MaasJan 30.11.-0001, 00:00 Uhr 66 26

Strandgut

Wasser muss sich bewegen und wir, wir sind wie Wasser, haben uns bewegt.

Ich betrete den Steg vor meinem Haus und spüre das sonnenwarme Holz unter den Füßen. Glatt und ausgeblichen,  jeder Schritt eine kleine Wohltat. Es beflügelt ein wenig auf dem kurzen Weg zu meiner Schaluppe, die gut vertäut auf der Sommerrodelbahn dümpelt. Die Sonne blitzt und bricht sich in der Bahn. Eingestiegen und den Hebel gelöst, der Ritt die Düne hinab in das Tal vom Strand ist wild. Viele Kurven, das hohe Gras peitscht hin und wieder die Arme und die Spreu spritzt ungestüm ins Gesicht. Histamine und Endorphine, ich kann mich gar nicht entscheiden, wem ich den Vorrang einräumen soll. Da niest man schnell einen Schwall gute Gefühle aus und behält ein reizendes Kribbeln in der Magengrube, das gilt es zu verhindern.

Unten angekommen spült die Rodelbahn ihren Passagier auf diesen Strand. Flach und vom Meer gesäumt. Menschenleer, aber angefüllt mit schönen Dingen. Wühlend wellt sich das Wasser und die Brandung läuft in einem entspannten Rhythmus den Strand hinauf. Der Sand zwischen meinen Zehen quillt fein und reibt ein etwas Ballast ab. Wenige Schritte führen auf das flache Parkett aus nassen Körnern, glänzend und glatt. Jeder Schritt federt unmerklich und lässt den Sand erbleichen. Pirouetten drehe ich gen Wasser, den Kopf im Nacken, durch die geschlossenen Augen wandert der Blick Richtung Himmel. In all dem Meer aus tiefem Blau und dem Packeis aus Wolken treibst du, lachst hinab. Seh ich’s nicht, so kann ich’s doch spüren. Wasser umspült schon die Knöchel, mit einem Klatschen lasse ich mich auf den Rücken fallen. Das Meer trägt mich und hält mich doch fest, lässt mich als Treibgut gen Strand schwemmen und zieht doch in seine Mitte.

Wasser muss sich bewegen und wir, wir sind wie Wasser, haben uns bewegt. Gerührt, geweint, dass die Meere versalzten. Süße Momente. Zusammen Lachen ist eine einfache Sache, wenn man bedenkt, wie selten gemeinsames Weinen ist. Wellen schlagend durch Täler mäandern, das macht es aus. Den Strand okkupieren und wieder freigeben, damit verstreichen wir die Zeit. Lassen den Wind Wind sein und halten das Gesicht hinein, vielleicht reißt er ja Fetzen von uns fort und hängt sie an einen Busch auf den Dünen. Ich bin alleine an diesem Strand und doch bist du nah. Das Meer ebbt ab und ich werde Strandgut. Angespült und nie wirklich weg gewesen. Irgendwann bricht auch die Sonne ihre Zelte ab, sinkt tief und tiefer in meinen Horizont. Der Sand bleibt angenehm warm. So ungreifbar die Wärme auch ist, spüren kann ich sie. Das mit dem Festhalten gestaltet sich schwieriger, aber ich mag auch nicht an Dingen hängen. Eher an Gefühlen und der Stimmung die uns innewohnt, zu dieser und zu jener Zeit. Gilt für Wellen und Erlebnisse, nicht für Personen. Immer ist es die Sehnsucht nach einem Moment, die mich umtreibt, trotz der Gewissheit, im Leben nicht die Strömungen und Fluten zähmen, geschweige denn wiederholen zu können. Wir vermissen im Grunde nie die Menschen, nur ihre Gefühle.

