FrankFrangible 30.11.-0001, 00:00 Uhr 8 9

Susi Sorglos und Levi der Löwe

eine Freundschaft, besonders an Halloween


 

Es war einmal die Susi, die hieß mit Familiennamen Sorglos und lebte am Rande einer größeren Stadt. Sie lebte auch am Rande der Gesellschaft, den ihr Vater war Tagelöhner und ihre Mutter alkoholabhängig.

Nun es begab sich, dass die Susi anstatt in die Schule sich in den nahen Wald begab. Der Vater, der sie zur Schule bringen sollte, ward auf dem Wege Skatfreunden begegnet und ihre Mutter schlief einen tiefen Pfefferminzschnapsschlaf zwischen Staubmäusen, hinter dem Sofa.

Susi war glücklich, niemand der sie grob hinter sich herzog oder in den nahen Supermarkt zum Sprit holen entsandt. Kein Lehrer der sie ob ihrer Lese-, Rechtschreib-, und Rechenschwäche vor der ganzen Klasse bloßstellen konnte und keine Schüler die sich über ihre abgetragenen Klamotten aus dem Kleidercontainer lustig machten.

Sie war umso glücklicher weil ihre rotköpfigen Freunde sie begleiteten. Sie würde heute ein Fest feiern. Sie würde ihre Begleiter aus der Hosentasche holen, aus dem Schächtelchen befreiten und jedes einzelne an der schwarzen rauen Seite des Schächtelchen entzünden. Der Wald würde brennen und auch den Vorort in Schutt und Asche legen und sie von gewissen bedrückenden Personen befreien.

Das Erste erlosch sofort an einem Windhauch. Mit dem Zweiten sah sie besser, verbrannte sich aber Daumen und Zeigefinger.

„He! Was machst du da? Mit Feuer spielen das ist total gefährlich!“

Sie erschrak, hatte der Jäger sie auf frischer Tat ertappt? Nein, es war ein Löwe. Da ein sprechender Löwe in allen Kinderbüchern ein Freund der Kinder ist, war Susi gar nicht von seinem löwenhaften Aussehen geängstigt, es war viel mehr, dass der arme Kerl so dünn war, das ihm jeder Rippenbogen durchs Fell drückte.

„Du siehst aber Scheiße aus.“

„Ich hab auch seit einer Woche nichts mehr richtiges gegessen, hier gibt’s nur Beeren, Pilze und leergefressene Mc Donalds- Tüten.“

„Ich schmecke auch nach leergefressenen Mc Donalds -Tüten, sogar nach vollgekotzten Mc Donalds – Tüten.“ Versuchte Susi, sich ihrer Haut zu erwehren.

„Ich fress doch keine Menschen, ich hab mein Leben lang nur Gemüse gefuttert und Haferbrei und Spinat.“  

„Igitt! Da würde ich ja lieber kleine Kinder fressen als so Zeug, Würg!“ Erklärte das Mädchen, das Zuhause nur Fertiggerichte aus der Dose, aus Schachteln und Chicken Wings bekam.

 „Du Löwe, wie heißt du eigentlich?“

 „Ich bin der Levi.“

 „Hallo Levi ich bin die Susi. Levi klingt wie nach Jeans?“

 Der Löwe erklärte: „Der Erfinder der Jeans hieß Levi. Bei mir ist das aber eine Abkürzung, richtig heiße ich Leviathan.“

„Leviathan ist ja noch ein komischerer Name als Levi?“

„Das soll den Leuten Angst machen, Leviathan ist so ein vorchristlicher Monstername.“

„Hört sich aber wie Lebertran an. Levi find ich besser.“

„Ja find ich auch.“ Bestätigte der Löwe und wieder knurrte sein schmerzender Magen.

Doch da kam dem Kind eine wunderbare Idee, die ihnen beiden weiterhelfen würde:

„Moment lieber Löwe, ich geh mal los und hol dir was.“

„Ich warte solange hier, ich bin viel zu schwach um noch irgendwo hin zu laufen.“



So wartete der Löwe eine Stunde. Ungefähr zur großen Pause an Susis Grundschule, kam Susi in Begleitung eines gleichaltrigen Jungen.

„Endlich!“ stöhnte der Löwe „Habt ihr was zu fressen mitgebracht?“

„Ja“ sagte das Mädchen „das ist Uwe“

Der Löwe schaute müde zum Jungen hoch „Schön dich kennenzulernen Uwe, aber wo ist das Futter? Ich bin so weit, ich würde sogar ein Salamibrot essen.“

Fröhlich verkündete Susi „Das ist dein Futter – Uwe.“

„Was?“ riefen da entsetzt der Löwe und der Junge.

Der Löwe verstört: „Mensch Susi, ich fress doch keinen Jungen.“

Der Junge begann zu heulen: „Ich hab in meinem Schulranzen ein Salamibrot, ich renn ganz schnell und hol es dir.“

Das Mädchen war empört: „Löwe! Bist du eine Maus oder ein Löwe? Sogar eine Maus würde einen Jungen anknabbern, wenn sie so ausgehungert wie du wär.“

„Was hast du gegen den Jungen, der ist doch nett?“

„Der ist doof, der will nicht mit mir spielen.“

Uwe heulend: „Aber du machst immer so gemeine Spie…“

Weiter kam er nicht, da hatte ihm die Susi einen Stein auf den Kopf gehauen.

Der Löwe entsetzt: „Spinnst du? Hol schnell einen Notarzt!“

Susi wütend: „Muss ich ihn auch noch in Häppchen schneiden?“

Dem Löwen blieb keine Wahl, entweder er würde hier neben Uwe verhungern oder … und er witterte das Blut, das aus dem Kopf des Jungen rann, und es roch wie Bratensoße für einen fleischfressenden Menschen, lecker!

