suffee 31.01.2011, 23:57 Uhr 0 0

Mein Mitbewohner.

Begleiter und Kommentator meines Lebens. Über eine ganz besondere Beziehung.

Nervensäge. Es ist schon 14 Uhr durch und der pennt immer noch. Muss der nirgendwo hin? Ach nee, heute ist ja kein Deutschkurs. Hat der´s gut, ich hab schon mehrere Stunden Seminar hinter mir und sitze schon wieder am Schreibtisch. Da steht er auf, fröhlich pfeifend, mal wieder in seiner rosa Unterhose und dem durchsichtigen, fadenscheinigen, verwaschenen weißen T-Shirt, das sein Onkel mal bei einer Tageszeitung gewonnen hat.
Ich weiß so viel von ihm und doch fast nichts. Wir sind uns so nahe, können uns so gut auf die Nerven gehen und trotzdem verbindet uns nicht mehr als die gemeinsame Wohnung.
Jetzt ist er ausgezogen und es tut einfach nur weh. Habe ich mich in ihn verliebt? So oft habe ich mich das schon gefragt. Ich glaube nein. Mein Herz hat immer nein gesagt, auch wenn da oft ein Knistern in der Luft war zwischen uns. Sexuelle Anziehung, am Anfang. Wir haben mal rumgeknutscht. Es war keine gute Idee. Nicht überzeugend. Es war nicht schlimm, danach. Oder zumindest auf eine sehr schräge Art anders. Irgendwie war dieses Thema abgearbeitet zwischen uns, die Knisterstimmung ließ nach und wich einer ewigen Vertrautheit. Manchmal war er auch nur nervig oder großartig, wenn ich nach Hause kam und er extra für mich etwas gekocht hat. Ich vermisse, vermisse, vermisse ihn. Vielleicht war er für mich wie der große Bruder, den ich nie hatte. Von dem ich gar nicht wusste, wie sehr er mir fehlt.
Dann hat er seine Freundin kennen gelernt. Übers Internet. Das war von vornherein scheiße. Nicht für ihn, ihm gings großartig. Mir saudreckig. Verlassen, einsam, depressiv. Ich wollte mich für ihn freuen und habe doch immer nur meinen Verlust gesehen. Es kam schließlich, was mir von diesem Zeitpunkt an klar war: Er zog aus. Zu ihr.
Ich bleibe zurück. Verlassen. Einsam. Keine Schulter mehr zum Ausweinen in der Nähe, kein fröhliches Pfeifen, keine vertraute, unkomplizierte Beziehung, die eben keine ist. Das war der Punkt, vielleicht. Sein Zimmer ist so leer. ALLES ist leer ohne ihn.

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