Ich setze mich auf und vergrabe meine Füße darin. Bald schon kehre ich dem Strand den Rücken, lasse das Meer links und den Sand rechts liegen. Setze mich in meine Nusschale und ein Segel, kreuze die Dünen hinauf. Anlegen an deinem Steg ist eine Kunst und mitunter knifflig. Stündest du nicht nach dem Tau schnappend da, ich würde mutmaßlich kentern, zerschellen oder auf der anderen Seite ins Hinterland segeln. War die Abfahrt auf der Bahn noch ein Schussfahrt mit Gefühlsverwirrung, Heimkehren lässt die Wärme vom Strand durch den Körper fluten. Vertäut schaukelt mein Bötchen, wartend auf den nächsten Einsatz. Du lachst mich an, wo ich gewesen sei. Eine handvoll Sand aus meiner Hosentasche rieselt auf deine Füße und jedes Körnchen bringt dich ein Stück näher. Hab ich dich noch in den Wolken gesucht, jetzt bist du nah, warst es auch am Strand. Wir brauchen keine Worte, Wesentliches ergibt sich. Der Sand gibt der Liebe Halt und morgen, morgen ist auch noch ein Tag.

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66 Antworten

Kommentare

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    Tut gut.

    07.02.2014, 12:00 von ga
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    Sind die kleinen Fehlerleins absichtlicht eingestreuselt?....

    Der Text macht mich nachdenken.

    07.02.2014, 10:41 von Tanea
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  • 4

    Jeder Tag, an dem ich die Startseite aufmache und dein liebliches Gesicht von oben auf uns herableuchtet, ist ein guter Tag und lässt mich die Existenz ER's vergessen.

    07.02.2014, 10:02 von quatzat
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      Wenn dieser Rausch vorüber ist, wird der Kater fürchterlich sein.

      07.02.2014, 12:14 von EliasRafael
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      Karlo, es gibt fressi!

      07.02.2014, 12:20 von quatzat
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      Bist du auch dem Nominierungswahn verfallen? Mach keinen Quatz...

      07.02.2014, 14:05 von EliasRafael
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      Prost.

      07.02.2014, 14:11 von EliasRafael
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    Alter, du bist voll der POet!

    06.02.2014, 21:02 von jebus
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    Hmm, weiß ich jetzt auch nich, nehm ich dir irgendwie nich ab. Einige Sätze kommen zu aufgebläht und nehmen anderen ihre Wirkung weg.

    Und bei Wasser und Bewegung und all sowas muss ich eh immer an nen mir bekannten Qigong-Trainer denken, der mit merkwürdigen Bewegungsabläufen "Sei wie das Wasser" vor sich hin brummt.

    Und der letzte Satz... der wirkt wirklich so, als würdest du ganz vieles aufziehen wollen. Dafür isses aber insgesamt zu inkonsequent.

    06.02.2014, 05:13 von nyx_nyx
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      Siehst Du jetzt überall Brötchen?! ;-)

      06.02.2014, 14:27 von miss_mel
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      Hahaha, der is gut!

      06.02.2014, 20:40 von miss_mel
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    Das ist doch von Vorne bis Hinten Ironie, richtig? Du nimmst dich doch damit selbst auf'e Schippe..


    Und die NEON-Redaktion ist drauf rein gefallen.

    05.02.2014, 21:05 von Tora
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      die sinn so bleeed!

      05.02.2014, 21:55 von nnoaa
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      oder nur rischdisch witzisch... wer weiß.

      05.02.2014, 21:56 von Tora
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      Dein "Herz" schockiert mich nun vollkommen. Wann verteilst du schon mal ein Mag-ich-Herz an 'nen Text???? ;)

      05.02.2014, 21:12 von Tora
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      stimmt, was ich vorns auch glei jemacht hab, wobei's mir aufgefallen ist. Komischerweise stehen da immer nur Bilder in deiner Mag-ich-Spalte, wenn ich vorbei schau.

      05.02.2014, 21:46 von Tora
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      nee, du, weil du nur Bilder "herzt". ;P

      05.02.2014, 21:49 von Tora
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      unnn red' dich nich' rausss!!!!

      (Unterkiefer-vorschieb-Zähne-zeig)

      05.02.2014, 21:52 von Tora
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