comealittlebitcloser 16.05.2007, 20:16 Uhr 1 1

Theresa

Miteinander verändern wir uns nicht, auch wenn wir beide langsam erwachsen werden.

Heute war wieder so ein Tag. Viel geplant, ausgeplant und dann krank.
Na toll. Jetzt gehen alle ohne mich feiern und ich sitz zuhause und trink Tee.
Aber auf eine, wichtige Freundin kann ich mich immer verlassen. Theresa.

Seit Jahren kenn ich sie nun schon. Unsere Eltern sind befreundet. Im Urlaub werden gegenseitig Blumen gegossen und Haustiere versorgt. Schließlich sind wir Nachbarn. Durch Zufall tragen wir sogar den gleichen Nachnamen.

Heute kamst du wieder zu mir. Wolltest meinen, mittlerweile kann man fast "unseren" sagen, Hund ausführen. Wenn eine Person diesen kleinen schwarzen Wollknäuel genauso liebt wie ich, dann ist das wohl Theresa. Es kann noch so regnen, sie kommt. Oder ich hole sie ab.

Daraus besteht der Großteil unserer Freundschaft. Von meinem Leben weis sie eigentlich kaum etwas. Ich erzähle nicht viel, ich höre lieber zu. Andere Freunde, die mir wichtig sind, kennt sie kaum, das muss sie auch gar nicht.
Trotzdem, als sie meine beste Freundin kennen lernte und mir am Tag darauf begeistert bescheinigte wie nett sie wäre, war ich beruhigt. Denn diese Freundin ist auch eine der wenigen Personen, auf die ich mich immer verlassen kann. bei der ich mir ebenfalls sicher bin in 10 Jahren noch mit ihr befreundet zu sein.
Doch das Wichtigste mit Theresa ist: mit ihr kann ich Kind sein. Sie ist die lebende Erinnerung an meine Kindheit.

Zusammen rennen wir über die Wiese und lassen einen Drachen steigen. Zusammen gehen wir im Winter, abends wenn der berg leer ist, Schlittenfahren.
Fragt man mich nach den glücklichsten Momenten in meinem jungen Leben, wären solche in der obersten Reihe dabei.

Als sie heute gehört hast, ich sei krank, hat sie, wie immer, sofort einen besorgten Gesichtsausdruck bekommen, ist in mein Zimmer gekommen und hat mir versichert sie könne sich um meinen Hund kümmern und mit ihm raus gehen.
So schlecht ging es mir nicht, ich lief mit ihr zusammen durch den Wald. Wie fast jeden Tag.

Wenn es regnet ist es besonders schön. Dann ist der Wald leer. Wir rennen mit Lucky um die Wette, sie erzählt mir ihre neuesten Jungsprobleme und wir lachen über unsere nassen Klamotten, die meinem Schnupfen alles andere als gut tun.

Am Abend steht sie wieder vor meiner Tür, meine Eltern sind weggefahren, das hat sie gesehen, und lächelt. Ich hätte doch sicher Langeweile und bräuchte jemanden zum Teekochen.
Ich lache und schlüpfe wieder unter meine Bettdecke. Sie kennt sich schließlich aus. Ich brauche ihr nichts zeigen. Ich muss auch nicht tun als ginge es mir gut. Ich darf krank sein, sie ist ja da.

Genau wie in der Zeit als meine Mutter im Krankenhaus war. Ich erinnere mich noch gut, wie enttäuscht ich damals war, denn ich hatte in der Woche Geburtstag.
Jeden Tag bin ich mit meinem Papa mit dem Rad zum Krankenhaus gefahren. Meiner Mutter ging es schlecht also hatte sie Vorrang.
Theresa war immer da. Sie versorgte den Hund. Brachte mir an meinem Geburtstag einen Kuchen, den wir zu backen in der ganzen Aufregung vergessen hatten.

Obwohl sie nur eine klitzekleine Seite von mir kennt, das Kind in mir, ist sie eine der besten Freundinnen in meinem Leben.
Ich kann mich immer auf sie verlassen. Ich weiß genau, wenn wir uns im Sommer 3 Wochen nicht sehen wird danach alles sein wie vorher.
Miteinander verändern wir uns nicht, auch wenn wir beide langsam erwachsen werden.

Wir werden sicher auch in 10 Jahren noch durch den regennassen Wald rennen und uns daran freuen. Es ist schön, das zu wissen.

Andere Freunde kommen und gehen, Theresa bleibt.

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Kommentare

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  • 0

    schön geschrieben!
    und eine bewundernswerte freundschaft dazu!

    liebe grüße eve

    09.07.2007, 23:36 von eve-abby
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