Requiem für einen Fuchs
Du warst ein Waschbär, sie war eine Hummel und ich war ein Fuchs. Jetzt ist er tot - ich habe ihn überfahren.
Als sich die Sonne begann sich hinter dem magischem Schleier der Nacht zu verstecken und wie ein runder Feuerball im Rückspiegel meines Autos verschwand war ich fast zu Hause angekommen. Eigentlich ein normales Wochenende - immerhin hätte es das werden können, denn Heute ist Freitag.
Zu Hause ist da wo das Herz ist und meines liegt in Frankfurt, schlagend und pulsierend für eine Stadt in der mich jede Ecke, jedes Rinnsal und jede Straßenecke an mein Leben erinnert - zumindestens an das bevor der Umbruch kam.
Ich lebe mit der Überzeugung das man in seinem Leben wenige Freunde findet mit denen man eine Verbindung erfährt, die so tief und echt ist wie es die unsrige war. Wir machten alles zusammen, wir durchlebten meine Trennung, deine Arbeitslosigkeit, den Streit deiner Freundin - der Hummel - mit ihrem Vater und weitere Abschnitte, welche den Weg des Lebens säumten.
Selten war ich mir einer Sache so sicher wie der unsrigen, niemals hätte ich geglaubt das es ein Ende findet. Ich werde niemals vergessen wie wir Nächtelang durch die Dunkelheit fuhren um uns die Lichtkegel von Frankfurt anzusehen, wie wir den Geruch des Sommers definierten, oder wenn wir Nachts in das Schwimmbad einbrachen. Wenn ich mir Vorstelle wie ich auf einem Tisch um Drei Uhr Nachts versuche in einem öffentlichem Schwimmbecken zu surfen muss ich immernoch lächeln.
Diese Momente sind unbezahlbar und unwiederbringlich. Sie sind das Licht das eine ganze Weile meinen Weg ausleuchtete, stets hatte ich das Gefühl euren Weg auf dieselbe Art- und Weise zu erhellen. Oft versuchte ich heller zu strahlen als das Flutlicht eines Drittliga-Vereins.
Irgendwann bezahlte ich meine Stromrechnung nicht, es war der Tag an dem ihr mir die Freundschaft abgeschworen hattet. Es war der Tag an dem sich unsere Wege trennten und was tatsächlich übrigblieb waren Fetzen von Erinnerungen an eine unwiederbringliche Zeit.
Dunkelheit bedeckte alles in mir, dieses Gefühl war - und ist - mit nichts zu vergleichem.
Regelrecht Taub war ich.
Als ich am Heutigem Tage die Sonne bereits nicht mehr sah und hinaus in die Tiefe Nacht blickte fuhr ich hinfort in die Dunkelheit um die Lichtkegel zu suchen die wir einst begutachteten. Auf einem Berg fernab der Zivilisation fand ich sie, ich zündete mir eine Zigarette an und schwelgte in Erinnerungen.
Plötzlich kam mir die Idee endlich zu dir zu fahren, endlich den Weg zu fahren welchen ich sofort fahren wollte, wenn ich ein Auto kaufen würde. Immer schon wollte ich diese Straßen entlang fliegen und dann binnen ein Paar Minuten klopfend vor deinem Fenster stehen. Heute war dieser Tag.
Im Schleier der Nacht folgte ich den Leitpfosten zu dir, klebend an der Stoßstange eines Rentners der offensichtlich überfordert war mit meinem Fahrstil.
Ich wechselte die CD, stellte die Musik lauter und sang laut unser Lied - Time to pretend. Dieses Lied hatte ich Monate nicht gehört, diesen Weg war ich Monate nicht gefahren - Jetzt war die Zeit.
Ich bog in deine Straße rein, schaltete mein Licht aus und fuhr langsam an deinem Haus vorbei um schließlich zu wenden, einen letzten Blick darauf zu werfen und mich ein bischen so zu fühlen wie ein Geisteskranker der seine Ex-Freundin verfolgt und beobachtet. Dein Auto stand nicht da, ob du wohl ein neues hast ? Das Licht bei deinen Großeltern war erloschen, ob sie wohl tot sind ?
Die Lichter meiner Scheinwerfer warfen sich auf die Straße und vertrieben die Dunkelheit der Nacht, das Auto begann zu brüllen und mein Puls raste so sehr wie meine Tachonadel.
Dann - im Bruchtteil einer Sekunde - lief ein Fuchs über die Straße. Ich hielt das Lenkrad fest und legte eine Vollbremsung hin, es knallte. Ich sah wie Gedärme, Organe und andere undefinierbare Teile durch die Luft flogen um letztendlich aufzuschlagen. Mein Herz raste, meine Gedanken zerstreuten sich in alle Richtungen. Von allen denkbaren Tieren war es ausgerechnet einen Fuchs der starb, ein Fuchs.
Ich trat die Kupplung, fuhr davon, drehte die Musik lauter und verschwand in dem nächsten Abschnitt meines Lebens.
Der Fuchs ist tot - ich habe ihn überfahren.




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