Ohne Reue
Nichts mehr ist einfach und noch weniger unkompliziert. Nicht wegen mir und nicht wegen dir...
„Einfach und unkompliziert“, so hattest du gesagt. Zu Beginn war ich es, die die Probleme damit hatte. Jahre jünger, wesentlich unerfahrener und erst ein paar Monate zuvor unsanft von einer Beziehung in die nächste geschlittert.
Jetzt, vier Monate später, ist nichts mehr einfach und noch weniger unkompliziert. Nicht wegen mir und nicht wegen dir… Nein – das „Problem“ ist deine Freundin und das schlechte Gewissen, das du ihretwegen hast.
Woher hätte ich auch wissen sollen, dass du ihr schon mal fremd gegangen bist? Ihr, der „Frau deines Lebens“? Wieso hätte ich dir nicht glauben sollen, als du mir sagtest, dass ich seit drei Jahren die erste andere Frau bin?
Lange genug war ich diejenige, die in den entsprechenden Momenten abgeblockt hat. Trotz des Kribbelns, der Neugier und dem Knistern in der Luft. Das Knistern, das viele um uns herum ebenfalls bemerkten und das mir das Gefühl gab, etwas Besonderes zu sein.
An einem Abend bin ich schwach geworden. Weil ich es wollte. Weil du es wolltest. Weil es schön war und die Situation so richtig.
Jetzt sitze ich hier. Verwirrt, unsicher und vermissend. Nach zwei Monaten habe ich dich gestern endlich wieder gesehen, gegen den Willen deiner Freundin.
Als du den Bahnsteig entlang von mir weg gelaufen bist, habe ich dir lange nachgesehen. Habe gehofft, dass du dich nochmals umdrehst. Dass du zurück kommst, mir sagst, dass es dir leid tut.
Dabei hattest du dich doch zuvor schon zehn Mal entschuldigt. Für deine verplante Art, deiner Angst, deine Freundin erneut zu enttäuschen und für deine Gefühle, die du für mich hast.
Hätte sie damals nicht von deinem früheren Seitensprung erfahren, hätten wir wahrscheinlich so weitergemacht, wie wir aufgehört haben. Viel zu nah und viel zu vertraut.
Ich hätte meinen Freund wieder und wieder enttäuscht. Vielleicht hätte mich mein Gewissen irgendwann geplagt, vielleicht auch nicht.
„Einfach und unkompliziert“ ist es für dich schon lange nicht mehr. Und trotzdem will ich dich und unsere Freundschaft nicht aufgeben. Denn ich bereue nichts!




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