weAreAnimals 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 0

Sie hat lieber die Augen zu.

Die Luft, der Wind, der Boden: alles ist warm, denn es ist Sommer.

„Weißt du, ich habe meine Augen lieber zu.“, sagt Kaja und dreht den Kopf mit dem Gesicht zum Gras. „Ich hab sie lieber zu.“, wiederholt sie und ich frage mich, was sie sieht.

Die Sonne scheint heiß auf meinen Hinterkopf, während ich mir Kaja anschaue, die den Duft des warmen Grases einatmet.

Hoffentlich hat da nicht mal ein Hund drauf gepinkelt, denke ich, sage es aber nicht, weil sie sonst sauer werden würde. Glaube ich.

Der Wind der durch die Bäume kommt ist warm und träge und fühlt sich nicht besonders gut an.

Die Luft ist dick und Kaja hat lieber die Augen zu.
Es kommt mir ein wenig so vor, als wäre es egal, ob ich da bin oder nicht.

Ich hol‘ eine zerfledderte Ausgabe des Buches heraus, das ich gerade lese und lege ich neben Kaja ins Gras, das Buch halte ich vor mein Gesicht, damit die Sonne mir die Augen nicht ausbrennt.

Mein ganzer Körper glüht, denn ich liege unbeweglich in der Sonne und es fühlt sich furchtbar an, aber ich will mich nicht bewegen, also lese ich und versuche das zu vergessen, dass ich einen Körper habe.

Der warme Wind weht mir in die Nase.

Das Buch das ich lese ist alt. Es sieht aus als hätten schon viele darin gelesen, oder es versucht. Hin und wieder ist etwas unterstrichen.

Kaja dreht sich um und ich weiß nicht ob sie mich ansieht oder die Augen noch zu hat, also neige ich meinen Kopf zur Seite und sehe, dass irgendwie traurig dreinschaut. Trotz der Sonne.

Ich frage sie, ob wir uns in den Schatten legen sollen und sie sagt ja.
Als wir aufstehen schließt sie die Augen und hält sich an meiner Schulter fest. So blind führe ich sie durch den Park.

Sie hat lieber die Augen zu.

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