ehegal 28.04.2007, 17:02 Uhr 0 0

Mit dir chill'n

Nie wieder habe ich einen Menschen getroffen, mit dem das so gut ging. Das Chill'n ohne Pflichten, ohne Unruhe und ohne Ängste.

Wir hatten nur uns zu der Zeit, sodass man alles mit dem anderen geteilt hat. Fast jeden Gedanken haben wir uns mitgeteilt, ihn durchgedacht, durchbesprochen, ihn belacht, ihn beweint.
Ja, natürlich gab es Sorgen, gab es Ängste, gab es Hass und Wut, aber sie wurden aushaltbarer miteinander. Sie rückten in ein helleres Licht, sodass man sie vielleicht endlich auch einmal nach Jahren besser betrachten konnte, sie besser verstehen konnte. Das war unser Trick, weißt du?
Wir haben uns überall zu Hause gefühlt, hauptsache da war ein Platz, wo wir sitzen konnten, wo wir rauchen konnten. Die hässlichsten Plätze wurden egal, denn man hatte einander. Einander zum Ansehen, einander zum Fühlen.
Du warst mir vielleicht die größte Stütze, die ich jemals hatte, weil du da warst, jeden Tag, an fast jedem Ort. Und wir haben gechillt, wirklich gechillt.
Dieses Chillen war so wichtig für uns, du weißt das, denn man hing daran, hing an dem anderen, dass man alles, was man hatte in dieses Chillen reinsetzte.
Es war uns egal, was andere sagten, wir hatten das Gefühl die Monate die wir chillten, stand die Zeit ein bisschen still.
Wir konnten uns minutenlang in die Augen sehen, in ihnen lesen, sie fragen, sie ärgern... bis einer lächelte, bis einer mit den Augen etwas sagen wollte. Etwas. So ein paar Wörter, weißt du? So ein paar drei Wörter.
Dann hat der andere weggesehen. Du hast weggesehen, ich hab weggesehen.
Irgendwie wurde das zuviel. Wir waren doch Freunde.

Nur irgendwann ging dein Leben weiter, mein Leben ging weiter. Vielleicht war es einfach nur Glück, dass sich zwei, die am Leben verzweifelt waren und nicht wussten wohin, zur selben Zeit getroffen hatten um zu Chilln.
Es wurden andere Dinge, andere Menschen wichtig, sodass man nicht mehr so aufeinander angewiesen war. Klar haben wir zwischendurch was unternommen, uns ausgetauscht. Nur es war anders, weißt du?
Okay, es waren Treffen, längere Treffen und wir haben geredet und gelacht, uns geärgert, waren traurig,.. so wie früher, denn das grenzenlose Vertrauen ist immer noch da.
Nur.. es war da trotzdem eine Grenze zwischen uns beiden, eine Grenze gebaut aus anderen Menschen, aus Moral. Wir konnten uns nicht mehr so nah sein.
Weißt du wieso?
Die Zeit ist bei den Treffen nicht mehr stehen geblieben, die Sorgen und Ängste waren nach den Treffen immer noch da. Es war so anders als früher.
Wir hatten nicht mehr ein gemeinsames Leben, sondern jeder sein eigenes, in dem der andere nicht mehr viel Einfluss hatte.
Manchmal hast du mir in die Augen gesehen, zu lange, zu suchend, zu fragend.
ich konnte dir nichts beantworten.
Doch du hast dann gefragt, hast fast befohlen.. mit deiner Art halt, wir müssten uns sehen, müssten chillen. Wir müssten endlich reden.
Ich habe gelächelt.

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