Raum geben.
Wenn man bedenkt,was während eines Lebens in einem Zimmer passiert, wie viele Geschichten dort geschrieben werden.
Ich hab dir Briefe geschrieben, die nötig waren, um wieder zu atmen. Das Glück liegt eben nie in einer anderen Stadt, sondern in der Art, wie du mit deinem Leben umgehst. Deswegen warte ich manchmal auf deine Gedanken und es kommt nichts, deswegen will ich nicht mehr die Ablösung sein, sondern der Grund.
Es gibt Nächte, da kommst du verworren nach Hause, legst dich neben mich und erzählst mir von Ideen, die du immer nur morgen umsetzen willst, aber nie jetzt. Du verwirfst deine Lebensplanung jede neue Minute. Du erfindest dich jede Viertelstunde neu. Ich soll dieser Geschwindigkeit mithalten, dich aber nie überholen. Ich soll hinter dir stehen, doch nie neben dir.
Diese Nächte sind Ansammlungen deiner Abenteuer, für etwas anderes findest du keinen Raum. Der einzige Raum, den du mir zusprichst, ist der, den du auch zum schlafen gebrauchst. Dann sprichst du in Bildern und malst mir diese in meine Träume, dann schläfst du zu schnell ein und viel zu lange.
Da gibt es diese Tage, da kommst du eingeordnet zu mir und meinst nun den richtigen Weg gefunden zu haben. Dann entscheidest du dich gegen eine Stadt und für eine Andere. Dann kommt der Moment, indem du dir deine Möglichkeiten ausrechnest, dort glücklich zu werden und die Möglichkeiten dies auch zu überleben.
Du sagtest mal, wenn man bedenkt, was während eines Lebens in einem Zimmer passiert, wie viele Geschichten dort geschrieben werden, dann darf man nur nicht vergessen, dass die eigenen Sensationen nicht die Einzigen sind.
Ich merkte mir den Ausdruck deines Gesichtes in diesem Moment, es klang nach Anklage, sah aus wie Erleichterung und fühlte sich an wie Liebe.
Immer wenn du deine Augen nach Nächten des Exzesses öffnetest, das Wetter erkennst und den Tag verurteilst, teilst du deinen Blickwinkel auf. In Hundert Einzelteile fügst du dein Leben neu zusammen, formulierst neue Regeln, malst neue Bilder, unwiderruflich deinem Herzen unterlegen.
Es ist egal, ob andere dich wiedererkennen, Hauptsache du hast den Durchblick, es ist egal, ob du andere deinen Gefühlen vertrauen , Hauptsache du vertraust deinem Gefühl.
Und in den ruhigen Momenten, an Bahnhöfen wenn die Sonne scheint, das Leben kurz vor einem Gewitter steht, genau in solchen Momenten, dann wünsche ich dir, dass du ein Zimmer für dich alleine bekommst. Denn du hast genug Geschichten, um der Würde des Raumes gerecht zu werden, denn du hast genug Momente, die du niemandem anvertraust.
Aber diesen Moment behalte ich für mich.




Kommentare
Wann kommt dein erster Sammelband mit all deinen Texten heraus? :)
08.08.2009, 18:53 von reminderHoffe ich bekomm dann ein signiertes Exemplar!
Wunderschön.
11.06.2009, 11:21 von FlowertoflyIch liebe deine Texte!