Romantische Verklärung?
Schon mal das Gefühl gehabt, einer Sache hinterherzulaufen, die anscheinend die genau entgegengesetzte Richtung eingeschlagen hat?
Seit Ewigkeiten denke ich nun schon darüber nach, wie ich all diese wirren Gedanken in Worte fassen soll. Wie ich mit diesen kleinen Momenten, die mich immer wieder an Vergangenes erinnern, endlich abschließen kann.
Das ist insofern ganz interessant, da ich bis vor etwa zweieinhalb Monaten nie groß darüber nachgedacht habe. Na klar, es war schon damals irgendwie komisch zu merken, dass sich die Beziehung zu diversen Menschen ändert, man sich von einander entfernt. Aber es war eben kein Drama. Ist schon unzählige Male passiert und wird auch wieder passieren. Und wenn man sich dann mal zufällig trifft, kann man ja immer noch über irgendeinen Quatsch reden, für den man sich noch vor gar nicht all zu langer zeit geschämt hätte. Doch seit dem Tag, als Du nach dem Sinn von "uns" fragtest, hat sich das geändert. Ist vermutlich aber auch völlig normal, dass man am Ende eines Lebensabschnitts zurückblickt und das Geschehene noch mal überdenkt.
Doch dieses Mal war es anders als sonst. Neben den gewohnt schlaflosen Nächten und verdammten Gedanken, dass es ja doch bitte irgendwie hätte gehen können, kamen diese lästigen Flashbacks hinzu, die man sonst nur aus irgendwelchen TV-Serien kennt. Lied XY, das wir damals lauthals mitgrölten, läuft im Radio - und zack, das Kopfkino beginnt. Den Weg zu einem gemeinsamen Freund zum ersten Mal alleine gehen, hin als auch zurück - Überlänge. Eine völlig banale Alltagssituation zum tausendsten Mal erleben - und doch erinnert mich sich nur daran, wie man sie mal zusammen durchlebt hat. Obwohl man auch schon mit vielen anderen Menschen in genau dieser Situation war.
Die Sache ist allerdings: Es geht hier nicht nur um Dich. Mir wurde in letzter Zeit auch klar, dass dieses Problem sich ausweitet. Auf Freundschaften. Vergangene Woche telefonierte ich mitten in der Nacht mit einer Freundin und wir sprachen über einen gemeinsamen Bekannten. Ich schreibe "Bekannten", weil ich mir nicht mehr sicher bin, ob er wirklich jemals mehr als das war. Auf eine doch sehr kindische Art und Weise hatte er nämlich uns kurz zuvor auf diversen Online-Plattformen virtuell und symbolisch die Freundschaft gekündigt. Das Lustige daran ist nur, dass eigentlich ich derjenige hätte sein müssen, der diesen Schritt machen sollte, wenn ihn denn einer macht. Aber offensichtlich bin ich immer der, der verlassen wird, egal in welcher Konstellation. Jedenfalls wurde mir während dieses Gesprächs klar, dass ich seit dem vorletzten Sommer kaum mehr neue Bekanntschaften, oder Freundschaften, geschlossen habe. Viele meiner Erinnerungen an volltrunkene Nächte im Park, verstolperte Heimwege oder den fürchterlichen Sekundenschlaf in der S-Bahn stammen aus dieser Zeit, die nur durch wenige Menschen etwas ganz Besonderes geworden war.
Jetzt aber, nachdem all das langsam und ganz nebenbei mit der Zeit verloren ging, frage ich mich, wieviel es eigentlich überhaupt je bedeutet hat. War ich für ihn schon damals nur der "Bonus", wie er so charmant sagt, der "Bekannte" aus der Uni, mit dessen Weg sich meiner nur ganz zufällig kreuzte? Haben wir uns nur gegenseitig das Herz ausgeschüttet, weil gerade kein Anderer da war? Und warum habe ich eigentlich nicht reagiert, als ich merkte, dass man sich voneinander entfernt und immer weniger zu sagen hat? Etwa aus Rücksicht, weil ich sicher etwas Schlechtes über seine neue Freundin gesagt hätte, mit der er schon bald verschmolz? Seine neue Freundin übrigens, bei der ich ihn immer wieder, nach jedem Rückschlag in der Entstehungsgeschichte ermunterte, weiterzumachen bis es klappt. Frag doch noch mal jemand danach, wie man sich selbst am Besten ins Knie schießt.
Dass ich bei Dir einem flüchtigen Gedanken, einer vagen Hoffnung, aber doch in erster Linie einer toten Idee hinterhergelaufen bin, das glaube ich mittlerweile zu wissen. Aber es ist erschreckend, dass ich es ganz offensichtlich auch bei anderen Menschen getan habe und nach wie vor tue.
In zwei Wochen treffe ich mich mit ihm, um sich vielleicht ein letztes Mal gescheit zu unterhalten, vielleicht auch um einen Schlußstrich zu ziehen und all das endlich zu verstehen. Denn alleine schaffe ich es nicht.
Und am Ende ist es dann ja doch fast wie bei Dir, irgendwie.






Kommentare
ganz toller text!
11.02.2009, 15:01 von lialia.kann ich sehr gut nachvollziehen
ha ich hab genau das gleiche Problem zur Zeit, nur leider noch mit mehr wirren Gedanken die sich nicht zu Papier bringen lassen.NOCH nicht.hehe.
03.01.2009, 01:49 von La_petitedas kenne ich nur zu gut!
03.03.2008, 11:39 von Tamou_Aduke