 


Ein bisschen Uwe kotzte der Löwe wieder aus, so überfressen war er und so satt wie seit Jahren nicht mehr.

Die Kleine lobte ihren neuen Freund: „Das hast du fein gemacht. War doch gar nicht so schwer und ich verspreche dir, es gibt noch ganz viele so Leckereien.“

 


Der Löwe kam zu Kräften, er gedieh, bekam sogar ein Bäuchlein und seine Technik im Schnappen, Reißen, Zerreißen, Zerfetzen wurde immer ausgefeilter, bald war er bekannt im ganzen Land.

 


Susi besorgt: „Du Levi, heute werden ganz viele Polizisten und Jäger den Wald durchsuchen, ich hab Angst um dich.“

„Als Fleischfresser hat man es heutzutage nicht einfach.“ Beklagte das haarige Tier.

„Du kannst ja eine Weile zu mir kommen.“

„Erlauben das deine Eltern.“

„Ja, die sind total tierlieb.“

„Und wenn es doch Stress gibt?“

„Dann frisst du die einfach auf.“

„Aber das sind deine Eltern, die gehören ja quasi zur Familie?“

Sie zwinkert ihm zu: „Das ist schon okay, da können wir mal eine Ausnahme machen.“

Weil gerade Halloween war, konnte der Löwe ungehindert mit Susi, zu Susis Wohnung spazieren, er musste nur aufrecht laufen, für einen ehemaligen Zirkuslöwen kein Problem.

Susi klingelte Zuhause, ihr Vater öffnete: „Jetzt wird´s aber Zeit, Frohlein, ab, Marsch ins Bettchen!“

 „Aber Papa, heute ist doch Halloween und ich habe einen Freund mitgebracht, das ist Levi.“

„Halloween, so ein moderner Scheißdreck! Keine Widerrede, rein da, und dein Freund bleibt draußen!“ Der Vater stutzte: „Dein Freund? Sie sind ja so groß wie ich? Wie alt sind Sie überhaupt?“

Susi versuchte zu beschwichtigen: „Er ist auch zehn Jahre alt, halt ein bisschen großgewachsen.“

„Halt´s Maul dich hab ich nicht gefragt! Also, was ist Sache? Du kranker Arsch du!“ Der Vater stutze erneut: „Levi? Hat meine Tochter gerade gesagt Sie heißen Levi? Also ich hab ja nichts gegen Juden und so, aber mir kommt kein Jude ins Haus. „Vater Sorglos begann sich die Ärmel hochzukrempeln: „Noch´n Grund dich bis vor´s Haus zu prügeln.“

Da konnte der Löwe nicht an sich halten und musste Herrn Sorglos mit scharfen Klauen zurechtstutzen.

Aufgewacht, durch den Lärm, kam Frau Sorglos angeschlurft: „Was´n hier los?“ Sah den zerfetzten Ehegatten: „Ach, hatte ich ganz vergessen, ist ja Halloween.“ Schlurfte zurück ins Wohnzimmer, kam mit einer Schachtel Weinbrandbohnen zurück, hielt sie der Raubkatze entgegen: „Hier bedien dich so viel du willst und du, Susi, machst die Sauerei weg, was soll dein Vater denken.“

Tochter zeigte auf die Überreste des Vaters: „Mamma, das ist Papa.“

Die Mutter ward verwundert: „Und ich dachte dein Vater hält nichts von diesem Ami-Zeug? Aber zuerst Viagra, dann AfD und jetzt dieses Halloween, dein Vater muss auch jeden Unfug mitmachen.“ Betrachtete den Rest Gatten: „Hat er aber schön hinbekommen, (staunte) Nee, Nee, was man heutzutage für Masken und Verkleidungen machen kann. Susi gehst du noch kurz für mich rüber in Supermarkt?“ Mehr Phrase als Frage. Sprach zum Fleischhaufen: „Gib mal deiner Tochter ´n paar Groschen.“ Wartete vergeblich, wurde zickig: „Kommste mir wieder mit der Tour – Schweigen. (verächtlich) Pha, du bist so ´ne Lusche!“ Zog einen blutverschmierten Geldbeutel aus dem Häufchen Siegfried Sorglos, kramte ein paar Münzen heraus, gab sie der Tochter: „Für drei Halbe und einen Flachen reicht´s, jetzt aber los.“

Tochter Sorglos zeigte auf die Mutter sprach aber zum Löwen (eingespieltes Team): „Jetzt aber los.“ Der Löwe formte und drapierte ein zweites Häufchen, diesmal Sieglinde Sorglos, in den Flur.

Und wenn sie nicht gestorben sind, lebt Susi und Levi noch heute glücklich in einem Vorort von … und was lernen wir aus dieser Geschicht: Wo Sorglos steht, da klingele nicht!    





Tags: Hallo Wien
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8 Antworten

Kommentare

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  • 0

    wiener blut. wer kennts?

    04.11.2015, 21:02 von libido
  • 1

    ...und was lerne ich aus der Geschicht: ich bestelle demnächst, einen neuen Freund mit Löwen Gesicht!

    01.11.2015, 10:45 von MrsMaple
    • 1

      Vorsicht, nicht dass er dich zum Fressen gern hat.

      02.11.2015, 20:49 von FrankFrangible
    • 0

      Ich hole mir so einen mit Moral und Werten, und wenn er mich dann frisst, dann hab ich es verdient ;) 

      Aber bloß ohne gesellschaftliche Normen, weil dann hab ich verloren.

      07.11.2015, 19:53 von MrsMaple
    • 0

      Aber? Moral und Werte sind doch gesellschaftliche Normen?

      07.11.2015, 22:49 von FrankFrangible
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