag, stört mich, dass dies keine Liebesgeschichte ist.
So ist es zu einfach.
...für die eine Seite.
25.09.2012, 10:35 von coronariaAch, "Liebesgeschichte" ist doch auch nur ein Etikett. Und da dieses Etikett schon etwas abgeknippelt ist, wird es hier nicht verwendet.
25.09.2012, 10:45 von TaneaIch denke, dass die Autorin schon eine Liebesgeschichte schreibt, oder zumindest hofft, dass sie zu einer wird.
Er würde das wollen. Sie wählt den einfachen Weg. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ohne Verletzungen ausgeht.
25.09.2012, 10:55 von coronaria
Aus der Headline geht ja schon hervor, dass es keine Liebesgeschichte ist ...
Fühlt sie es nun, oder nicht? Das lässt sie doch offen.
Mich hat das mit dem Vergleich mit den "Normalen" auch gestört. Sie will halt was "Besonderes" sein, ne "besondere Beziehung" führen.
Ich denke, sie macht sich da etwas vor. Vielleicht ändert sie ihre Sicht ja noch.
Wenn man denkt, dass Bausparvertrag, Einbauschränke und Speiseplan ne Beziehung ausmachen, dann muß man davor ja Schiß haben.
25.09.2012, 11:05 von Tanea
Ich finde es spannend, was da so alles hineininterpretiert wird. Er würde es wollen... was würde er denn wollen? Dass wir "Fernbeziehung" dranschreiben statt Freundschaft plus? Welchen Unterschied würde das für eine/n von uns machen? Wir sind uns treu und haben uns lieb. Ist das nicht schnurzpiepe, was da draußen auf dem Karton steht?
25.09.2012, 15:53 von LillyIdolNein, er will nicht mehr. Noch nicht. Wir wollen uns erstmal in Ruhe besser kennenlernen. Vielleicht wollen wir ja später mal mehr, aber dafür ist es noch viel zu früh. Von einer Beziehung spreche ich sowieso erst, wenn ich den Mann meinen Kindern vorstellen möchte. Das ist mir jetzt aber noch nicht geheuer, denn es ist gerade mal 6 Monate her, dass ich die vorangegangene Beziehung ausbuchen musste. Und dann gleich ein neuer Mann? Das würde ja wohl ein bisschen fix gehen!
Auf jedem Fall staune ich, wie mein Text hier die Fantasie anregt. Ist schon niedlich... danke!
Ach ja, und an Tanea: Bausparvertrag, Einbauschränke und Speiseplan... ich hab mir schon gedacht, dass das eigentlich nicht Sinn und Zweck einer guten schönen Beziehung sein kann. Darum hab ich mich ja scheiden lassen. Und ich sag dir, wenn ich mich im Kollegenkreis so volldudeln lasse, dass viele so leben und den Sinn und Zweck nur noch daran festmachen. Und nein, das will ich wirklich nicht nochmal wieder. Dann lieber gar nix oder halt gaaaaaanz was anderes. Und ich will auch nix besseres sein. Von mir aus kann jeder nach seiner Facon selig werden... aber darum muss ich so manches Mätzchen ja noch lange nicht mitmachen.
Das ist Neon. Hier bekommst Du eine psychotherapeutische Diagnose ob Du willst oder nicht ...
25.09.2012, 16:07 von B.tinaDas macht nichts. Der Sophismus beherrscht nun mal die Welt, und ich finde es wie gesagt sehr spannend und auch nicht wenig spaßig. :-)
25.09.2012, 16:08 von LillyIdol@lilly
nun, willst du dieses Bessere nicht mit den negativ verbundenen Begriffen entwerten. Das ist doch legitim. Ich denke, das machen ganz viele andere Leute auch so.na, so weit auseinander sind wir doch gar nicht.
Mit "etwas besonderes sein, bezog ich mich auf die Überschrift und den Vergleich mit Ottonormal.
Ok, im Kommentar machst du nun auch deutlich, dass es nicht um BSV, EBS und SP geht in einer Beziehung. Also ist diese "Freundschaft Plus" Ding, was du nun lebst doch näher dran an einer Beziehung, als das andere?
Vielleicht geht es auch darum: Du hast mit den Begriffen "Beziehung, Liebe, Ehe" schlechte Erfahrungen gemacht. Nun habt ihr
Ach, mir macht das psychologisieren hier eben auch Spaß, deshalb bin ich u.a. hier.
Mußt meine Aussagen ja nicht ernster nehmen, als unbedingt nötig. Aber so wie ich das rauslese, machst du das eh nicht :-)
26.09.2012, 09:39 von Tanea
du hast geschrieben, was dir im kopf rumgeht. in deinen worten...find ich gut :) ich mag diese hochgestochenen - was benutz ich jetz für ein wort um das und das auszudrücken - texte nicht. einfach lesen und wohl fühlen. so kann man sich gut hineinversetzen und muss nicht erst überlegen "was meint se denn jetz damit?"... gut gemacht. i mogs ;)
25.09.2012, 09:17 von lil_annFür mich zu viel, zu lang und ein paar unnnötige Wiederholungen drin.
25.09.2012, 08:20 von TaneaEs bleibt ein klebriges Gefühl zurück.
Großaufnahmen deiner Maschine. Also wirklich.
24.09.2012, 21:36 von kirschgruenMaschine: 600er Yamaha. Schwarz.
24.09.2012, 21:52 von LillyIdolJa, schon klar ;)
24.09.2012, 21:55 von kirschgruenMein erster Froint fuhr übrigens auch eine Yamaha. Eine XT500. Leider musste ich ihn verlassen, denn es zog mich aus der Kleinstadt raus und er wollte bleiben.
Hatte ich gar nicht kapiert, dachte, das sei ein Insider ...
24.09.2012, 21:50 von B.tinaJa, aber vermutlich andere ... Und ein ein Apostroph muss da auch nicht dran, oder? Ist doch schnöder Plural.
24.09.2012, 22:56 von B.tinaEs muss nicht mal ein S dran, aber das nur nebenbei (Der Plural von Mister bleibt Mister)
26.09.2012, 00:10 von chrisbowIch hab den Begriff sogar gegoogelt und erst dabei fiel mir auf, was der eigentlich meint...
PS: Ach so, bevor es Klagen gibt, entscheidend ist bei der Pluralisierung nicht die Bezeichnung sondern der Begriff Mister:
26.09.2012, 00:14 von chrisbowBeispiel
Herr Mauermann bitte zur Kasse 7.
Alle Herren Mauermann bitte zur Kasse 7.
Bei Mister Vordir musste ich erst an Darth Vader denken
24.09.2012, 20:27 von EliasRafaelUnd ich bei Diddl Maus ans Kotzen
04.10.2012, 22:15 von SambreIch freu mich für Dich, aber Teddybären sind schon schwierig ...
24.09.2012, 18:32 von B.tinaDachte ich auch. Ich würde keinem geglaubt haben, dass ich sowas mal spannend finden würde.
24.09.2012, 19:11 von LillyIdolAndererseits: ich will ja so genommen werden, wie ich bin. Genau SO und ohne wenn und aber.
Wie soll das gehen, wenn ich das anderen nicht auch zugestehe, egal, welche Macke sie haben? Sowas kommt doch schließlich von sowas!
Ja, Du hast ja total recht ...
24.09.2012, 19:15 von B.tinaIch find die Diddlmaus 'n bischen ekelig.
25.09.2012, 10:29 von sailorAber sonst geht's wohl...