Rausch
In liebender Erinnerung.
Ich höre deine gleichmäßigen Tritte auf dem Boden. Klapp, klapp, klapp... Ich hebe und senke mich im Sattel, deinem Rhythmus folgend, die Beine locker um deinen Bauch gelegt, die Füße stehend in den Bügeln. Ich halte die Zügel fest in den Händen, wohl wissend, dass du sie jederzeit ignorierend könntest. Doch ich weiß du würdest es nie tun.
Und dann gebe ich sie vor, nur eine leichte Verbindung haltend- Und du schießt los. Ich fühle, wie der Wind in mein Gesicht peitscht, dass mir die Tränen kommen. Meine Haare wehen nach hinten und ich lehne mich vor, der Freiheit entgegen, während du immer schneller wirst.
Dein Körper zieht sich unter mir zusammen und streckt sich wieder, in perfektem Muskelspiel und meiner folgt ihm in einem grenzenlosen Verlangen nach dem Leben selbst.
Ich stehe jetzt in den Bügeln und lasse dich den besten Weg suchen, ich vertraue dir vollkommen.Und in diesem Moment gibt es nichts Einfacheres als einfach mit dir hier längszurasen.
Sich einfach tragen lassen, diesen Moment des vollkommenen Gleichklangs zu spüren, in dem Reiter und Pferd beide nur einen gemeinsamen Wunsch haben und dies auch voneinander wissen.
Du weißt, wenn du jetzt schneller würdest, ohne je aufzuhören würde ich dich nicht hindern. Und ich weiß, du hast nur den Wunsch weiterzulaufen, deine eigene Kraft auszutesten, dich selbst bis an die Grenzen zu treiben, bloß um das eigene Muskelspiel genießen zu können, aus purer Freude an dir selbst. Und ich hab meine eigene Freude daran. Unsere Geister sind in diesem Moment verbunden, wir denken im gleichen Tempo und reagieren auch so. Meine Bewegung gleicht deine aus und deine die meine-
Wir sind eins und wir schießen wie ein Pfeil durch den Wald.
Es gibt nichts Einfacheres.
Tags: Tiere, Pferde, Reiten




Kommentare
Ich reite auch nicht selbst, aber diese Beschreibung finde ich sehr gut. Sie gibt mir die Möglichkeit deine Gefühle beim reiten nachzuvollziehen. Sehr schön.
16.02.2012, 08:57 von TaneaVielen Dank :)
16.02.2012, 16:54 von Lady_Hopedie unzaehligen Kommentare zu diesem feinen Text beweisen, wie wenig Reiter es hier in diesem miefigen neon.de gibt.