MadameChanel 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 2

Sandkastenfreundschaft

Eine alte Freundschaft bringt neue Gefühle...

Du bist der Mensch, den ich, außer meiner Familie, am längsten kenne und noch so regelmäßig sehe. Wir kennen uns seit sechzehn Jahren, fast unser ganzes Leben. Du bist und warst einfach immer irgendwie da. Das ist mit das Schönste in meinem Leben.

Kennen gelernt haben wir uns im Kindergarten. Du warst mein bester Kumpel und Kuschelbär. Die Bilder die Du mir gemalt hast, mit den für mich wunderschönsten Prinzessinnen die ich in meinem Kinderleben jemals gesehen hatte, werde ich niemals vergessen. Auch nicht, dass wir beide die Einzigen waren, die den Neuen nicht angesehen haben wie ein Alien, nur weil er dunkelhäutig war. Wir drei zusammen als Clowns im Zirkus „Remmi-Demmi“. Wir hatten eine tolle Zeit. 

Dann kam die Grundschule, wir wurden älter, waren aber immer noch in der gleichen Klasse. Die Prinzessinnen wichen Panzern und Kampfflugzeugen, die Jungs wurden cooler für dich und ein Mädchen als Freundin zu haben war doch doof. Aber trotzdem konnte ich mich immer auf dich verlassen.

Ich habe nie verstanden, warum Du so traurig bist und gleichzeitig versuchst so stark zu sein. Jetzt verstehe ich Alles, oder denke zumindest, dass ich es tue.

Nach der Grundschule ging es für uns beide zwar auf die gleiche Realschule, aber in unterschiedliche Klassen. Leider! 

Du wurdest akzeptiert und hattest die tollste Klasse der Schule, ihr habt immer alle zusammengehalten. Ich wurde gemobbt und ausgeschlossen. So oft habe ich mir deine Schulter zum Verstecken gewünscht, aber du hattest ja neue Freunde und hast gar nicht richtig gemerkt, wie schlecht es mir wirklich geht. Wir waren immer nur ein Zimmer voneinander entfernt und doch schien es so weit wie noch nie.

Als sich die Realschulzeit dem Ende neigte, war für mich die schlimmste Vorstellung dich nicht mehr regelmäßig zu sehen.

Und dann warst Du plötzlich einfach da, bei den Pfadfindern, wo ich dich schon in der Grundschule mit hinnehmen wollte. Du kamst zusammen mit zwei Mitschülern aus deiner Klasse, wir haben dich alle sehr schnell akzeptiert und Du passtest direkt perfekt in unser Grüppchen von lauter Individuen. Ich bin seit fast dreizehn Jahren dabei, Du jetzt schon seit vieren. 

 Die Leute aus unserem Trupp haben unsere Verbindung nie richtig verstanden. Warum müssen sie dir den Grund deiner Fröhlichkeit erst mühselig aus der Nase ziehen und das erste was Du machst wenn ich komme ist mir zu erzählen, dass Du am Morgen deinen Führerschein gemacht hast und mich jetzt immer nach Hause fahren kannst. 

Warum ich mich um deine Gesundheit sorge, wenn Du den ganzen Tag in der Sonne schuftest und ich dich anschreie, dass Du eine Pause im Schatten machen sollst und endlich mal was trinken. Oder warum wir nebeneinander schlafen und Du mir dein Kopfkissen unter Murren überlässt, weil mir meins nicht reicht.

Aber im Letzten Jahr wurde der Kuschelbär immer mehr zum Brummbär. Du wurdest immer muffeliger und ziehst dich immer mehr zurück. Deine künstlerische Begabung nutzt du kaum noch vernünftig. Ich liebe deine Bilder, wie Du malst, es ist wunderschön. Und Du malst Dinge die völlig unter deinem Niveau liegen. Fühlst dich genervt und angegriffen, wenn ich dich darauf anspreche.

Du hast dich verliebt, in dieses Mädchen das einen Freund hat und mit den Jungs nur spielt. Du merkst nicht, dass sie dich nur ausnutzt, deine Nettigkeit gar nicht zu würdigen weiß.

Dein Blick, wenn Du sie mit ihrem Freund kuscheln siehst, diese Traurigkeit darin, die macht mich traurig. Am liebsten würde ich dich dann schütteln und dich anschreien, dass Du endlich merkst, dass sie dich nicht will und dich nur immer mehr verletzt. Aber ich weiß nicht mehr, wie ich mich dir gegenüber verhalten soll.

Du merkst immer wenn es mir nicht gut geht und hörst mir dann auch gerne zu, versuchst mich zu beruhigen und mir Mut zu machen, aber Du schaffst es nicht, mich in den Arm zu nehmen.

Dieser Abend vor zwei Wochen am Lagerfeuer. Wir saßen nebeneinander, unsere Freundin hatte ihren Kopf an meine Schulter gekuschelt, ich habe mich nicht getraut das Selbe bei dir zu tun. Als wir dann später zusammen ins Zelt gegangen sind und ich dir „Gute Nacht“ gesagt habe kam nur ein leises Brummen von dir, gleichzeitig hast Du dich umgedreht, mir in die Augen geschaut und gelächelt.

Ich habe mich nicht in dich verliebt. Das geht auch gar nicht, allein die Vorstellung funktioniert in meinem Kopf nicht! Dieses Gefühl in meinem Bauch wenn ich an dich denke kenne ich nicht und eigentlich möchte ich mir auch nicht wirklich weiter Gedanken darüber machen. Ich will mich nicht in dich verliebt haben!

Gleichzeitig wünsche ich mir nichts sehnlicher als dich zu umarmen, ganz fest zu drücken und dich nie wieder los zu lassen!

 

Und vielleicht eine wunderschöne Prinzessin, gemalt von Dir!

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