"So etwas geht nicht, ging nie und wird nie gehen"
Freundschaft? Oder mehr? Oder weniger?
"Nein, sowas geht nicht, das ging nie und wird nie gehen.", sprach Sebastian entschlossen in den Telefonhörer. Ob er selbst so überzeugt von dieser Aussage war, wie er sie rüber gebracht hatte wusste er selbst auch nicht. Das andere Ende entgegnete ihm nun nur mit Stille. Sie suchte wohl Worte. Oder verdaute gerade seine. Plötzlich ein tiefes einatmen. "Oh nein", ging es ihm durch den Kopf, " nun wird ein Wasserfall aus Worten auf mich einprasseln". Wie gut er sie doch kannte.
Sie hatte kein Verständniss für solch eine engstirnige Behauptung, wie er doch darauf käme und sowie so sei sowas ja auch nicht bewiesen und anscheind habe er es ja auch noch nicht probiert. Ein Versuch sei es doch wert.
Er merkte, wie sie mit sich kämpfen musste damit ihr nicht ein oder zwei Tränen über die Wangen kullerten. Ihm fiel es doch auch schwer.
Vor ein paar Monaten hatten sie sich kennengelernt. Sie verstanden sich gleich gut. Sie war allerdings nur zu besuch in der Stadt. Außerdem hatte er sich erst vor ein paar Wochen von seiner Freundin getrennt. Beide wussten worauf es hinaus laufen würde, wollten es aber nicht wahr haben. Sie kam öfter als sonst. Übernachtete bei ihm. Geküsst hatten sie sich nie. Sie genossen es nebeneinander einzuschlafen. Sich beieinander zuwissen. Beide wollten keine Fernbeziehung. Er war gerade erst Single geworden.
Ja, das redeten sie sich immer wieder ein. Aber in Wirklichkeit waren beide nur stumm geworden vor dieser Spannung die zwischen ihnen wuchs.
Sie sprachen von Bekanntschaft-doch meinten mehr.
Sie berührten sich freundschaftlich-doch dahinter steckte mehr.
Er stellte sie seinen Freunden vor. Sie stellte ihm ihren Freundinen vor.
Er war zum Abendessen bei ihrer Familie. Sie war zum Mittag bei seiner Familie.
Er schrieb ihr jeden Morgen eine Sms. Sie schreib ihm jeden Abend eine Sms.
-Rein freundschaftlich. Versteht sich.
Doch heute hatte er sich ans Herz gefasst. So konnte es nicht weitergehen. Mit ihr als guter Freundin war es klasse. Mit ihr als Freundin könnte es auch klasse werden. Aber sie wollten doch keine Fernbeziehung und er war frisch getrennt. Das redete er sich immer und immer wieder ein. Doch bei jedem Lächeln und jedem gesprochenem Wort verliebten sie sich etwas. Das musste nun ein Ende haben. Er würde dem ganzen ein Ende setzten.
Also griff er vor einer Stunde nach dem Telefon und wählte ihre Nummer. Sie bemerkte bei der Begrüßung schon dass etwas nicht stimmte. Sie ahnte es. Aber hoffte auf etwas anderes. "Du weißt genauso wie ich, dass das zwischen uns nichts werden kann unter diesen Umständen." Er nannte es nicht einmal beim Namen. "Das zwischen uns"-eine mögliche Beziehung war das! Doch sie wusste doch eh was er meinte.
Damit sie auch nicht Gefahr laufen würden sich noch stärker zuverlieben sollte man den Kontakt abbrechen, das hörte Sebastian sich selbst sagen und wunderte sich im selben Moment darüber.
Er hatte es immer mit ihr genossen.
Das Telefonat ging viel zu lange. Sie versuchte ihn umzustimmen. Sie wollte ja nicht, " dass das zwischen ihnen was wird", aber die Freundshaft könnte man doch beibehalten. "Wofür?", wollte Sebastian wissen.
Sie hatte keine Antwort.
"Nein, sowas geht nicht, ging nie und wird nie gehen." Davon war er gerade überzeugt. Eine Freundschaft zwischen den Geschlechtern? Eine Freundschaft trotz dieser Anziehung zwischen ihnen?
"Nein, sowas geht nicht, ging nie und wird nie gehen", wiederholte er nochmal in seinem Kopf.
"Doch, sowas geht, ging und wird immer gehen!", wiedersprach sie plötzlich fest entschlossen. So fest, dass er und sie sich wohl darüber wunderten. Sie ließ nicht locker. Und sie würde wohl auch nicht locker lassen.
Also ließ er sich darauf ein. Auf eine Freundschaft. Immerhin wären nun die Fronten geklärt.
Heute, 3 Jahre nach diesem Telefonat, sitzt er in seinem Zimmer. Sie sitzt neben ihm. Sie gucken eine DVD. Ein typischer Mädchenfilm, den sie mitbegracht hat. Er langweilt sich.
Viel ist passiert in den 3 Jahren. Sie haben es wirklich geschafft eine Freundschaft aufzubauen. Sie hat ein halbes Jahr nach dem Telefonat einen Freund gefunden, mit dem sie bis heute zusammen ist. Er hatte später eine andere Freundin gefunden, mit der es aber eher auf und ab geht. Sie sind nun wie beste Freunde.
Sie hält ihm manchmal vor, dass sie es damals bei dem Telefonat doch gewusst hatte. "Das geht auch zwischen Männchen und Weibchen!", quiekte sie während sie ihn anlächelte und aus dem Augenwinkel beobachtete. Er stimmte ihr dann immer zu. Doch wenn er sie nun so neben sich auf dem Bett liegen sah, wie sie dort mitfiebert, kichert und trauert, da erinnert er sich an die vergangenen 3 Jahre. Er hatte diese Spannung zwischen ihnen immer mal wieder gespürt. Beim Kaffee trinken. Während eines Telefonats nachts um 3. Wenn sie alle 4 im Kino waren. Wenn der andere seine Hand auf ihre Hüfte legte und sie Sebastian dabei ansah.
"Nein, sowas geht nicht, ging nie und wird nie gehen."- das waren seine Worte. Und wie recht er doch damals hatte. Er war verliebt. Seit Jahren. In seine gute Freundin. Er wusste damals, das er sich verlieben würde. Wären doch die Umstände anders gewesen.
Und nun? Na, da ist es zuspät. Er war damals der, der eine Beziehung ausschloss und nun kann er sie nicht erfragen.
Er fragt sich manchmal, wenn sie ihn mit ihren braunen Augen anfunkelt, was ihre Blicke bloß zu bedeuten haben.
Er sieht sie an. Die Frau, die neben ihm auf seinem Bett liegt. Die Frau, die er begehrt. Die Frau, die er nun nicht mehr haben kann.
Sie schaut rüber, grinst frech und fragt was los sei.
"Nichts."




Kommentare
schöne geschichte aber trotzdem irgendwie traurig.
04.08.2009, 16:27 von MadameKakaomanche stellen musst ich zweimal lesen aber sonst liest es sich gut.
es gefällt.