Whiskey 17.05.2009, 15:08 Uhr 1 1

Meine Erleuchtung

Auf dem Monitor flackern die Namen der Schauspieler. 1 Stunde, 43 Minuten und 26 Sekunden zur Erleuchtung.

Ich mein, wer kennt das nicht? Diesen tollen "Aha-Effekt", wenn man irgendwas begriffen hat, was einem davor wie ein Rätsel vorkam? Nach 3-4 Monaten habe ich endlich begriffen, wieso sie so handelt, wie sie es tut. Durch einen Film.

"Vergiss mein nicht" ist so die Hollywoodantwort auf gute Liebesfilme, mit philosophischen Charakter. Schlecht durchdacht, platt inszeniert und streckenweise ungewollt komisch. Man könnte meinen, dass es die Besetzung irgendwas hergibt, aber der Tränenozean Kate Winslet setz dem Drama (und hier ist die sarkastische Form gemeint, nicht das Genre) die Krone auf. Unlogische Fragmente vermischen sich mit Plattitüden noch und nöcher. So springt Joel (Jim Carry) in seinen eigenen Kopf hin und her, um seine Erinnerung zu bewahren, welche ihm aber letztendlich doch genommen werden. Weil die Liebe so stark war, versteht sich. Gleichzeitig flüchtet der aufgesetzte Freigeist Clementine (der Name ist übrigens das einzige wirkliche Highlight in dem Film) in eine oberflächliche Beziehung mit irgendeinem Spinner, der Joel's Erinnerungen nachspielt. Natürlich bemerkt sie es. Natürlich ist die Liebe von Clementine und Joel so stark, dass sie sich wiedersehen. Happy End, der ganze verschnulzte Mist. Mal abgesehen von den wirklich schönen Bildern, habe ich da ca. 2 Stunden meines Lebens verschwendet. 2 Stunden, weil ich zwischendurch eine Rauchen musste und mein Lachanfall nicht enden wollte, als Hollywood versuchte, menschliches Drama zu bieten.

Doch dann kam die entscheidende Szene. Die beiden Hauptdarsteller hören sich ihre gelöschten Erinnerungen auf Kassette an und sind zufällig jeweils immer zu zweit anwesend. Als er seine abspielt, stürmt sie aus seiner Wohnung und jammert irgendwas von: "Ich bin kein Ideal, du liebst das Ideal." Stop! Ich halte den Film kurz an und versuche mich zu erinnern... diesen Satz hast du doch schon mal gehört. Schon rattert es in meinem Kopf und ich befinde mich auf dem Balkon einer Freundin wieder. Sie sagt mir genau das. "Männer lieben das Ideal, nicht mich." "Nein...! Das hat sie nicht wirklich gesagt", denke ich mir und drück wieder auf Play.

Nur wenige Minuten später lehnt Clementine an der Hauswand, sie heult, wie in fast jeder Szene und sagt voller Überzeugung: "Ich bin nichts außergewöhnliches. Ich bin nur ein kaputtes Mädchen, was ihren Seelenfrieden sucht." Schon wieder! Ich kenne all diese Sprüche. Es ist wieder der Balkon und es ist wieder die gleiche Frau. Plötzlich muss ich schmunzeln. Lang und breit zieht sich ein Lächeln über mein Gesicht. "Das ist doch ein scheiß Scherz, oder?" rede ich mit meinem Computer und muss wissen, wie es weitergeht. Die nächsten Minuten des Films habe ich schon erlebt. Fast wortwörtlich hat sie mir damals diese Dinge gesagt. All ihre Exfreunde wären solche Menschen gewesen, es wäre nie ihre Schuld. Sätze wie: "Ich nehme sie für eine gewisse Zeit raus aus der Realität." Das war nur geklaut. Das Vortäuschen der eigenen Meinung, aufgrund eines Films.

Ich frage mich kurz, ob sie wirklich danach lebt. Ob sie nach einem Film lebt, der schlechter und peinlicher nicht sein kann. Nein, das kann sie nicht. So ist doch niemand drauf. Wer tut denn so was? Ich halte kurz inne. Vor 3-4 Monaten haben wir uns aus Unwichtigkeiten gestritten. Seitdem nie wieder gesehen. Als ich mich bei ihr entschuldigen wollte, sagte sie so was wie: "Ich brauche Zeit, mein Herz kann das jetzt nicht." Vor fünf Minuten habe ich mir 10 der albernsten Hollywoodstreifen der letzten Jahre bestellt. Wenn ich die Zeit finde, dann finde ich bestimmt auch, welcher Film es diesmal war."Wichtige Links zu diesem Text"
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