Cosmictears 22.12.2008, 14:57 Uhr 1 0

Lieber B.

Ob es Sinn hat, Dir einen Brief zu schreiben, den Du nie lesen wirst? Ich weiß es nicht. Aber ich vermute schon. Oder hoffe es zumindest…

Es hat mir wehgetan Dich so zu sehen. Nach all den Jahren. Nicht, dass Du nun das genaue Gegenteil Deines alten Selbst wärst, nein, die Anzeichen waren da, aber diese völlige Rückgradlosigkeit schockierte mich gerade zu. Es tut mir leid, dass ich so hart sein muss, aber ich will dass Du weißt, was da mir Dir geschieht. Oder schon geschehen ist. Ein Held warst Du nie, aber Du warst auch nicht das. Nicht dieser gebrochene, gehorchende, buckelnde Mann, der Du nun bist.

Ich bin wahrscheinlich nicht die, von der Du hören willst, was ich an Dich adressiere, aber ich kann nicht schweigen. Du kennst mich, der geschlossene Mund ist nicht meine Art. Ich will sie nicht schlecht machen (das kann sie ganz alleine), ich will nur sagen, nur fragen, nur fragend sagen dass ich hoffe, dass da etwas ist, was ich nicht sehe. Das sie mehr ist, als das was sie mir erscheint, dass sie Dich glücklich macht.

Dein Leben und wie Du es lebst will ich nicht kritisieren. Da scheint viel zu sein, was gut und schön für Dich ist. Und das ist wundervoll! Ich will dass Du glücklich bist. Doch erlaube mir zu sagen, dass ich – oh Gott, muss das anmaßend klingen – nicht tauschen möchte. Vielleicht sollte es nach Deinen Plänen immer so enden, aber das ist nicht das was ich leben könnte. Das ist so weit weg von dem was ich habe. Und auch so weit weg von dem, was wir hatten.

In Deinem Leben herrschten immer schon dominante Frauen, auch ich war da keine Ausnahme. Stark war ich. Und doch zu schwach um zu gehen. Da war es das einzige Mal an Dir, die Zügel in die Hand zu nehmen, zu begraben, was schon lange tot war. Und ich danke Dir dafür. Zusammen wären wir nicht weiter gekommen. Unsere Wege haben sie getrennt, doch waren wir lange in Sichtweite, aber irgendwann scheine ich Dich dann doch aus den geistigen Augen verloren zu haben. Und dann, als ich Dich wieder entdeckte war ich entsetzt darüber, was der Weg aus Dir gemacht hat. Meiner hat mich wachsen lassen, stärker, schöner, besser werden. Und zeitgleich wurdest Du… ich weiß nicht was, so klein, so weich, so geknickt.

Ich will nicht sagen, dass ich Dich bemitleide. Mitleid wäre falsch. Du bist freiwillig dort, wo Du nun bist. Kein Schicksal, keine bösen Umstände haben das verursacht, nur Du. Aber eine gewisse Trauer kann ich nicht verbergen. Bedauern darüber, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, wir würden in dieselbe Richtung gehen. Doch da ist noch etwas anderes. Etwas Dunkleres. Abscheu. Nicht vor Dir, nein, aber vor Deinem Verhalten. Das Geduckte. Das Schleichen. Die Angst, einen Fehler zu machen. Das sollte in einer Beziehung nichts verloren haben. Gemeinsam solltet ihr sein, nicht hierarchisch.

Weißt Du, was ich mir wünsche? Dass sie es wert ist. Dass sie Dich glücklich macht und Du für sie gerne so bist. Dass eure Liebe Deine ganze Unterwürfigkeit lohnt. Ich hoffe, Du bist glücklich dort wo Du jetzt bist. Ich hoffe, ich habe Unrecht mit meinen Zweifeln.


In Liebe,
L.

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Kommentare

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      @[Benutzer gelöscht] Macht nichts. Du musst mir nicht glauben. Denn ich weiß, dass es so ist. :-)
      Ich bin glücklich. Ich hoffe, er ist es auch.

      22.12.2008, 15:25 von Cosmictears

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